Medienmacht: Endlich unübersehbare Warnschilder aufstellen!

Der Medienskandal in Großbritannien sollte alle wachrütteln. Auch in Deutschland
von Marty Ludischbo

Rubert Murdoch, mächtiger und einflussreicher Medienmogul aus Großbritannien hat jetzt seinen Skandal. Mitarbeiter seines jetzt eingestellten Revolverblattes „News of the World“ glänzten dadurch, dass sie Menschen bespitzelten. Inzwischen trat Murdoch Vertraute Brooks zurück und wurde zwischenzeitlich verhaftet.( H1) Auch der Chef von Scotland-Yard trat zurück. Ganz England schreit auf. Heuchelei?

„Scheinheilig“ bewerteten viele Kommentatoren Ruhr rein, Rhein raus die Empörung auf der Insel. In der Tat. Dominic Johnsen stellte in seinem  Artikel in der vergangenen Woche nüchtern fest:

„Nicht die Journalisten betteln bei der Politik, sondern die Politiker bei den Journalisten

Das bringt das Problem auf dem Punkt. Allerdings, so glaube ich, sind es die gegenseitigen Interessen, die dieses Netzwerk aus Politik und Presse aufblühen ließen und weiter blühen lassen.

Keine neuen Erkenntnisse
Wer die Medien beherrscht, lenkt die Meinung und die politische Stimmung.
Und natürlich die Medienunternehmen, die mit der Politikklasse Netzwerke hegen und pflegen,  haben den größten Einfluss auf die Mediengesetze (was ja für die Medienkonzerne nicht ganz unwichtig sind).

Diese Erkenntnisse sind so alt, wie es Zeitungen gibt. Der Fall Murdoch verdeutlicht es nur noch mal mehr als deutlich.

Parteien proftieren von britisch-medialen Gefälligkeitsnetzwerken
Die Politiker/Innen , die sich heute mit erzürnen, hinterlassen in der Tat den Eindruck der Scheinheiligkeit. Ob Labour oder die Tories: Alle Systemtragenden Parteien  bedienen sich gefälligen Journalisten (nicht nur aus dem Murdoch-Konzern) und profitieren von Skandalen der anderen. (1)

Die britische Opposition fordert unterdessen eine Zerschlagung des Murdoch- Imperium (2).

Scotland-Yard mitten im Medien-Sumpf
Staatliche Stellen paktierten wohl offensichtlich mit dem Murdoch-Imperium. Der Chef von Scotland Yard Stephenson trat ebenfalls zurück. Ihm werden Vorteilsnahme und Untätigkeit bei Ermittlungen rund um den neuesten Medienskandal vorgeworfen. (3)

Haben Medienkonsumenten eine Mitschuld?

Und die Bevölkerung und Leserschaft, nicht nur auf der Insel,  sollte sich ebenfalls hinterfragen:
Sind es nicht die aufgesetzten Skandale und die einfachen Botschaften des Boulevard, die von vielen Konsumenten/Innen nachgefragt werden?
Wenn nach jeder Schmuddel-Berichterstattung und Skandalträchtigen Überschrift die Auflage gesteigert wird bzw. nicht noch weiter sinkt, scheint das Konzept doch aufzugehen?

Unübersehbares Warnschild aufstellen!
Auf jeden Fall sollten Politik und Gesellschaft, auch in Deutschland, den Fall Murdoch neben Berlusconis Medienmacht in Italien  nutzen und endlich folgendes öffentliches unübersehbares Warnschild aufstellen. „Vorsicht. Zu viel Medienmacht in wenigen Händen ist schädlich für unsere Demokratie“. Diese fast schon veraltete Erkenntnis ist leider noch nicht überall angekommen.

Und außerdem. Wartet nicht immer bis ein Skandal das abgründige Treiben zum Vorschein bringt.  Handelt vorher und bagatellisiert nicht immer rechtzeitige Warnungen aus der kritischen Berichtserstattung.

Quellen

(H1)
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/383262_Murdoch-Vertraute-Brooks-wieder-auf-freiem-Fuss.html
(1) Eigeninterpretation auf Grundlage folgender Quelle:
http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/die-wortmaechtigen/
(2)
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/unternehmen/britische-opposition-fordert-zerschlagung-von-murdoch-konzern-480819/index.do?_vl_pos=r.4.MOST
(3)
http://www.n-tv.de/politik/Scotland-Yard-Chef-tritt-zurueck-article3830781.html
und
http://www.austria.com/abhoerskandal-scotland-yard-chef-tritt-zurueck/news-20110718-10423520
und
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Abhoerskandal-Londons-Polizeichef-tritt-zurueck-id4882444.html

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NachDenkSeiten:
„Murdoch ist nur Symbol und Teil des Problems der Zerstörung der demokratischen Willensbildung und der Entmachtung der Mehrheit“ (link)

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