Anmerkungen zu einem Interview mit Ulrike Herrmann – Eurobonds und EZB

Ulrike Herrmann, Ökonomin,Journalistin und Buchautorin, warnt in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Kontext_tv vor einem Eurocrash, dass wir mit freundlicher Genehmigung von Kontext MA Fabian Scheidler veröffentlichen durften.
Interview mit Ulrike Herrmann
Hierzu ein paar eigene Anmerkungen.

Ich bin mit Ulrike Herrmann in der Analyse sehr oft einer Meinung. Ich bin mir aber nicht so ganz sicher, ob die, wahrscheinlich eher rhetorische Formulierung, Furcht vor einem morgigen Eurocrash nicht etwas übertrieben ist.

Sicher die Zeit rennt und die Notwendigkeit, kurzfristige Maßnahmen sind leider nicht wegzudiskutieren.
Trotzdem noch mal so ein, zwei,drei  Anmerkungen:

1. Eurobonds sind durch die Verteuflung der Wirtschaftspresse dämonisiert worden
Eine gemeinsame Währung mit 17 regionalen Staatsanleihen ist in der Tat blödsinnig. Das gibt es in der Tat nirgendwo auf der Welt. Ein Konstruktionsfehler, der uns immer wieder einholt. Auch ich habe die Frage bereits hier thematisiert.
Ob das sofort wirkt steht aber leider auf einem anderen Papier. Vielleicht ist es selbst dafür schon zu spät. Langfristig ist das aber notwendig.
Leider haben wir eine noch ganz andere Problematik. Die Mainstream Presse, allen voran die Springer Presse, das Handelblatt und andere Wirtschaftsmagazine haben Eurobonde als „Teufelszeug“ gebrandmarkt.
Ich denke mal aus Angst, dass Deutschland nicht mehr diese niedrigen Zinsen bezahlen muss. Dabei ist das aber überhaupt nicht erwiesen. Die angebotsorientierte Glaubensgemeinschaft hat es über Meinungsmache allerdings geschafft, dass wahrscheinlich jede Partei Prozente verlieren wird, wenn sie Eurobonds fordern. Dabei kann alles andere teurer werden.

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2. Ankauf von Staatsanleihen/ Risiken und Notwendigkeit
Durch den Ankauf von Anleihen durch die EZB sehe ich folgende Gefahr, dass mit neuem liquidem Geld erneut die Finanzmarktblase gefüttert wird.
Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB sollte mit einer strengen Finanzmarktregulierung gekoppelt sein. Dazu gehört das Verbot von CDS Bomben und Wetten auf undurchsichtige Derivaten.
Außerdem muss die Bankensubventionierung zurückgefahren werden. Es kann doch nicht sein, das die Geschäftsbanken sich quasi monopolistisch billiges Zentralbankgeld leihen dürfen, um dann teuer Kredite an Staaten zu vergeben. Die Staaten müssen die Möglichkeiten bekommen, sich direkt bei der EZB zu finanzieren.
Die Eurostaaten müssen dann dafür sorgen, dass die liquiden Mittel auf die Realwirtschaft durchschlagen…..

Inflation ist das geringere Übel. Vermögende müssen sich an den Krisenkosten beteiligen.
Würden die neuen liquiden Mitteln durch solch einer Maßnahme auf die Realwirtschaft durchschlagen, was nicht zu erwarten ist, dann, und nur dann würde diese Maßnahme inflationäre Wirkungen haben. Aber das ist das kleinste Übel von allen. Denn: Wenn es dann gelingt, die Arbeitnehmerentgelte real zu steigern, hätten wir sogar Umverteilungseffekte. Und wenn dadurch Vermögen entwertet wird, ist das auch nur gerecht, denn die Vermögenden sind bisher am besten durch die Krise gekommen. Während die Unterschicht kaum noch Perspektiven hat, die Mittelschicht den Großteil der finanziellen Lasten aufgedrückt bekommt und unser Gemeinwesen, insbesondere in den strukturschwachen Regionen, dahinvegetiert.

Nochmal zur Erinnerung.
Die Staatsschulden sind in den letzten 3 Jahren deshalb so rasant angestiegen, weil die Staaten Banken gerettet haben und Konjunkturprogramme finanzieren mussten.
Das Geld haben die Staaten sich dann wiederum bei den Geretteten geliehen. Und weil die so dankbar waren, nehmen sie dafür noch teure Zinsen.
Deswegen ist die Forderung, die Vermögenden sollen sich an den Krisenkosten beteiligen, eigentlich doch sehr bescheiden. Oder?

Fazit:
Eurobonds müssen langfristig, eingebettet in einer ganzheitlichen Staatsfinanzierungs-Konstruktion,
etabliert werden.
Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB , eingebettet in andere politische Rahmenbedingungen, darf in der Tat nur das Ultima Ratio (das letzte Mittel sein).  Wenn nichts anderes mehr geht. Meiner Meinung nach bleibt aber noch ein wenig Zeit, Ist es dann aber 5 vor 12  hat Ulrike Herrmann absolut recht.
Was soll dann noch helfen, außer der Zusammenbruch des Euroraums?
Die EZB muss dann eingreifen. Ob die Kanzlerin das will oder nicht.
Die Sparunion von Merkozy ist kaum die Lösung. Bin gespannt, wann sie das merkeln ähh merken.

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LA NS
Linkempfehlungen zur Person/Autorin
Ulrike Herrmann

werden fortlaufend im Linkblog
der Netzschau gesetzt.

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