Ach so! Wir Bloggerinnen und Blogger sind (für schlechten Journalismus) schuld?

Internet-Blogger und „Social Media“ suggerieren eine neue „Wahrhaftigkeit“. Sie haben einen Mythos freier, allgegenwärtiger Informationen geschaffen. Die Folge: klassische Medien und ihre Macher geraten auf die Verliererstraße. ….“
Auf dieses Zitat haben die NachDenkSeiten hingewiesen.

Das hat mir echt die Sprache verschlagen:

Die Projektgruppe zur Vorbereitung dieses 16. MainzerMedienDisputs, bestehend aus Claudia Deeg, Michael Grabenstroer, Professor Dr. Thomas Leif und Thomas Meyer, schreibt in einer Art thematischen Einführung folgendes:

„Der klassische Journalismus leidet. Verleger und Sender sparen. Weniger Geld, weniger Zeit, weniger Sorgfalt. Recherche wird klein geschrieben. All dies unterhöhlt das journalistische Fundament, die Qualität von Zeitungen, Magazinen, Funk und Fernsehen. Demgegenüber suggerieren Internet-Blogger und „Social Media“ eine neue „Wahrhaftigkeit“. Sie haben einen Mythos freier, allgegenwärtiger Informationen geschaffen. Die Folge: klassische Medien und ihre Macher geraten auf die Verliererstraße. Viele Journalistinnen und Journalisten finden sich plötzlich in der Orientierungslosigkeit wieder. Das geht einher mit Verlust ihrer Identität und der ehemals vorhandenen „Deutungshoheit“ im gesellschaftlichen Diskurs…
Quelle NachDenkSeiten- Titel:
Journalisten haben es schwer. Das ist aber kein Grund, die wahren Gründe des Versagens der Medien nicht beim Namen zu nennen

Schuld sind also immer die anderen. Statt mit den Blogcommunitys zu kommunizieren, werden Blogs und ihre Leserinnen verunglimpft.
Wir erinnern nur an den Medienskandal, den die taz letzte Woche aufgeklärt hatte.

Hier zeigte sich, wofür sich einige Journalisten hergeben: Wegen eines guten Essens wird oftmals auf gute Recherche verzichtet.

Meine Damen und Herren Journalist/Innen: Statt Schelte gegen andere ist doch wirklich Selbstkritik angesagt. Einige Taz Journalisten haben das hier getan. Und das ist auch zu begrüßen.
Ein guter Anfang. Nachahmung zwingend notwendig!

16 Kommentare zu “Ach so! Wir Bloggerinnen und Blogger sind (für schlechten Journalismus) schuld?

    1. Verlagsjournalisten sollten aufhören Blogger/Innen als Konkurrenten zu sehen. Das ist lächerlich und lenkt von den eigentlichen Problemen ab, die die schreibende Zunft natürlich hat.

  1. Na ja, ich werte diese Kritik als großes Kompliment an uns Blogger und das zeigt doch deutlich, dass es aller höchste Zeit war, dass wir als Blogger unsere Stimme im Internet erheben.

    Das uns die Medien bis hin zu den Öffentlich Rechtlichen gnadenlos belügen und betrügen wissen wir doch schon lange und deshalb ist doch die Bloggerszene überhaupt erst entstanden.

    Das ist gut und richtig so!!!!

    Immer mehr nimmt die Bevölkerung die Dinge in die eigene Hand, einfach deshalb weil sie von raffgierigen Politikern und eben auch den Medien völlig zu recht den Kanal voll hat.

    Und wenn die eigentlichen Medien dadurch unter Druck geraten, zeigt das doch nur, dass wir als Blogger unserem gesetzten Ziele, der Öffentlichkeit die eigentliche Wahrheit zu präsentieren immer näher kommen.

    Also machen wir weiter so. Ich persönlich werde mit dabei bleiben.

    Liebe Grüße an Euch Alle und macht weiter so!!!!

    Hoelderlin

    1. lieber ludischbo,

      nichts gegen deine Kritik,aber ich muss auch Hoelderlein vollkommen zustimmen,denn ohne das Engagement vieler,vieler und hoffentlich noch mehr werdender Bloggerinnen und Blogger-würde noch immer noch so manches im argen bzw. dunklem liegen.

