NRW Wahl 2012- Die Linke- Wahrnehmung von Realitäten- Wahlanalyse Teil 3

DNZS Wahlanalyse Teil 3 – DIe Linke: zu Teil 1 (Minderheitenregierung abgewählt)   – zu Teil 2 -Das Desaster der Union

von Bertram Rabe
Die Linken in NRW sind geschrumpft. Von 5,4% auf 2,5%. Die Linke. Eine Partei die polarisiert. Die einen halten sie als bösen Dämon, die anderen als Hoffnungsträger. Im Westen sind sie jetzt wieder geschrumpft.
Und wer ist Schuld? Natürlich wie immer die bösen Medien?  Aber ganz so einfach ist es nicht. Es gibt einiges, da können die Linken nichts für. Das ist einfach so. Und da gibt es einiges, das sollten sie sich mal an die eigene Nase packen. Ich nenne das unterm Strich: Die Wahrnehmung von Realitäten.

Die Fakten:

Die Linken haben 241088 Stimmen im Vergleich zu 2010 verloren. Das ist mehr als die Hälfte der Stimmen.
Lt
Infratest Dimap:
-120000 Stimmen (90/30) gingen zurück an Rot Grün.
-800000 Stimmen gingen zu den Piraten.
-40000 Stimmen wanderten zu den Nichtwählern und „Andere Parteien“.
-Sogar 10000 Wähler wanderten zu FDP.

Das letzte können vielleicht viele mit Fantasie erklären. Ich erspare mir das an dieser Stelle. Weil ich es nicht kann. Das andere ist eindeutig. Fast 200000 Stimmen wanderten zu Mitte-Links Parteien.
Die Linke sind jetzt wieder Sonstige. Natürlich muss da aus Sicht der Linken von einer Katastrophe gesprochen werden.

Und wer hat nun Schuld?

Die bösen Medien, die die Linken schlicht links liegen gelassen haben. (sie berichteten fast kaum über den Wahlkampf der Linken in NRW)?
Natürlich spielt so etwas eine Rolle. Es war u.a ein Personenwahlkampf. Kraft oder Röttgen? Die eine, die an NRW hängt, der eine, der eigentlich Umweltminister bleiben wollte (und heute nicht mehr ist)
Außerdem haben  die Medien neugierig auf die Piraten geschaut
Die Linke war auf einmal langweilig geworden. Sie hat thematisch brav mitregiert, haben zusammen mit SPD und Grüne soziale Korrekturen vorgenommen. Hannelore Kraft hatte eine Zusammenarbeit im letzten Wahlkampf 2010 nicht gänzlich ausgeschlossen. Damals haben sich die Medien und die Bild drauf gestürzt (Kraftilanti usw) Da waren die Linken nicht langweilig .Da wurde sie dämonisiert und somit auch attraktiv und interessant.
Im diesem Wahlkampf waren sie wohl von den Kommentatoren als langweilig kategorisiert.

Das hat die NRW Führung der Linken falsch eingeschätzt. Wenn ich nicht interessant bin, muss ich mich interessant machen. Ich kann provozieren oder thematisch aktiv in Alternativmedien werben. Beides ist nicht wahrnehmbar passiert.

Die Querelen um Führungsposten in der Gesamtpartei?

Oder die Diskussionskultur allgemein?

Absolut. So ein Hick hack um Pöstchen kommt bei der Wählerschaft nicht an. Dabei spielt die Diskussionskultur bei den Linken ene große Rolle. Sie ist in der Außendatstellung schlecht, auch deshalb weil sie schlecht ist. (was ja aktuell wieder zu betrachten ist)
Linke/NRW gilt in anderen Landesverbänden insbesondere in Berlin als „unberechenbarer Haufen“.
Und das ist unterm Strich auch schwer zu widerlegen.

Der unkreative Wahlkampf?

Natürlich. Immer die gleichen Botschaften. Die Plakate sind einfach nur aus dem Keller geholt worden. Nichts neues. Das nervt, auch wenn es stimmt. Zumal Millionärssteuer und Hartz4-Kritik zwar natürlich sinnvoll sind, aber landespolitisch wenig Bedeutung haben, außer dass die Landesregierung im Bund über den Bundesrat solche Themen behandeln könnte.
2005-2010 war das was anderes. Das war die SPD in einer Großen Koalition, hat die neoliberale Hegemonie in der Regierung mitgestaltet und verantwortet. Da waren die Botschaften griffig. Jetzt wo Rot und Grün im Bund in der Opposition sitzen habe sie diese Themen selber wieder aufgegriffen und somit inflationär besetzt. Selbst in der Union wird von der Finanztransaktionssteuer geredet.

