Ausländerfeindlichkeit ist Alltag in Deutschland – Warum ist die WAZ so erstaunt?.

Jeder sechste Ostdeutsche denkt rechtsextrem. Im ehemaligen Westteil der Republik ist die Zahl etwas gesunken. (von 9,1 auf 7,6). Somit denkt im Durchschnitt jeder 10te Bürger rechtsextrem- Noch dramatischer: Der Alltagsrassismus. Während in Westdeutschland 2012 jeder fünfte Bürger eine ausländerfeindliche Einstellung hat, denken in Ostdeutschland fast 39 % manifest ausländerfeindlich. Der Wert für den Osten steigt seit 2004. Die meisten sind junge bildungsferne Männer.
Das sind Studienergebnisse im Rahmen des Projektes gegen rechts der Friedrich-Ebert-Stiftung (fes).
Miguel Sanches von der WAZ ist von der Studie offentsichtlich sehr erstaunt. Dabei ist das Problem doch seit Jahrzehnten bekannt.

Des weiteren befasste sich die Studie mit der politischen Einstellung aller Einwohner in Deutschland.

Die Studie:

Zusammenfassung der Ergebnisse
Studie: Die Mitte im Umbruch
Pressemitteilung

Diese Studie ist alarmierend, wenn auch nicht überraschend. 
Rechtes Gedankengut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen„, titelte die WAZ.
Einige Redakteure der  Meinungsmacher im Ruhrgebiet (WAZ) scheinen wohl die letzten Jahrzehnten mit zugeklappten rechtem Auge durch die Republik gelaufen zu sein.
Ich kann mich nicht erinnern, dass rechtes Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit jemals nur ein Problem in Randgruppen gewesen sein soll. Das war heute und auch in der Vergangenheit nicht so. Dass es heute vielleicht noch stärker in der Gesellschaft verankert ist, hängt vielmehr damit zusammen, dass das Problem:
1. Jahrzehnte lang, trotz der Todesopfer rechtsextremistischer Gewalt, bagatellisiert worden ist und
2.
die staatlichen Behörden eher auf die Politik- Hooligans im linken Lager fokussiert waren.

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Linkempfehlungen: brauner Sumpf
NS linklo
(ab Nov 2011 – aufwärts Sortierung)

4 Kommentare zu “Ausländerfeindlichkeit ist Alltag in Deutschland – Warum ist die WAZ so erstaunt?.

  1. Das ist das Neueste, was ich höre, dass Hooligans links sein sollen??? M.E. nennen die sich oder werden genannt: links-alternativ, der Schwarze Block oder schlimmstenfalls linke Chaoten. Wir haben in einem Stadtviertel ein Viertel mit Links-Alternativen. Bei denen wird schon ein geworfener Schneeball auf Luxusautos als staatsfeindlich betrachtet. Im Osten ist das rechte Gedankengut kein Wunder. Sämtliche Strukturen wurden geschleift. Es gibt fast nichts mehr als schlecht bezahlte Arbeit oder überhaupt keine. Sachsen ist es eine Ehre das Land – damit wirbt Sachsen auch überall – zum Billigheimer umzufunktionieren. Es gibt kaum Perspektiven. Die Elterngeneration sitzt oft seit 1990 fest in der Sozialhilfe, später dann in H4 und „gammelt“ vor sich hin, weil es nichts mehr für sie gibt. Wenn dann ein Sarazzin kommt und von den türkischen Schmarotzern spricht, dann fühlen die Menschen sich irgendwie verstanden. Irrigerweise meinen sie, dass die Arbeitsplätze fest in türkischer oder anderer ethnische Hand wären. Einer sagte z.B. – interessanter Weise sein Bier bei einem Türken trinkend – dass Deutschland fest zu ihnen stehen werde und sie nicht vergessen würde. Das sind Tagträume, die der Wirklichkeit nicht standhalten. Bei uns im Stadtviertel fühlen sich die Leute verschaukelt. Sie kommen nicht (und wollen es auch nicht) gegen die Regierung an und laden ihren Frust bei den Ausländern ab. Dazu kommt noch, dass die Menschen, je südlicher sie gewohnt haben, anders leben, lauter, offener sind und mehr mit den Händen/Armen sprechen, als der durchschnittliche Deutsche an sich. Welches arme Schwein von Ostmensch ist denn das gewöhnt? Er kann ja nicht mal die Menschen in ihrer ursprünglichen Heimat besuchen, um vielleicht zu verstehen (wenn er denn wollte), dass Menschen ganz unterschiedlich sein können, ganz unterschiedliche Temperamente haben. Das alles ist ein Sprengstoff, der hochgehen könnte, weil die öffentlichen Mittel vor allem in Osten immer mehr zusammengestrichen werden. Das ist zwar nicht akzeptabel, dass sich Menschen so benehmen, aber es ist der laufenden Politik zu verdanken.

