"Bild-Zeitung 2012" – Die neuen Aufklärer mit Medienpreis? Ein Rückblick!

Mit Krieg gegen Wulff, Griechenland-Kampagne und „Bild für alle“ versuchte sich das Springer-Blatt 2012 als Aufklärer.

„Bild“ ist ein Boulevardmedium, das täglich großes Geschrei und viel Gedöns um sich selbst macht, aber kaum Journalismus. Zu dieser Wertung kommt die Otto-Brenner-Stiftung in einer „Bild“-Studie. (2011) (1) Aber Bild verliert an Einfluss. Gezielte Aufklärung und Kampagnen im Internet unterstützen diesen schwindenden Einfluss!?
Dachten zumindest viele. Nun hatte das Blatt im Mai 2012 einen Preis für Ihren „Krieg gegen Wulff“  bekommen. Dabei war die Jagt auf Wulf wahrscheinlich ein banaler Racheakt. Die Bild-Zeitung will sich aber wohl als Aufklärerblatt tarnen! Rückblick und Netzschau zum Thema „“Bild“ 2012

Rückblick 2011: Trotz massiver Unterstützer-Kampagne der Bildzeitung für den Freiherr von Guttenberg in der Plagiatsaffäre ist es der Netzöffentlichkeit gelungen den Monarch zu Fall zu bringen. Ich schrieb damals vom Netzfall Guttenberg.

Das war im Jahre 2011. Dann, im letzten Jahr, gab sich die Bild als Aufklärer in der Wulf Affäre. Dafür haben sie, die „Journalisten“ von Bild,  tatsächlich den Herni-Nannen- Preis erhalten.

Zitat aus der offiziellen  Pressemitteilung

(…)Aber auch eine zweite investigative Leistung spielte in der Diskussion der Jury eine große Rolle: die Enthüllung von Nicolaus Harbusch und Martin Heidemanns in der BILD-Zeitung. Sie hatten fast ein Jahr lang recherchiert und waren schließlich als erste darauf gestoßen, dass der höchste Repräsentant unseres Staates in seiner vorherigen Rolle als niedersächsischer Ministerpräsident einen dubiosen Privatkredit angenommen und dem Parlament nicht die volle Wahrheit gesagt hatte. Der weitere Gang der Dinge ist bekannt, die Enthüllung der beiden BILD-Reporter entwi-ckelte sich zum größten Skandal des vergangenen Jahres und führte zum Rücktritt des Bundespräsidenten. „Ein Fall“, so die Jury, „von größtmöglicher Fallhöhe.“ (…)

Am Dienstag, den 08.05.2012 listete A. Müller von den NachDenkseiten dort noch einmal die schlimmen Kampagnen des Rechts-Konservativen Revolverblattes auf.

Darf man der Bild-Zeitung einen Journalistenpreis für eine investigative Leistung bei der Aufdeckung der Wulff-Affäre zu erkennen? Diese Frage wurde auch bei Meedia aufgegriffen.

Letzendlich war es Wullfs dämliches Verhalten (Der Rubikon ist überschritten ……) ,dass die Bild-Herren köstlich für sich nutzten. Ganz unscheinbar leiteten sie die Inhalte des Telefonats mit dem Chefredakteur Dieckmann an andere Medien weiter. (hwn) Danach war kein halten mehr. Die Büchse der Pandora war geöffnet. Alle Medien recherchierten jetzt mit.

Bild – Recherchen gegen Wulff wegen einer persönlichen Rechnung?
Warum lies Bild seinen Sprössling plötzlich fallen? Es war die Bild, die nach seiner Trennung mit der EX Türen für eine positive Berichterstattung geöffnet hatte.
Ich hatte seinerzeit angenommen, dass Bild  hier eine persönliche Rechnung offen hatte.
Meine Annahmen waren:
– Wulffs Aussage „Der Islam gehört auch zu Deutschland“ gefiel der Bildzeitung nicht.
(Gerade, wenn man bedenkt, dass die Bild J.Gauck Distanzierung in einem Zeit -Interview jüngst feierte.)
oder
-..das Wulff Sarazin nach der Buchveröffentlichung „Deutschland schafft sich ab“ berechtigterweise wegen seines damaligen Posten als Bundesbankchef kritisiert hatte. Bei beidem nahm ich an, dass hier die Bild-Verantwortlichen sich angepisst fühlten. Schließlich haben sie Sarazins Buch mit promotet. Außerdem ist die Bild unterm Strich ein Rechts-Konservatives Blatt und hofieren gerne rechtspopulistischen Positionen. Da passten die Wulff-Aussagen nicht in Bild Weltanschauungsmuster. So dachte ich.

Der Grund war aber möglicherweise dieser hier: In einer Reportage im ZDF „60 Jahre Bild“ wurde der Eindruck vermittelt,  dass die Recherchen gegen Wullf angefangen haben, weil er als Bundespräsident Bild Reporter nicht exklusiv zu einer Afghanistanreise mitgenommen haben soll. (Als angebliche Gegenleistung für eine Nichtveröffentlichung zuvor)

Siehe hier:

„ARD- Bild macht Politik“ ca. min 17:45
Quelle: ARD Mediathek

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Mehrere Wochen zum Jahreswechsel war einer persönlichen Rechnung geschuldet?

Günter Wallraf und die Bild
Blicken wir deshalb aus gegebenen Anlass noch einmal auf das Interview mit Günter Wallraf aus dem Jahr 2011 im Rahmen der oben erwähnten Studie der Otto-Brenner-Stiftung zurück.
Hier
hatte sich Wallraf das Kampfblatt „Bild“ vorgenommen. „Bild hat eine Kraft zur Zerstörung“ resumierte er damals 2011.

