LSR: Wenn zwei sich streiten – freuen sich die Rechtsanwälte

Nun haben sie es getan. Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche das umstrittene Leistungsschutzrecht für Presseverleger verabschiedet. 
Eine kleine Zusammenfassung von Marty Ludischbo

Im Grunde genommen war es zuletzt ein Streit zwischen Google und den Zeitungsverlegern. Jetzt haben beide nicht das bekommen, was sie eigentlich wollten.
-Die Presseverleger wollten ein weitreichenden Schutz, der weit über News-Aggregatoren (z.B Google News) hinausgeht .
-Google wollte das LSR komplett verhindern.
Beide Seiten haben mit Kampagnen versucht die Öffentlichkeit und die Abgeordneten zu beeinflussen. Jetzt soll das LSR kommen, aber nicht für Links und kleinste Textausschnitte (Snippets)

Es war eine breite und transparente Diskussion
AuBannergröße m ss medienkritischer Sicht lässt sich durchaus feststellen, dass die Diskussion breit und transparent geführt wurde. Das lässt sich auch in unserer zusammengestellter Netzschau gut nachlesen.
(hier zur Netzschau-Leistungsschutzrecht für Presseverleger).

Alle Referentenentwürfe gelangten ins Netz und konnten von Fachleuten öffentlich bewertet werden. Die Kampagnen der beiden Lobbys waren klar erkennbar und nicht versteckt.
Auch die Verteidiger der Informationsfreiheit und diverse andere Netzaktivistinnen und Aktivisten haben zur Diskussion beigetragen. Unterm Strich müssen wir aber wieder feststellen, dass dann doch die großen Lobbyisten (Google und Presseverlage) im Gesetzgebungsverfahren den größten Einfluss nehmen konnten. Die anderen kleineren News-Aggregatoren rätzeln nun wie es mit ihren Angeboten weiter gehen soll.

Jetzt hat der Bundestag ein kleines LSR.f.P beschlossen.

LA NSHier in der Linkarena haben wir einige Berichte und Informationen zum Bundestagsbeschluss zusammengestellt.

Und was bedeutet das nun für uns Bloggerinnen und Blogger?
Ich denke für Bloggerinnen und Blogger, die bisher zitierten und Links mit Textausschnitten verlinkt haben, dürfte das LSR in dieser Fassung keine Rolle spielen.
Wer sich unsicher ist, könnte einfach bei den Verlagen oder Rechtsinhaber/Innnen  von Texten anfragen, ob sie sich freuen, wenn ein Artikel mit Verlinkung als Empfehlung oder Hinweis gesetzt wird.
Denn warum sollen wir linken, wenn sich der oder die diejenige nicht darüber freuen?
Und warum sollen wir für freiwillige Empfehlungen eine Lizenz erwerben?
Sind Empfehlungen nicht Wert genug?

Und wie geht es jetzt weiter?
Google freute sich augenscheinlich am meisten. Sie glauben, dass die bisherige Darstellung (Google-News) nun nicht vom LSR betroffen sein dürfte.
Auf Anfrage von Stefan Niggemeier stellen Zeitungsverleger aber klar, dass die jetzige Form der Darstellung in Google News über kleinste Textausschnitte hinausgeht und somit das Leistungsschutzrecht auf Google Anwendung findet.

Fazit:
Was sind denn nun kleinste Textausschnitte?

Tja:- Das wenden dann wohl in der Konsequenz Gerichte entscheiden müssen. Wenn zwei sich streiten freuen sich die Rechtsanwälte, denn im Prinzip ist das LSR f.p in dieser Fassung doch eher eine Gelddruckmaschine für Rechtsanwälte und eine unnötige Arbeitsbelastung für die Gerichte.

Theoretisch kann der Bundesrat das Gesetz noch stoppen und an den Vermittlungsausschuss verweisen.
Gut wäre es ja, denn im Prinzip trägt das Gesetz doch nur zur Verwirrung bei.

————————————————————————

logo kleinweißThemennetzschau:
Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR f.P) hier weiter netzschauen


weitere DNZS-Artikel zum Thema
– Interview mit Ulrich Janßen (verdi)
hier weiter netzschauen
– Wer freut sich über Verlinkungen?
hier weiter netzschauen

4 Kommentare zu “LSR: Wenn zwei sich streiten – freuen sich die Rechtsanwälte

  1. Ist schon lustig. Da wird das Gesetz schon wieder von den Presseverlagen unterlaufen, weil es nicht so gekommen ist, wie sie es wollten. Auch Google-News liefert nur kleinste Textausschnitte. Ich meine, dass die Presseverlage den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Das Gesetz als solches ist sehr schwammig und auslegungsbedürftig. Was sind kleine Textausschnitte? Genau das ist die Frage. Sind es die, die mit den RSS-Feeds geliefert werden? Google-News macht nicht mehr. Wenn Teile der Presse dagegen schon wieder wettern, heißt das auch für Blogger: Vorsicht. Ich für mein Teil werde auf kein Presseerzeugnis mehr hinweisen. Ich werde es in indirekter Rede weitergeben und jeder kann dann selbst suchen, soweit eine Suche überhaupt dann noch möglich sein wird. Wenn ICH Google wäre, würde ich „.de“ rausnehmen. Es kann doch wohl nicht sein, dass Werbung für eine Zeitung kostenpflichtig für den sein soll der auf die Zeitung hinweist. Übrigens, wer geht schon freiwillig auf eine Zeitungsseite, wo ich nicht erkennen kann, was ich im Artikel zu erwarten habe. Das zeigt nur, dass die Presseverlage und die Regierung nicht wissen, wie das Internet funktioniert. Des Weiteren zeigt es, dass den Presseverlagen das Wasser bis zum Hals steht, was sie wiederum selbst zu verantworten haben. Stichwort: Einheitsbrei, keine eigenen Recherchen, Verbreitung von nur neoliberalen Zeugs, kein politisches Gegengewicht (heutzutage wie DDR-Zeitungen), Eindampfung der Redaktionen. Keine Zeitung kann so etwas auf die Dauer überleben. Zeitung zu machen ist auch Leidenschaft und nicht nur Profit machen. Da heutzutag aber nur noch Profitmachen auf der Tagesordnung steht und nichts anderes mehr, wird es für die Presseverlage immer schwerer werden. Verbote bringen ihnen absolut nichts. Sie zeigen nicht auf sich, sondern auf andere. Aber das müssen sie schon mit sich selbst ausmachen. Obwohl Alternativen von Fachleuten auf den Tisch lagen , bleibt dumm eben dumm.

    1. Danke für deine ausführlichen Einlassungen. Die Verlage haben das Internet völlig unterschätzt und machen den selben Fehler wie die Musikindustrie. Statt das Internet zu bekämpfen wäre es geboten die Chancen auszuloten und intelligente Lösungen für ihre Leserschaft zu suchen.
      Falls ich mal Zeit finden sollte, werde ich in einem Extra Beitrag noch mal näher darauf eingehen.
      Im Prinzip ist mir Google fast egal. Aber gerade die kleinen Start ups könnten Angebote zurückziehen. Sie haben keine Kriegskasse um mit den Verlagen über kleinste Textausschnitte zu streiten.
      Und was ist z.B mit News-Agregatoren, die im Kern Non-Profit ausgerichtet und/oder Einnahmen nur zur Kostendeckung nutzen?

      1. Stimmt. Das ist ein weites Feld, wo es in der Mehrzahl viele Verlierer gibt. An Gewinner glaube ich nicht. Ich freue mich schon auf den neuen Artikel von dir.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>