Hurra, die Griechen retten die Gläubiger!

Gastbeitrag von Andreas S.
Seid gestern ist es nun  amtlich. Griechenland bekommt für die Rückzahlung seiner  Schulden Hilfskredite. Die Euro Gruppe 1-mitmach bannerhatte gestern nach gespielten Tauziehen die Gelder freigegeben.
Die Griechische Bevölkerung muss das bezahlen. Die Gläubiger- Banken, Versicherungen und Fondgesellschaften atmen auf. So brauchen sie Ihre Forderungen nicht komplett abschreiben.

Hurra! Danke ihr lieben Griechen, dass ihr die Gläubiger rettet.
Respekt.

– eingeschränkter Kündigungsschutz
– Lohnkürzungen
– Rentenkürzungen
– schlechte Sozialleistungen
– Höhere Verbrauchsteuern
– und ein Sperrkonto für den Schuldendienst obenauf

Ich weiß gar nicht. Beteiligen sich die reichen Griechen auch an diesem Gläubigerschutzprogramm?

Rückblick:
10.04.1987. Mein Vater rief: „Köttel, komm dochmal ins Wohnzimmer!“ Ich hatte gerade mit Ach und Krach mein Abi geschafft und weil ich damals nicht meine Wunschausbildung bekam, machte ich erstmal eine Ausbildung als Hilfskaufmann in einem Supermarkt.
„Hier so einer vonne Bürgerfürsorger (*Anm. Redaktion: Versicherungsmame fiktiv) . der sacht: Die Rente hat Lücken. Et wäre besser schon in jungen Jahren wat zu sparen.„, grölte mein alter Herr durch die Wohnung.
Ich war damals jung neugierig und interessiert. Der nette Mann mit einem legeren locker tragenden Anzug, Ende 20, präsentierte mir so ein paar Grafiken. Ein Balken prognostizierte die zu erwartende Rente, ein anderer Balken die Rente, die ich angeblich bräuchte. Daraus errechnete er eine Rentenlücke. Sein Vorschlag. Eine Kapitallebensversicherung, Zinserträge sind von der Kapitalertragssteuer befreit. Er rechnete mit vor, dass ich mit minimalen Aufwand eine tolle Zusatzrente fürs Alter bekomme.
Hmm, dachte ich. Klingt irgendwie logisch. Ich unterschrieb. Damals 50 DM monatl. Beitrag. Während der Ausbildung löhnten dat meine Eltern.

Heute:
Die Versicherung von 1987 ist dynamisch. In Folge, 2005, (Mittlerweile hatte ich  4 Riesterangebote kostenlos ins Haus bekommen-gleiches Verkaufsschema wie damals, nur noch agressiver) stiegen die Beiträge auf 100 Euro. Meine letzte Auskunft. Zu erwartende Versicherungssumme incl. Überschussbeteiligung 19.500 Euro. Nicht schlecht oder? Versprochen bzw. Vorgegaugelt bei Abschluss war damals allerdings eine vorraussichtliche Versicherugssumme incl. Überschussbeteiligung – Dynamik von ca. 25000 DM (ca. 50000 Euro). ???? (Anm. Redaktion: siehe Kommentar-Anfrage an Autor per eMAil gestellt)
update 24.02.2012- Versicherungssumme 1987 : 25000 DM – vorraussichtliche nicht garantierte Summe incl. Überschussbeteiligung – Dynamik 50000 DM . Heutiger Stand: Versicherungssumme incl. Überschussbeteiligungen 19500 Euro – Rückkaufwert 13200 Euro (Anm. Redaktion: Danke für die Klarstellung des Zahlendrehers)

OK mittlerweile habe ich die Versicherung beitragsfrei gestellt. Egal.

Aber wo kommt dieser sog. Überschuss eigentlich her?
Ich habe gehört, dass sich die Versicherungen über Rückversicherer absichern. Diese wiederum sind u .a zusammen mit den Banken verstärkt auf den internationalen Finanzmärkten auf der Suche nach schönen Renditen. Für mich angeblich.
Irgendwann habe ich mal gehört, dass auch Versicherungen in südeuropäische Staatsanleihen investiert haben. Also auch in Griechenland.
Upss. „Wat jetzt mein Junge, wenn die Griechen pleite gehen?“, fragte mein Vater neulich.
Tja dann haben die Gläubiger ein Problem. Sie werden wohl Forderungen abschreiben und das kann natürlich Auswirkungen auf die Überschussbeteiligung meines Vertrages habe, antworte ich nüchtern. Es zeigt vor allem, klärte ich meinen alten Herrn weiter auf, dass die gesetzliche Rentenversicherung wohl doch das bessere Modell ist.
Scheiße, dass ich damals ins Wohnzimmer gekommen bin, oder?

