Leistungsschutzrecht: Ein Gespräch mit Ulrich Janßen, Bundesvorsitzender DJU/Ver.di

– Teil 2  -Interview mit Ulrich Janßen –

Wir kämpfen für professionellen Journalismus.  Und den kann es nur geben, wenn Journalistinnen und Journalisten von ihrer Leistung leben können.“

logo kleinweiß

Andere argumentieren:  Wieso haben die Verlage es nicht geschafft, akzeptierte Bezahlmodelle im Internet zu schaffen. Die Taz hat jüngst das Modell „taz-zahl-ich“ eingeführt.

Haben die Verlage versäumt, sich rechtzeitig für die digitale Gesellschaft aufzustellen?

Ulrich Janßen: Natürlich sind Teile des Problems hausgemacht. Alle Inhalte anfangs frei ins Netz zu stellen, hat sicherlich die Büchse der Pandora geöffnet und die lässt sich jetzt halt kaum wieder schließen. Mittlerweile zieht bei einer Reihe von Verlagen aber langsam Vernunft ein und die Möglichkeit zur Durchsetzung von Bezahlmodellen verbessert sich mit dem Aufkommen neuer Verbreitungswege wie Tablets etc. Diese Entwicklung ist richtig und überfällig.

Im Übrigen geht es uns sowieso nicht darum, irgendwelche Geschäftsmodelle aus Prinzip am Leben zu erhalten und auch nicht darum, die bestehenden Verwertermodelle zu konservieren, in diesem Falls also Verlagsstrukturen. Wir kämpfen für professionellen Journalismus. Und den kann es nur geben, wenn Journalistinnen und Journalisten von ihrer Leistung leben können. Das gilt für angestellte Kolleginnen und Kollegen, für Freie – die für einen oder mehrere Verlage arbeiten, wie für selbständige Journalisten, die auf Selbstvermarktungsmodelle setzen.

Micropayment-Modelle wie „taz zahl‘ ich“ begrüßen wir in jedem Fall. Klar ist aber auch, dass diese zumindest heute bei weitem keinen funktionierenden Verlag mit seinen anderen Vertriebswegen ersetzen. Fragen Sie doch mal bei der taz nach, wie viel Geld damit reinkommt.

logo kleinweiß


Haben Sie Informationen darüber, welche Mehreinnahmen die Verlage mit diesem LSR f.P erwarten?

Ulrich Janßen: Das weiß ich nicht. Vielleicht dazu die Verleger sagen, was sie sich finanziell von ihrer Initiative versprechen.

logo kleinweiß

Bloggerinnen und Blogger verspüren eine große Rechtsunsicherheit.  Haben Sie Verständnis für diese Ängste?

Ulrich Janßen: Diese Ängste verstehe ich gut. Lange war unklar, was unter der Überschrift Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse eigentlich geregelt werden soll. Auch der jetzt vorliegende Referentenentwurf ist fachlich schwach und nicht hinreichend eindeutig formuliert.

Unsere Position ist: Wer ohne Gewinnabsicht bloggt, darf durch auch das Leistungsschutzrecht nicht negativ betroffen werden. Wer mit seinem Blog aber Geld verdient und geschützte Inhalte von Urhebern und Presseverlagen übernimmt, muss dafür auch zahlen. Das halte ich für legitim. Darüber hinaus steht es jedem Journalisten frei, seine Inhalte zur freien Verwendung anzubieten.

logo kleinweiß

Einige Blogs verlinken nur noch zu Online-Angebote, die sich darüber freuen.  Wenn das Netz nicht mehr empfiehlt und Suchmaschinen User/Innen nicht mehr zu den Verlagen bringen, sägen die Verlage doch selbst an dem Ast auf dem sie sitzen. Als Betriebsrat würde ich z.B mein Unternehmen Fahrlässigkeit vorwerfen, wenn deshalb Kunden wegbleiben.  Müssten die Gewerkschaften nicht aufschreien?

Ulrich Janßen: Ich sehe nicht, wie eine Verlinkung allein leistungsschutzrechtlich relevant sein soll. Jeder kann auch mit dem Leistungsschutzrecht weiter ungehindert und entgeltfrei Inhalte verlinken. Ein Leistungsschutzrecht kommt nur zum Tragen, wenn geschützte Inhalte – und das ist nicht der Link, sondern Auszüge von Texten – zu einem gewerblichen Zweck verwendet werden. Verbraucher können nach wie vor zitieren und verlinken, wie sie wollen.

Und nochmal: Wir haben uns das Leistungsschutzrecht weder ausgedacht noch es gefordert. Aber wenn es denn kommen soll, geht es um eine Ausgestaltung, die die Interessen der Urheber berücksichtigt. Und auch der nicht-gewerblichen Nutzer. Dafür machen wir uns stark.

logo kleinweiß

Herr Janßen.
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

——————————-
Ulrich Janßen ist Bundesvorsitzender der DJU, Mitglied in der DJU Tarifkommission und vom Beruf Redakteur, zurzeit frei gestellt als Betriebsratsvorsitzender bei der Nordwest-Zeitung, Oldenburg (Quelle)
——————–


****CC-Lizenz für dieses Interview: Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen
*****

———————————————————————— logo kleinweiß

Themennetzschau:
Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR f.P) hier weiter netzschauen

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>