Der 1. Mai immer bedeutungsloser?

Bochum! Angeblich über 3000 Teilnehmer. Das schrie der Moderator Holger Richter von der Polizeigewerkschaft laut durch das Mikrofon. Er klang irgendwie erfreut. Ich war es nicht. Allerdings habe ich auch Hoffnung gesehen!

Das Programm war rund. Die Performance auch. Nach allen Reden wurde die Schnippselkanonne aktiv. Ein bunter 1.Mai in Bochum. Die Reden und die anschließend musikalische Begleitung waren gut. Gar keine Frage. Aber um an diesem Tage 3000 Menschen auf dem Bochumer Rathausplatz zu schätzen…. ja da musste man schon sehr viel Fantasie entwickeln.

Warum droht der 1. Mai in der  Bedeutungslosigkeit zu verschwinden? 
Das fragte Albrecht Müller von den NachDenkSeiten am Vortag des 1. Mai.

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Ich würde mal sagen. in Bochum waren es höchstens 1000.
Aber ich habe auch viele junge Menschen gesehen, die ihre Interessen artikulierten. Das macht Hoffnung. U.a die Reden von D.Y (IG Metall-Jugend) und  M.H (verdi-Jugend) haben mir sehr gut gefallen.
Also.. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Allerdings sollten sich alle Arbeitnehmerorganisationen mit den kritischen Anmerkungen von Müller auseinandersetzten.

Dass der DGB allerdings die Union verschonte, ist ja nun traditionell normal. Das ist wohl der Philosophie der Einheitsgewerkschaft geschuldet. Allerdings wäre es durchaus  angemessen gewesen, Merkel und Schäuble für dessen katastrophale  Europapolitik mehr namentlich zu kritisieren. Da gebe ich A.Müller schon recht.

9 Kommentare zu “Der 1. Mai immer bedeutungsloser?

  1. Da gibt es viele Gründe.

    1. wird der Bevölkerung eingetrichtert, dass es ihr gut geht.

    2. zu viele kleinere Einzeldemos über das Jahr verteilt

    3. Demos bringen keinen Erfolg…siehe Stuttgart21,

    4. zu wenige sind politisch interessiert…heute ist wichtig: Party,Party,Party

    5. Politikverdrossenheit

    und diese Liste könnte man unendlich fortsetzen.

    Ich war am 15.Oktober in Frankfurt dabei. 350 Leute ca.

    Ich kann hier nicht beschreiben wie enttäuscht ich war.

  2. Wer noch Arbeit hat, wird nicht demonstrieren, da er Arbeit hat. Wer keine Arbeit hat traut sich wohl nicht zu demonstrieren. Evtl. ist man auch von den Gewerkschaften enttäuscht?

    1. Das letztere kann so sein. Die Gewerkschaften sind aber auch nur so stark, wie Mitglieder haben und abhängig von einer aktiven Basis. Wie oft habe ich schon Veranstaltungen mit ein paar Leuten besucht…
      Am 01. Mai haben aber nicht nur die Gewerkschaften Info und Snack-Stände. Der Stand der Linken war auch recht leer. Da hatten die CDA-Sozialausschüsse mehr Zulauf. Ok die hatten ein Bratwurststand.

      Ich denke enttäuscht sein ist das eine…. jeder kann sich irgendwo engagieren und versuchen dort seine Interessen und Philosophien einzubringen. Arbeitnehmerorganisationen und/oder progressive Gruppierungen gibt es ja nun genug.

      Aber? Warum soll man sich nicht trauen zu demonstrieren oder mit der Familie zur Maikundgebung gehen?

  3. Ich sehe die Gründe dafür auch in einem allgemeinen Desinteresse. Die Euro-Krise ist für viele einfach naturgegeben. „Da kann man nichts machen!“ ist ein ziemlich oft gebrauchter Satz in Deutschland. Es sind aber noch andere Aussagen ausschlaggebend: „Die machen ja doch was sie wollen“, „Merkel wird das schon hinkriegen“, „Geht ja doch keiner zur Demo“, usw.
    Mit sochen Einstellungen wird der 1. Mai bald nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden sein.
    Hinzu kommt natürlich noch der 30. April! Da gibts Party und Alkohol satt. Dann geht man am nächsten Tag nicht zur Demo.
    In Deutschland herrscht inzwischen das Prinzip Brot und Spiele. RTL usw. machen es uns vor. So kann man auch nichts erreichen!

  4. Ach Ihr Lieben…

    ich würde diese sinkenden Teilnehmerzahlen gar nicht so sehr (negativ) bewerten wollen, wie Ihr das tut.

    Macht Euch keinen Kopf – die junge Generation organisiert sich inzwischen ganz anders, viel effektiver und vor allem: viel schneller.
    Da braucht man nicht erst bis zum 1. Mai oder einem anderen Tag zu warten – Proteste laufen heute innerhalb weniger Tage und manchmal nur Stunden um die Welt.

    Twitter, Facebook, SMS, WhatsApp sowie diverse andere Online-Communities bieten auch viel mehr Möglichkeiten des Einzelnen, sich zu beteiligen.

    Die jungen Menschen sind definitiv aktiv!
    Und den jungen Leuten geht es zunehmend auch um viel mehr als „nur“ um das eigene Land, die eigene Arbeit. Das aktuelle Motto ist vielmehr: „Mach glücklich, was Dich glücklich macht.“
    Internationalität ist angesagt – und mit der Teilnahme an internationalen Befindlichkeiten (i.e. Kriege in Syrien usw.) und mit dem (gedanklichen) Zusammenwachsen von Nationen wird auch das eigene Wohlergehen gesichert.
    Nur so funktioniert es, das sehen immer mehr (junge) Menschen.

    Denn was nützen gute Bedingungen in Deutschland, wenn 1 Milliarde Menschen auf der Welt hungern und ohne sauberes Wasser sind?

    Demonstrationen auf lokalem Niveau mit wenigen Rednern und vielen Hörern sind inzwischen einfach antiquiert.

    Meiner Meinung nach gibt es heute viel mehr Bewegung als früher, nur die sind natürlich nicht sichtbar, wenn man nur auf den Bochumer Marktplatz schaut. 😉

    Es ist eben alles immer eine Frage der Sichtweise.

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