Virus Werkvertrag

Text Bertram Rabe – Linksetzung Marty Ludischbo
Lohndumping ist Methode geworden. Das wissen wir nicht erst seit der Jahrtausendwende.
Das Klima der Angst, dass durch prekäre Arbeitsverhältnisse, Zeitverträge und Leiharbeit geschaffen wurde ist allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gegenwärtig. Jetzt kommt noch ein zusätzliches Problem.  Ein alter schlummernder Virus, der sich rasant zu verbreiten scheint. Der Werkvertrag.

Mit einem Werkvertrag verkaufen Unternehmen Arbeiten an Subunternehmern. Werkverträge sind schon lange im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Für Kleinunternehmen, die nicht immer in der Lage sind große  Auftragsvolumen selber zu lieferm sind Werkverträge auch notwendig.
BSP
:
Ein Handwerksbetrieb erhält einen Auftrag für eine Kernsanierung eines Hauses. Die meisten Dienstleistungen erbringt die Fa. selber. Die Elektrik übernimmt aber eine andere Firma, weil die Firma nur einen hauseigenen Elektriker angestellt hat. Hier könnte ein Werkvertrag für diese Firma nützlich sein.
Allerdings darf er nicht dazu geeignet sein, Löhne zu drücken. Deshalb sind die Grenzen zwischen Sinn und Missbrauch sehr schwammig. So werden mit Subunternehmen Werkverträge geschlossen, um an Lohnkosten zu sparen, indem sie zwar Dienstleistungen selber erbringen könnten, diese aber auslagern, um Lohnkosten zu sparen.
BSP
: Ein Einzelhandelsunternehmen zahlt  einen bestimmten festgelegten Preis an eine Service Firma, um eine Regalfront mit einem bestimmten Artikelsortiment aufzufüllen. Je weniger solche „Service Firmen“ an gängigen Tarifverträge gebunden sind (im schlimmsten Fall sind sie gar nicht tarifgebunden)  , desto niedriger der Preis.

Warum werden Werkverträge immer beliebter.
Viele Arbeitgeber nutzen Werkverträge gerne:
1. können sie dieses ohne Zustimmung eines Betriebsrates tun.
2. könne sie Lohnkosten senken,..
3.… ohne, dass dies in der Bilanz unter „Personalkosten auftauchen“.   Diese Kosten weren unter „Sachkosten“ gebucht. 
Der Unternehmer ist erstmal nicht verpflichtet die Arbeitnehmervertretung über Sachkosten zu informieren.
Dadurch halten sie bei den Betriebsräten die Personalkosten künstlich hoch, obwohl sie niedrieger sind, wenn man die Sachkosten mit Werkverträgen mitberechnen würde.  Das ist dann aus Sicht der Arbeitgeber gut, wenn sie bei den Betriebsräten „Leiharbeit“ nach Arbeitnehmerüberlassungsgesetz erpressen wollen.

Tipps für  Betriebsräte

Die Grenze zwischen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (Leiharbeit) und Werkverträgen ist oft undurchsichtig.
Die IG Metall hat den alten Virus unter die Lupe genommen. Diese info-Broschüre ist für die alltägliche Arbeit von Betriebsräten sehr nützlich.

„Erst Leiharbeit nun Werkverträge“

Medien erkennen so langsam die Problematik
Die Taz und sogar die Zeit haben  sich dem Thema angenommen. Darin werden auch Firmen genannt, die sehr gerne mit Werkverträgen Lohnkosten senken.

Noch scheint das Thema Werkverträge nicht als Instrument der Lohndruckerei wahrgenommen zu werden. Dabei schlummert der Virus schon lange nicht mehr. Er ist aktiv. Der Arbeitsmarkt ist schon längst infiziert. Der Ruf nach gesetzlichen Reglungen ist somit rational begründet.

weitere Artkel zum Thema folgen
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Gesetzliche Grundlage – Werkvertrag – (§§ 631-651 BGB)

4 Kommentare zu “Virus Werkvertrag

  1. Manager suchen immer Löcher, um die Gagen der Grossaktionäre und damit auch die eigenen Gagen künstlich ansteigen zu lassen.

    Das geht ganz nach Nietzsches Hauptsatz zur Nächstenliebe: „Das Schwache und Missratene soll zugrunde gehen, erster Satz unserer Nächstenliebe und man soll ihnen dabei helfen“ (aus dem Werk „Antichrist“).

    Khalid

    1. „Manager suchen immer Löcher, um die Gagen der Grossaktionäre und damit auch die eigenen Gagen künstlich ansteigen zu lassen…“

      …und keine zivile, gesellschaftliche Kraft in Sicht, die in der Lage ist neue Mehrheiten dagegen zu organisieren….

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