Guttenberg: Kein Rücktritt, aber Verzicht des Doktortitel

Die Zeit holt uns ein. Wir alle kennen diesen Spruch. Manchmal passt er auch zu einem selber. Diesmal scheint es unseren obersten Monarchen zu treffen. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, ist mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll. Genauer gesagt: Er soll Textbausteine und Absätze von anderen Autoren nicht in Zitate gekennzeichnet haben. Nun steht sein Doktortitel zur Diskussion. Von Rücktritt ist aber keine Rede mehr

Tja, der Spott ließ nicht lange auf sich warten.

Juli Seeliger titelte in der TAZ :“Der Lurch des Jahres

In der heutigen TAZ-Seite auf Seite 6 lästerte Niklas Wirminghaus mit der Überschrift: „Neue Probleme mit Googleberg“

Im Internet ist eine Seite eingerichtet worden: Gutenplag Wiki
Dort sollen alle Fakten dokumentiert werden.

Auch in der konservativen Presse kommt der Umfrageliebling nicht gut weg. Die Union witterte natürlich eine linke Kampagne. Deshalb wird er von Schäuble und Merkel noch öffentlich gestützt.
Heute sollte eine Pressekonferenz in Berlin stattfinden. Dieser PK stellte er sich aber nicht. Der Adlige entschuldigte sich und verzichtet vorerst auf seinen Doktortitel.
Seine Erklärungen wurden nur von auserwählten Medienvertreter/Innen abgegeben, berichtete Radio 98,5

Die Hannoverische Tageszeitung hatte gestern noch davon gesprochen, dass der Minister zurücktreten könnte. Es scheint so, als backt er nun kleine Brötchen. Vielleicht hat er ja Glück und die Öffentlichkeit verzeiht ihm auch das. Viele munkeln schon: Wenn er das medial überlebt, sogar noch Nutzen aus der Affäre zieht, dann steht die Tür im Kanzler ganz weit offen.

11 Kommentare zu “Guttenberg: Kein Rücktritt, aber Verzicht des Doktortitel

  1. Was für eine Schande für die politische Klasse.
    Denn was ist an zu Gutenberg schon dran ?
    Er ist im Kreis seine Kollegen lediglich der Einäugige unter den Blinden. Mit einem so großen Abstand, daß wir alle und wirklich alle geneigt sind, ihm (fast) alles zu verzeihen.
    Obwohl er das zumindest äußerliche Bild des typischen Strebers abgibt, mögen wir ihn und und wollen ihn eingestanden oder uneingestanden behalten.

    Für mich wieder mal eine gute Gelegenheit für meinen Wunsch (auch an alle):
    Für eine neue Generation Politiker sorgen, und zwar mittels Masseneintritt der Nachdenklichen in die Parteien:
    http://www.demokratievonunten.blog.de

    1. Wenn die Parteibasen, egal welcher Parteien, es erlauben, dass solche PR-gesteuerten Personen wie Herr Guttenberg Spitzenämter bekleiden dürfen, dokumentiert dieses eines: Ohnmächtigkeit. Diese unserer Ohnmächtigkeit spielt den sog. gestaltenden Eliten in die Karten. Es gibt doch schließlich (aus Sicht der herrechenden politischen Klasse) nichts schöneres, wenn Macht nicht mehr kontrolliert wird.
      Deswegen ist dein Ansatz sicher richtig. Allerdings kann Macht auch außerhalb der Parteien kontrolliert werden. Ich denke beide Sichtweisen sollten die Nachdenklichen zusammenführen 😉

        1. Aufklärung,Medien (Gegenöffentlichkeit) , Gegenmacht (z.B Gewerkschaften) Bürgerinitiativen, die Straße, mehr Demokratie…

          für letzteres brauche ich natürlich die Parteien, die das an der Basis einfordern und dann auch in der parlamentarischen Verantwortung möglich machen 😉

          Und als letzte kontrolliert auch der Souverän. Die Wählerinnen und Wähler.

          Unterm Strich brauchen wir m.E grundsätzlich mehr Volksentscheide, damit Sachentscheidungen, über die Homogenität der Parteien hinaus, möglich werden.

      1. Würde mich jedenfalls nicht wundern, er ist nach wie vor der beliebteste Politiker und somit eine Gefahr für Seehofer, Merkel, von der Leyen und andere, die hoch hinaus wollen…

    1. genau diese Frage stelle ich mir auch und zeigt wie oberflächlich Doktoreentitel vergeben werden… Mit welchem Ziel? Die Reputation einer mittelmäßigen Führungschicht zu fördern?

  2. Hurra, ich kaufe mir einen Doktorhut!
    Schummel cum Laude …

    Verehrter Leser, geliebte Leserin,

    bis heute haben Sie, und ich gestehe dies mit leichtem Erröten, aus meiner Feder unakademische Texte ohne wissenschaftlichen Tiefgang ertragen. Das soll sich radikal ändern. Ich habe mich …

  3. Auch wenn Guttenberg nicht zurück tritt, Kanzler wird er garantiert nicht mehr werden können. Ein Plagiat ist eine wissenschaftliche Todsünde, die meistens mit der Exmatrikalution bestraft wird.

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