    1. Den Begriff Politik Hooligangs finde ich treffend.
      Denn ob durchgeknallte auf Demos Steine schmeißen oder Fußball Roudys Straßenbahnen zerstören ist für mich kein Unterschied. Das sind im Prinzip Hooligangs, die sich aus Gewalt einen Spaß machen. Und das sind für mich alles keine Staatsfeinde sonder Kriminelle. Und für die haben wir Gesetzte. Das ist Sache der normalen Polizeieinsatzkräften. Der Mainstream blockierte eine klare Sicht in dem sie Kriminelle zu politischen Staatsfeinden gemacht haben.
      Ob das nun so gewollt war oder nicht will ich mich gar nicht auslassen. Aber wo das hingeführt hat sehen wir an der ganzen NSU Katastrophe.

      Deine nachfolgende Analyse teile ich. Im Kern geht das auch prinzipiell aus der Studie der FES hervor.

      Und trotzdem ist Ausländerfeindlichkeit m.E nicht nur ein Problem in Unterschichten, das sich zwar aus sozialen Sprengstoff gedeiht, aber er multipliziert sich durch alle Schichten durch.
      Fast jede zweite sozialpolitische Diskussion die ich mit Menschen aus der Mittelschicht führe endet mit Sätzen wie… „Aber die ….. bekommen alles hinterher geworfen“…… Objektiv ist das natürlich völlig uninnig. Aber es war wohl schon immer einfach Sündenböcke zu finden. Und diese Wahrnehmung habe ich schon seit ich politisch denken kann.

      1. Man ist nicht automatisch Unterschicht, wenn man keine Perspektive hat. Gut ausgebildete Menschen haben kaum noch Perspektive. Viele, die ihr Diplom gemacht haben, sitzen weitestgehend auf der Straße oder hangeln sich irgendwie durch. Die würden sich alle nicht als Unterschicht bezeichnen. Sie sind klug und gebildet, aber kommen nicht auf die Beine und schieben das leider trotzdem auf alle anderen, nur nicht auf die wirklich Schuldigen. Was bitteschön sonst, als die sozialen Verhältnisse, das Auseinandertriften der Klassen, sollen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus – auch gegen Deutsche selbst – begünstigen. Es ist die Angst vor dem nicht mehr Dazugehören zu dieser Gesellschaft. Diese Angst, ob man die sich nun eingesteht oder nicht, wird kompensiert – an der falschen Stelle.

        Auch Steinewerfer sind nicht nur Kriminelle oder Hooligans. Das ist die andere Seite der Medaille des Ausgegrenztseins. Es ist die Ohnmacht derer, die nicht mehr wissen, wie sie sich gegen Staatswillkür wehren sollen, dazu gehören auch Studenten, Künstler und viele, die sich niemals als Hooligans bezeichnen lassen würden. Sie sind es in der Regel auch nicht. Hooligans sind Dumpfbacken, die einfach zuschlagen, weil sie zuschlagen wollen. Die gab es auch in der DDR. Und nicht zu vergessen, Steinewerfer können sehr wohl als Provokateure selbst aus den Reihen der Polizei kommen, was oft genug nachgewiesen wurde, und die Polizei selbst beschwört mit ihrem oft martialischen Auftreten, mit ihrer Schlägermentalität/Pfefferspraymentalität gegen alles was links steht Zusammenstöße. Meist sind Polizeieinsätze selbst die reinste Provokation und sollen es auch sein, damit eben Steine geworfen werden, damit eben Linkes und Alternatives in Veruf bei den „Gutbürgerlichen“ gerät. Das ist Taktik. Nein es lässt sich nicht alles so in’s Nähkästchen, in jedes Fach, einordnen. In Sachsen steht die Polizei eindeutig rechts und viele sind rassistisch und man benimmt sich auch dem entsprechend. Mit Gutreden ist dem nicht beizukommen. Ein Teil der alternativen Jugendszene hat entsprechende Konsequenzen gezogen, die für uns Ältere nicht immer nachvollziehbar sind. Nur sollte man nicht alles in einen Topf werfen. Wenn so etwas in anderen Ländern passiert hat man auch oft mehr Verständnis für die Wut der Menschen, was ihnen hier und heute angetan wird. Dort ordnet es man als politischen Kampf ein und hier als Kriminalität. Das ist einfach, weil man dann keine politischen Prozesse in Deutschland hat, was man denn vermeiden will, obwohl es in der letzten Zeit immer mehr politische Prozesse gibt, die zwar oft ins Leere gehen – noch. Die Anfänge sind gemacht.