Da hätte die Linke aggressiver und überlegter drauf reagieren sollen.

Die Außendarstellung von Spitzenkandidatin Schwabedissen??
Der größte strategische Fehler. Sie hatten eine integere Frontfrau.- Sympathisch, klug, pragmatisch, intelligent. Die meisten haben sie erst bei der WDR-Wahl Arena kennengelernt. Der Kopf, der hinter der Linken NRW-Politik hätte stehen sollen, war auf Wahlkampfplakaten kaum bis gar nicht dargestellt.
Diese Strategie fand ich etwas merkwürdig.

Die neue stärke von Rot-Grün in NRW insbesondere der SPD?
Aber ja doch.
Die SPD hat wieder sozialdemokratische Politik gemacht. Allerdings mit Hilfe der Linken, die  Rot Grün zu den thematischen Mehrheiten geholfen hatte. Auch das wurde nur im sehr geringen Maße dargestellt. Natürlich und da sind wir dann wieder bei Punkt 1-haben das auch die Medien verschwiegen.

Keine Mobilisierung bei den Nichtwählern?
Knapp unter 60 % Wahlbeteiligung. Die SPD, die Grünen und die Piraten haben Nichtwähler wieder zur Urne geholt. Die CDU hat 110000 Leute nicht mobilisieren können.  Bei der Union wird die Linke ohnehin nie was holen können. Da können sie machen was sie wollen. Eingefleischte CDU/FDP Wähler würden (Ausnahmen bestätigen die Regel) niemals Die Linke wählen. Für Liberal.Konservative Menschen sind Die Linke die Inkarnation des Bösen.
Unterm Strich:

Es gab keine Proteststimmung gegen Rot-Grün in NRW,die die Linken hätten auffangen können.Da hätten sie machen können was sie wollen. Die anderen Nichtwähler? Na wer weiß schon wer die genau sind? (Schon oft genug im Blog diskutiert und ich weiß es immer noch nicht). Und natürlich ist die hohe Anzahl der Nichtwähler schreckend. Aber auch die Linken sind anscheinend nicht attraktiv genug, um hier Stimmen einzufangen.

Die Piraten?
Allein in 90000 Stimmen gingen (wie oben erwähnt)  an die Piraten. Das heißt. Hier konkurrieren sie insbesondere mit Menschen aus der Kreativ-Wirtschaft und um junge Wähler bis 30 Jahre.Für diesenWählergruppen scheinen die Piraten wegen der Mitmach-Kultur und auch wegen des Bedingungslosen Grundeinkommen anscheinend attraktiver.


Mein Fazit

Die Linke haben viele Fehler im Wahlkampf gemacht. Aber der Hauptgrund ist m.E ein anderer:
Die Linken  müssen wahrnehmen, dass sie insbesondere in NRW  von enttäuschten Sozis  getragen wurde, die aus Frust wegen der Agenda und Militärpolitik seit der BTW-Wahl 2005 die Linken gewählt haben.  Z.Z sind sie auf eine gewisse Kernwählerschaft geschrumpft. Und die ist in NRW wahrscheinlich nicht mehr als 2,5%.

Hannelore Kraft und ihre SPD hat erstaunlicherweise, ohne sich von der Schröder(Clememt/Müntefering Politik zu distanzieren, den Eindruck vermittelt, dass sie hier in NRW wieder Politik für Abhängig lebende Menschen machen Die allermeisten Wähler wussten wahrscheinlich nicht mal, dass die Minderheitsregierung mit vielen sozialen Korrekturen, die Marty und ich im ersten Teil aufgeschrieben haben, tatsächlich sozialdemokratische Politik gemacht,  Mit Hilfe der Linke in NRW.
Die Linke hat sich  insbesondere von der SPD genährt. Jetzt habe sie viele wieder verloren.

Warum? Was können sie, Die Linke nun tun?
Tja. Das kann ich leider nicht beantworten..Sie müssen wohl irgendwie das Kunststück fertig kriegen, integer für Protestgruppen auf der einen Seite und für breite progressive Wählerschichten müssen sie auf der anderen Seite eine pragmatisch ganz normale Parlamentspartei werden, die nicht nur die SPD korrigieren will. Das mag eine Zeit funktionieren. Auf Dauer sicher nicht. Ein Blick auf die Piraten zeigt, dass die Linke sich auch um andere Wählerschichten kümmern muss.
Sonst bleiben sie wohl Sonstige. Zumindest in NRW.

Die SPD wurde am 13. Mai belohnt. und die Linke, nicht nur von den bösen Medien, links liegen gelassenen. Das ist die Realität.

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zu dem vorläufigen Endergebnissen
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