Opel Bertiebsräte werden bestochen? Kampagne oder Aufklärung?

Die FAZ haute in ihrer Automobilsparte so richtig ein raus. 1500 Euro „Schmiergeld“ sollen an Opel Betriebsräte gezahlt worden sein. Meinungsmache, Kampagne oder Aufklärung?

Dieses BSP passt zu unserem zweiten Teil unserer Serie „Meinungsvielfalt in Blogs?

Ich versuche einmal zu hinterfragen, ob es sich hierbei um Aufklärung eines sog Schmiergeldskandals geht, oder ob es sich um eine Kampagne handelt, die darauf abzielt Stimmung gegen Arbeitnehmervertreterinnen und Vertreter zu machen.

Zunächst die bekannten Fakten oder angeblich bekannten Fakten:
Ich habe das jetzt nicht selber recherchiert. Darum geht es mir auch nicht.

Angeblich sollen Betriebsräte bis 1500 Euro Sonderzahlungen auf ihr bestehendes Gehalt beziehen. Die Rechtslage sieht so aus, dass Betriebsräten keine Benachteiligungen und keine Bevorteilungen entstehe dürfen. Lt. Zeitungsbericht sollen Opel-Betriebsratsmitglieder „eine Funktionszulage (Betriebsratszulage)“ erhalten. Daneben gebe es eine „BR-Ausschusszulage“. Damit soll Mehrarbeit entlohnt werden, die Betriebsräte leisten. In jedem Betrieben gibt es Reglungen, wie Betriebsräte ein Ausgleich gezahlt wird.

Wie gesagt: Betriebsräte dürfen nicht benachteiligt werden. Wenn z.B ein Schichtarbeiter Betriebsratsarbeit nach Betriebsverfassungsgesetz leistet, dann muss es einen Ausgleich für eingegangene Schichtzulagen oder Nachtzuschlägen etc. geben.. Auch für Mehrarbeit müssen Ausgleichsreglungen geschaffen werden.

Meine Meinung aufgrund eigener Erfahrungen
:
Die Betriebe regeln das oft sehr unterschiedlich. In meiner Zeit als Betriebsrat wurde ein geregelter Faktor (bei mir für den Wegfall einer Tätigkeitszulage und entgangener dienstplanmäßiger Sonntagsarbeit) auf den Stundenlohn vergütet. Da dieser aber versteuert wurde, hatte ich damals netto unterm Strich weniger in der Tasche gehabt. Überstunden wurden ganz normal auf das Zeitkonto gutgeschrieben. Die nicht abgebauten Überstunden (und das ging absolut nicht) wurden dann mit Mehrarbeitszuschlägen vergütet. Das war transparent und tarifvertraglich konform. Pauschalen sind immer unbefriedigend. Sie bieten Angriffsflächen. sowohl bei den Kolleginnen und Kollegen, als auch in de Außenwahrnehmung. Außerdem spiegeln sie gerade bei Mehrarbeit nicht die tatsächlich geleistete Mehrarbeit wieder. Das führt m.E immer zu Konflikten und Missgunst.

So weit die sog. Fakten und ein kleiner persönlicher Erfahrungsbericht Wenden wir uns mal zunächst folgender Frage zu:

Wie und durch wen wurde die Nachricht über die Opel-Betriebsräte verbreitet?
Antwort: Durch die Frankfurter Allgemeinen Zeitung, eine konservative, den Unternehmen und Wirtschaft allgemein nahestehenden Zeitung.

Sie titelte:
 „Rechtswidrige Lohnzuschläge – Opel schmiert seine Betriebsräte“ (link zur Quelle)… I
m Titel gibt die Zeitung schon eine Wertung ab und erzeugt den Eindruck, dass es sich um ein Fakt handelt. „Opel schmiert seine Betriebsräte“. Fertig. Angebliche Fakten werden dann zu diese Wertung zusammengetragen.
Kampagne oder Aufklärung?

De westen.de titelte zunächst etwas vorsichtiger: „Opel soll Betriebsräte gekauft haben“ (link zur Quelle) ..
dann aber, man will ja nicht nachstehen, redet auch der Meinungsmacher im Westen von „Korruption“:

Auf das ehe progressive Blatt – FR-Online sprang auf den Zug und titelte : „Zuschläge für Opel-Betriebsäte“ (link zur Quelle)
Das ist schon etwas wertfreier ausgedrückt, denn die Zahlung von Zuschlägen sagt erst mal nicht aus, dass diese rechtswidrig sind oder als Schmiergeld gewertet werden können.
Kampagne oder Aufklärung?

Warum stütze ich mich so auf die Artikel- Header?

Ganz einfach. De Header, der Titel ist das Herzstück eines Artikel. Und wenn, wie in de FAZ, im Titel sozusagen suggeriert wird: – Betiebsräte werden geschmiert! – dann wird hier schon ein Raum für sachliche Auseinandersetzung geschlossen: (lesen Sie hier den Abschnitt: Meinungschlachten durch Kampagnen befeuert)

Wenn Sie sich die Kommentare auf den jeweiligen verlinkten Seiten (Die FAZ hat aber schon den Kommentarbereich abgeschaltet) anschauen, dann stellen Sie fest, dass es nur noch um Verurteilungen oder Vorverurteilungen geht.
Auch werden die üblichen  Ressentiments bedient
 „Hab ich doch schon immer gewusst, dass alle Betriebsräte korrupt sind“ usw usw.