Kann ich nun aufatmen? Haben die Griechen meinen Vertrag gerettet?

Fakt ist: Die Gläubiger des griechischen Staates sind Banken, Versicherungen und Fondgesellschaften. Ob da meine Versicherungen mit am Start ist? Keine Ahnung!
Klar, dass sie Griechenland nicht Pleite gehen lassen wollen. Sie müssten vielmehr Forderungen abschreiben, als den jetzt vereinbarten mageren Schuldenerlass von angeblichen 107 MRD Euro.

Die Frage ist aber doch:
Kann die griechische Volkswirtschaft mit diesen o.g aufgezwungenen Maßnahmen ihre Forderungen langfristig bedienen?
Trotz radikales Sparen steigen die Schulden doch!  Warum ist ganz klar: Sparen bedeutet weniger Kaufkraft und weniger Steuereinnahmen. Gerade die höheren Verbrauchsteuern treffen die kleinen Einkommensteuern in besonderen Maße. Auch diese Maßnahme mindert die Nachfrage.

Mit dieser Politik kommen die Griechen nicht aus dem Schuldenkreislauf heraus.
Und somit ist meine Versicherung auch nur vorerst gerettet.
Über den politischen Preis will ich hier erst  gar nicht reden.

Wenn Griechenland langfristig im Euro bleiben will, dafür bin ich, brauchen wir neben ein zukunftsweisendes Investitionsprogramm für das Land auch die Sicherheit, dass ein Land nicht in Zinslasten erstickt. Das erfordert Solidarität.

Noch kein Land in der Geschichte konnte mit radikalen Sparprogrammen seine Volkswirtschaft sanieren oder restrukturieren.  Ich kenne auf jeden Fall zumindest kein Beispiel.
Natürlich muss ein Land seine Schulden bedienen können. Der Schuldendienst muss prioritätsmäßig in Wachstumszyklen konsequent bedient und abgebaut werden.
Aber  – und das gehört auch zur Wahrheit- muss es dann auch gemacht werden.
Nur: – das was da jetzt passiert hilft der griechichen Bevölkerung nicht.  Meinem Versicherungsvertrag nützt es nur kurzfristig.

1 mtmachen

Bertram Rabe über Andreas S.

…hat über den zweiten Bildungsweg irgend soein Fachwirt studiert. An progressiven und gewerkschaftlichen Bildungseinrichtungen hat er außerdem aus Eigeninteresse volkswirtschaftliche Seminare besucht. Andreas ist mittlerweile selbständig und arbeitet weder bei einer Bank noch bei einer Versicherungsgesellschaft. In seiner Branche ist er in erster Linie auf den europäischen Binnenmarkt angewiesen.Seine meisten Kunden zahlen in Euro.

PS: keiner der hier einen Beitrag veröffentlichen will, muss sich persönlich outen.

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Blog2Blog
Netzschaut auch bei unseren Blogger-Kollegen adstar:
„Oh Schreck-Griechenland hat keine Verwaltung mehr“

7 Kommentare zu “Hurra, die Griechen retten die Gläubiger!

    1. … das glaube ich allerdings auch ;). Jetzt kann ich meinen mit Blogger Bertram mal öffentlich rügen, nachdem er mich gestern so nett diskreditiert hatte (hihih).
      BERTRAM… BITTE SORGFÄLTIGER GASTBEITRÄGE EINSTELLEN!!!!
      Welch eine Genugtuung für mich.. grins

      Im ernst. Habe es auf den ersten oberflächlichen Blick auch nicht gemerkt (schäm!)
      Wir haben den Autor des Textes aufgrund deines Hinweises, gebeten noch mal genau in seinen Unterlagen zu schauen.

      Danke für den Hinweis.
      Das macht die Bloggemeinschaft hier aus 😉

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