Walraff schätzte im o.g. ARD Film 2012 übrings  die Bild insgesamt  nicht mehr so als gefährlich ein, weil noch früher in den 90er Jahren, als Bild offensichtlich eine „permanente Hetze gegen Einwanderer gemacht hat. Asylantenflut..(..). diese Brandstiftung  dann letztlich in Taten umschlug“ (Anm. Redaktion Ausländerjagt in Möln, Solingen etc).

Gegen Walraff übt der Springer Verlag übrigens auch in regelmäßigen Abständen Racherecherchen aus, indem sie Walfraf eine Stasi IM Tätigkeit vorwerfen. Diie Behauptung der Springerpresse, Walraff sei IM,  hat Walfraf aber über juristische Wege untersagt
(Quelle)

Die Rechtskonservative Gesinnung hat der Springer-Konzern sicher nicht abgelegt. Das zeigte die Hofierung von Sarrazins Hetzschrift „Deutschland schaft sich ab“. Wolfgang Lieb warf der Springerpresse im Zusammenhang mit der positiven Berichterstattung des Sarazin Buches dem Konzern „politische Meinungsmache“ vor. Netzschauen Sie dazu hier ein Interview mit Wolfgang Lieb (TP:13.09.2012) in der Telepolis.

Was Ist die zweitmeistzitierte Zeitung nun? Qualität, Kampagnen oder Gefälligkeitsjournalismus?

Damit hat sich ua. auch der Freitag 2012 mit auseinandergesetzt.


Klaus  Raab kam bereits im April zu dem Schluss:
„Die Springer-Republik Der Konzern atmet noch ­immer den Geist seines Gründers und hat es geschafft, die Mitte der Gesellschaft nach rechts zu rücken“ link

Herausgeber J. Augstein titelte:
„Verschweigen was ist“  link

(…) Dabei ist der Kampf gegen Bild ein Missverständnis. Personalisierung und Kampagne sind das Wesen des Boulevard. Es ist unsinnig, der Bild vorzuwerfen, nicht die Neue Zürcher Zeitung zu sein. Immer häufiger bedient sich das Blatt nun auch des ganz normalen Journalismus. Die Auflage würde sonst vermutlich noch schneller sinken. Das macht die Zeitung noch gefährlicher. Aber nicht wegen der Artikel, die dort erscheinen. Sondern wegen derjenigen, die nicht erscheinen. Wahre Meinungsmacht entfaltet sich da, wo das Blatt schweigt: Die Gräuel der israelischen Besatzungspolitik, die Erfolge der islamischen Integration in Deutschland, das Verschulden der Banken in der Finanzkrise ? das findet alles nicht statt. Am besten verdreht man die Tatsachen, indem man sie verschweigt. (…)  link

Kampagnen und Gefälligkeiten sind manchmal schwer auseinanderzusetzen. Im Fall Wullf und Maschmeyer aber gut erklärbar. Während auf Wulf wie oben beschrieben wahrscheinlich wegen einer persönlichen Rechnung Jagt gemacht wurde, hatte das Blatt C. Maschmeyer-der Drückerkönig– hofiert. (hwn)

Fazit:
Trotz Anti Bild Kampagnen im Netz und trotz Auflagenreduzierung: Die Bildzeitung ist noch lange nicht am Ende. Die Umsätze im gesamten Springer Konzern sind stabil, auch wenn die Auflage der Bild gesunken ist.
Sie hatte Atemnot und nun wollen sie sich einen integren Anschein geben, mit dessen Recherchen sich wohl auch Journalistenpreise gewinnen lassen.  Bild als Aufklärer? Wohl kaum. Augstein hat recht.  „ Die „Bild“-Zeitung hat ihren Schrecken ..  Aber das Blatt bleibt gefährlich „.

Das Thema Bild-Zeitung wird uns sicher noch lange begleiten. Leider!  Die Buchwerbungen für Thilo Sarrazin sind uns auch noch alle gut in Erinnerung. Bäähh. Ja natürlich.  SPON und Stern haben hier auch richtig mitgemischt. Doppelt Bäähh. Und trotzdem. Kapitulieren brauchen wir vor Bild nicht. Der Netzfall von zu Guttenberg hat es 2011 gezeigt.  2012 haben wir hiermit abgearbeitet. 2013 machen sie Wahlwerbung-für konservative Themen. Und für Schwarz-Grün? (Was?) Wetten daß?

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Quelle: (1)
_obspm
weitere Links
Facebook-Kampagne – Nein zu Bild
NEIN zu Bild
Bildblog

Keine Bild in meinem Briefkasten

4 Kommentare zu “"Bild-Zeitung 2012" – Die neuen Aufklärer mit Medienpreis? Ein Rückblick!

  1. Ha, genau, dass dachte ich bei der BILD-Kampagne gegen Wulff auch. Ich meine, dass er das mit dem Islam gesagt hat. Für diesen Satz habe ich gedacht: Ohja, das ist wirklich ein frischer BP. Das bleibt mir auch von ihm in Erinnerung. Leider hat er sich aber dann selbst demontiert. War er zu gutmütig? Zu spießig? Oder einfach nur der Sache nicht gewachsen? Darüber will ich mir kein Urteil erlauben, da mir außerdem BP egal sind.

    1. Also das wir hier keine Bild-Fans sind, muss ich eigentlich nicht explizit erwähnen.
      Aber Verbot? Auch welcher rechtsstaatlicher Grundlage?
      Und mit welcher Begründung?
      Verbote gegen Medienhäusern wird meist in Diktaturen ausgesprochen.

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