  2. Vorweg: Ich finde: Randale-egal von wem- ist unter dem Gesichtspunkt des normalen Menschverstandes zu verurteilen. Ohne Wenn und Aber.

    Ich glaube aber dass der Begriff Politik Hools etwas missverstanden wurde.
    Ich versuche mal aufzuklären.

    Welches Zerrbild wird von Medien gezeichnet, wenn Bilder z.B von Demos im TV laufen, die zuerst wenige Duzend Krawallmacher gezeigt werden und zehntausende friedliche Aktionisten nur am Rande erwähnt werden?

    Ich habe den Begriff „Politik-Hooligangs auf der linken Seite“ benutzt, um eben nicht alle in einem Pott zu werfen, sondern ich möchte damit eine sehr klare Abgrenzung kommunizieren.
    Im Übrigen sind Provokateure für mich auch – staatlich bezahlte- Hooligans.

    Du hast es gesagt. Hooligans sind „Dumpfbacken „

    Finde ich auch, denn so nennt man gewöhnlich Leute, die Randale machen. Aus welchen Motiv auch immer. Und das fange ich nicht an zu entschuldigen.
    Man kann es soziologisch aufarbeiten. Aber das darf nicht als Entschuldigung dienen-höchstens als Erklärung. Das hat nichts mit politischen Kampf zu tun. Was anderes ist ziviler Ungehorsam. Das ist unter bestimmten Voraussetzungen legitimer politischer Kampf. Aber diesen Unterschied scheinen viele „Dumpfbacken“ nicht zu verstehen.

    Linke Politik Hools repräsentieren doch keine echten Linken, Linksalternatvie , geschweige denn die „Linke Szene“. Linke und progressive Aktivisten sind in der überwältigenden Mehrzahl friedlich.

    Die Randalemacher sind in der Minderheit. Und wenn die Dumpfbacken dann Randale machen, schädigen sie die Bestrebungen linker und progressiver Gruppierungen, , nämlich friedlich für die Verbesserung der Lebenswirklichkeiten einzutreten, weil sie den Meinungsmachern in dieser Republik das entsprechende Material liefern, um, wie oben beschrieben, ein Zerrbild zu malen.

    (-Genauso ist es bei Fußball-Hooligans. Sie repräsentieren weniger als ein Bruchteil der . Fußballfans. Die aller meisten Fußballfans sind friedlich und keine Verbrecher. )

    Konservative Medien und Interessengruppen haben dieses gezeichnete Zerrbild dazu benutzt, um alles was irgendwie links ist, in eine schmuddelige und teilweise staasfeindliche Ecke zu stellen. (was du ja auch so siehst)

    Ich höre immer wieder die gleichen Stammtischparolen. „Also die Linken (wer dann auch immer gemeint ist) machen immer mehr Randale, als die Rechten (gemeint sind meistens dann Neonazis).“ Oder: Auf Anti NPD Demos waren es mal wieder die Linken, die Theater gemacht haben“

    Diese Übertreibung auf dem linken Auge ist eben auch, wenn natürlich bei weitem nicht der einzigste Grund, dass die Gesellschaft auf dem rechten Auge immer weniger sah. Und das führte eben auch zu Bagatellisierung rechter Gewalt und rechten Terror in der allgemeinen Wahrnehmung von Gesellschaft und Strafverfolgungsbehörden.

    Zurück zu meinem Post und die eigentliche Botschaft: Der WAZ-Redakteur hat m.E eine verdrehte Wahrnehmung und hilft damit das gezeichnet Bild weiter zu verzerren. . Ausländerfeindlichkeit ist nicht erst seit heute eine Denke, die sich in der Mitte der Gesellschaft festgesetzt hat. Ich befürchte, dass latente Vorbehalte gegen Ausländer nicht nur am rechten Rand, sondern quer durch alle politischen Orientierungen und quer durch alle Gesellschaftsschichten zu finden sind. Deswegen differenzieren die Autoren der Studie ja zwischen rechten und rechtsextremen Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit im Allgemeinen.

    Fazit: Dieses Virus oder Viren breitet sich weite- aus -durch alle Schichten – und droht zu einer Pandemie zu werden.

    Ich glaube: Die Gesellschaft hat längst und lange die Kontrolle darüber verloren.

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