      Es gibt auch noch anderen Journalismus,die es allerdings auch sehr begrüßen, wenn ihre Informationen und Recherchen weiter durch die Welt getragen werden. 😉

      Also,nicht groß ärgern,sondern einfach nur wundern.;)

      liebe und solidarische Grüße

      chris2412

    2. Hallo Hoelderlin,

      Naja mit Worten wie: „gnadenlose Lüge“ und „eigentlicher Wahrheit“ bin ich immer sehr vorsichtig.
      Ich denke, wir sollten nicht den Fehler machen uns eine „gewisse Wahrhaftigkeit“ auch noch selber als Makel zu setzten.

      Richtig ist sicher,, dass die sog. Primärmedien durch die Blogszene eine sehr wirksame und demokratische Kontrolle bekommen haben.

      Eine gute Recherche können wir von der Netzschau natürlich auch nicht gewährleisten. Wir machen das ja alle ehrenamtlich und nach Lust und Laune. Zeit, Geld und andere Mittel sind äußerst begrenzt.
      Unsere Mittel: Erfahrungen, Hoffnungen und ein gesunder Menschenverstand :)

      Blogger/Innen können recherchieren…Journalisten müssen es.

      BG aus dem Pott
      Marty

        1. Mit dem taz-Beitrag: Wie erzähle ich schönere Geschichten über die Atomkraft“ (hatte ich im Beitrag verlinkt) lässt sich das jetzt sogar belegen. Ich kann ja verstehen, dass sich einige Journalisten auf den Schlips getreten fühlen. Da sage ich nur… wem der Schuh passt…….

  2. Ich denke, dass diese Parolen gegen die Blogszene aus den Chefetagen der Verlagshäuser kommen. Mag sein, dass die einen oder anderen Beschäftigten drauf anspringen. Meistens die, die das Netz nicht verstehen.
    Ein großes Problem ist doch, dass abhängig-beschäftigte Journalisten durch die Zensurkorridore ihrer Chefredaktionen müssen!

  3. Karl Kraus, der nachweislich zu einer Zeit ohne Internet lebte, schrieb über die Leute mit dem hier formulierten Alleinvertretungsanspruch für Qualität: „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.“

    Helfen würde es auch, wenn in den notdürftig als Presse getarnten Werbeschriften mit redaktionellem Anhang Leute arbeiten würden, die ihr Handwerkszeug, die Sprache, beherrschen. Beispielsweise fällt mir in letzter Zeit häufig auf, dass der Unterschied zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“ anscheinend der Vergessenheit anheimgefallen ist.

    Vielleicht hat da Mark Twain, der übrigens selbst journalistisch tätig war, recht. Er hielt Journalisten für Leute, die ihr ganzes Leben darüber nachdenken, welchen Beruf sie verfehlt haben.

  4. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Nur diese schlechten Nachrichten steigern die Lese- und Einschaltquoten.

    Solche schlechten Nachrichten schreiben wir auch. Nur befassen sich unsere schlechten Nachrichten mit unseren Nöten und nicht mit dem Sensationshunger.

    Gerhard

  5. „Das geht einher mit Verlust ihrer Identität und der ehemals vorhandenen „Deutungshoheit“ im gesellschaftlichen Diskurs…“

    Deutungshoheit der Journalisten, Vernunfthoheit der Ärzte, mit etwas Fleiß könnte man die Hoheitsgebiete anderer Berufe ermitteln. Diesen Gruppierungen kann es nicht passen, dass es auch Transparenz zunehmend gibt. Nutzen wir unsere Möglichkeiten zu bloggen. (Aber, es gibt auch Leute, die Viral-Marketing betreiben, quasi Info vertreiben, die zum Ziel hat, aus Beliebigem Bestseller zu machen. Naja so ist das Leben …)

    1. Stimmt. Transparenz ist nicht immer sexy.

      Gerade Journalisten tun sich schwer, die Cross-Over medien als Kontrollinstrument (-instanz?)zu akzeptieren. In der Ausbildung haben sie wahrscheinlich gelernt, dass doch eigentlich sie, in einer Demokratie, ein Kor­rek­tiv sein sollten.

      Im Prinzip brauchen sie sich vor Identitätsverlust nicht fürchten, wenn sie die neuen Herausforderungen annehmen würden..statt zu jammern….

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