Raum für sachliche Auseinandersetzung in den jeweiligen Netz-Foren zu diesem thema ist ist eigentlich schon geschlossen. Es wird nur noch rumgetrollt und Stimmung gegen Betriebsräte gemacht.
Es sind schließlich alle Betriebsräte korrupt käuflich und sowieso Verräter.
Die Frage, ob die Zuschläge legal oder illegal sind,  ist schon gar kein Thema mehr.
BSP
Ein User bei der westen.de:

Orginal Zitat:
 „Was regt man sich auf? Diese Masche, Arbeitnehmervertreter zu schmieren ist schon so alt wie die Institution „Betriebsräte“! In Deutschland läuft nichts ohne „Schmiere“! So ein Schmierentheater bezeichnen wir in anderen Ländern als „Bananenrepublik“! Und Herr Einenkel hat dabei noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen, das ist das traurige überhaupt.“

Kenne ich aus eigener Erfahrung. Hast du auch kaum eine Chance gegen anzureden. Das Urteil ist gefällt. Betriebsräte sind korrupte Decksäcke, die nur ihen eigenen Vorteil sehen. Schluss aus Feierabend! Kannst sagen watte willst!
Befeuert durch Erfahrung oder Kampagnen?

Sehen wir uns das mal ganz nüchtern an: Momentan, gerade nach dem Protestwochende, herrscht eine gewisse Stimmung gegen Vertreter aus Unternehmen und Finanzwirtschaft in der Bevölkerung.
Ist es da nicht mal wieder notwendig, Stimmung gegen Gewerkschaften und ihre Arbeitnehmervertretungen zu machen? Diesen Verdacht muss ich mal so formulieren. Eben weil eine Wirtschaft und arbeitgeberfreundliche Zeitung, wie die FAZ schon Vorverurteilungen im Titel einwertet!
Warum wohl?

Denn was und die Frage stelle ich mir, soll denn überhaupt diskutiert werden?
 – Wie tief Betriebsräte im Korruptionssumpf schon eingetaucht sind? – Geht es wirklich nur im die Frage, ob die Zuschläge bei Opel gesetzeskonform sind?
– Oder geht es gar nicht um Aufklärung, sondern um Meinungsmache? Nämlich Betriebsräten und somit auch den Gewerkschaften eine negative Marke anzuhängen und dadurch die Gewerkschaften weiter zu schwächen?
Was glauben Sie? Kampangne ? Und wenn ja, mit welchem Ziel?

Was ich glaube!

Ich will und kann nicht ausschließen, dass Betriebsräte sich kaufen lassen. VW/Hartz sollte da auch Warnung genug sein. Am Ende ist es ist auch egal, ob die Zulagen für die Opel-Betriebsräte legal, illegal, moralisch bedenklich oder wie auch immer sind. Die Stimmung und der Eindruck: „Ich wusste es schon immer… Siehste habe ich doch gesagt.. Diese Betriebsräte.. “ (usw p.p) werden genährt und ausgeschlachtet. Selbst wenn sich herausstellt dass die Praxis bei Opel gesetzeskonform ist:  Ich glaube , dass es dann keinen mehr interessieren wird.
 Der Ruf ist erst einmal angekratzt. Ich will nicht übertreiben und sagen – ruiniert!
Und wenn es wahr ist, dass die Praxis gesetzwidrig war kann die Kampagne weiter genährt und gefüttert werden. Machen wir uns nichts vor. Das Verhalten der Betriebsräte koppeln auch viele mit der Gewerkschaft, die BR angehören. Und wenn dass dann die Leute abhält in einer Gewerkschaft einzutreten oder andere austreten..
Umso besser – Ziel erreicht: Kampagne erfolgreich! Gewerkschaften und Betriebsräte geschwächt: Expansive Lohnpolitik endgültig ade?

Zuweit hergeholt? Vielleicht. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, Auch ich hasse korrupte Betriebsräte. Und ich will auch nichts beschönigen. Ich wollte einfach mal veranschaulichen, wie eine Kampagne entstehen kann. Mit Vorverurteilungen und Stimmungsmache. Denn mal ganz ehrlich. Steht bei dem FAZ Artikel, auf den sich alle anderen Zeitungen berufen, wirklich die Aufklärung im Vordergrund?

Ein Kommentar zu “Opel Bertiebsräte werden bestochen? Kampagne oder Aufklärung?

  1. Hmm.. kann ich noch gar nicht so absehen, ob das eine angelegte Kampagne (mit welchen ziel auch immer) ist. Aber ich glaube die FAZ hat es sehr genossen mal wieder was gegen die Gewerkschaften in der Hand zu haben.

    Ich denke, die Betriebsräte sollten ihre Verdienste transparent machen. Das könnte dann auch vorbeugend gegen Kampagnen aus der Wirtschaftspresse sein. Soweit ich weiß gibt es auch Empfehlungen aus der IG Metall, Einkommen von BR-Mitgliedern offenzulegen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>