Eurokrise! Schuld sind die anderen? Austeritätspolitik bis geschönte Arbeitsmarktzahlen

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Und trotzdem ist die Eurokrise bei den meisten im Bewusstsein noch nicht angekommen, wohl aber wer angeblich Schuld sein soll. Die von SPON bis Springer produzierte Wahrnehmung lautet: Die Verschuldung der anderen ist an allem Schuld (Staatsschuldenkrise). Dass die evt. überdimensionierte Exportausrichtung über niedrige Lohnstückkosten sowie die Austeritätspolitik (Sparmaßnahmen, um einen ausgeglichen Haushalt zu erreichen) der Regierung Merkel die Krise mitverursacht und verschärft haben, ist in den großen Überschriften der meinungsbildenden Medien kaum eine Erwähnung wert.

In diesem Post weisen wir noch einmal auf ein paar Artikel aus dem letztem Jahr hin. Außerdem gehen die geschönten Arbeitsmarkt-Meldungen im neuen Jahr nahtlos weiter.

1. Artikelempfehlung

Telepolis-Der Exportüberschussweltmeister von Tomasz Konicz (21.12.2012) „Das exportfixierte deutsche Wirtschaftsmodell kann nicht ohne die Verschuldungsprozesse im Ausland funktionieren, die in der deutschen Öffentlichkeit so vehement kritisiert werden… (hwn)

Anmerkung. Bei den Arbeitnehmerentgelten ist dem Autor, denke ich, ein kleiner Recherchefehler unterlaufen. Die Reallöhne in Deutschland sind in der letzten Dekade dramatisch gesunken. Auf ein paar Fakten hatten wir in unserem DNZS-Zweiteiler zur Tarifpolitik 2012 hingewiesen: Lohnpolitik im Schatten der Eurokrise Teil 1 Teil 2 Desweiteren möchte ich hier noch anmerken, dass m. E. u.a durch den schwachen Eurokurs gelungen ist, die Exportanteile außerhalb des Euroraumes zu erhöhen. Deutschland profitiert in hohen Maßen von der Mischbwertung (wirtschaftliche Ungleichgewichte im Euroraum) durch die Finanzmärkte.

2. Artikelempfehlung
Die Wirtschaftsjournalistin U.Herrmann beschreibt im folgenden Artikel den Konflikt zwischen Wachstum und Ökologie. Ein Thema, das gerade im politisch progressiven Lager immer wieder heftig disktutiert wird. (Hier BSP 1BSP 2)

Zitat: (..)Menschen fühlen sich nur sicher, wenn niemand abstürzen kann – weil Arm und Reich sowieso nicht weit auseinanderliegen. Nur dann ist Umweltschutz möglich, wie weltweite Vergleichsstudien zeigen. Also liegen die egalitären Skandinavier ganz vorn, während sich die polarisierten USA weit hinten befinden. Für den Umweltschutz ist nicht wichtig, wie reich eine Gesellschaft ist, sondern wie dieser Reichtum verteilt wird. Es mag erstaunen, aber hohe Steuern für Spitzenverdiener sind aktiver Umweltschutz. (…)
TAZ: Wahnsinn Wachstum
von Ulrike Herrmann
FREITAGSCASINO- Weniger wäre mehr – gerade an Weihnachten. Doch so einfach ist es nicht (hwn)

Arm und Reich gehen, trotz des durch die FDP geschönten Armutsberichtes der Bundesregierung, aber immer weiter auseinander. Das zeigt der Armutsbericht 2012 des paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Armut auf Rekordhoch-Tendenz steigend

3. und 4. Artikelempfehlung

Die Artikel, vom freien Wirtschaftsjournalisten und Blogger Jens Berger, setzen sich mit der Austeritätspolitik in Europa auseinander. Er macht in dem zweiten Artikel vor allem deutlich, dass Opel nicht ausschließlich Managementversagen war.

Zitat: (aus „Opel ist überall“) (…) Auch Deutschland ist vor den Auswirkungen der Krise und der Austeritätspolitik nicht sicher. Das Opel-Werk in Bochum ist das erste prominentere deutsche Opfer dieser Krise und es wird leider nicht das letzte sein. Wenn die europäische Politik sich nicht schnellstmöglich von ihrem Austeritätswahn verabschiedet, wird es vor allem für das angebliche Rückgrat der deutschen Industrie, den Automobilsektor, noch knüppeldick kommen.(…)

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von Jens Berger
TAZ: Keinerlei Anlass für Optimismus (hwn) In diesem Zusammenhang NachDenkSeiten: Opel ist überall (hwn)

5. Artikelempfehlung
„Was wäre denn die Lösung der Eurokrise? „ fragt SVG Investing den Ökonom Heiner Flassbeck.

„Deutschland muss auf Wettbewerbsfähigkeit verzichten und die anderen müssen wettbewerbsfähiger werden…
Quelle:

Flassbeck wies zurecht darauf hin, dass es sich hier um eine Krise der wirtschaftlichen Ungleichgewichte handelt. Die Wettbewerbsfähigkeit des einen geht immer auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit des anderen. Von daher liegt dieser einfache Lösungsansatz eigentlich nahe. Aber wie soll das mit den aktuelle handelnden Mächtigen in Europa umgesetzt werden?

Der DIW Chef empfiehlt z.B für die Tarifrunde 2013 – 4% mehr Lohn
Das wäre auf jeden Fall sinnvoll. In unserer gemeinsamen Währung (Euro) haben wir immer weiter auseinander klaffenden wirtschaftliche Ungleichgewichte.(auch hier netzschauen) Die leistungsschwächeren Länder würden bei eigenen Währungen gegenüber den leistungsstärksten Ländern (z.B Deutschland) abwerten, um dadurch  Waren und Dienstleistungen im Ausland billiger zu verkaufen. Das geht in einer gemeinsamen Währung nicht. Außerdem ist ein politischer Länderfinanzausgleich innerhalb von Europa  nicht möglich. Zumindest sind für solche Vorhaben keine Mehrheiten in Sicht!
Deswegen kann es es nur eine Lösung geben:
Die Länder mit der höchsten Produktivität müssen die höchsten realen Lohnzuwächse aushandeln. Das ist aber in Deutschland wegen den heutigen Rahmenbedingungen zur Lohnfindung kaum möglich.

Dazu mehr im nächsten Post (Mitte Januar) Lohnkonkurrenz wächst immer weiter….(hier weiter netzschauen)

PS: Das neue Jahr beginnt mit geschönte Arbeitsmarktmeldungen ….
Das statistische Bundesamt feiert zum Neujahr die Summe aller Erwerbstätigen.
Nie gab es mehr Erwerbstätige“ titelten die Zeitungen. Aber was sind das für Jobs und welche Kaufkraft bilden sie ab?
Eva Vöpel von der taz titelte deshalb zurecht: „Geschönte Zustände“ (hwn)
„Propaganda mit Zahlen“– So bewertet Wolfgang Lieb diese Schlagzeilen zum Jahreswechsel. (hwn)

Bleiben Sie mutig, irgendwie!

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