Überwachungsstaat – Ist doch alles nicht so schlimm…

…. so der Eindruck Ruhr rein, Rhein..

ein Kommentar von Marty Ludischbo
Die ganze Welt diskutiert über das Unfassbare. Die Geheimdienste schnüffeln in unsere Daten. Unfassbar? Ne eigentlich nicht. Wir ahnten es schon immer, jetzt wissen es wir. Danke dafür Edward Snowden.

Dank des gejagten Edward Snowden wissen wir nun:
Prism (USA) und Tempoara (Großbritannien) heißen die aktuellen Progrämchens, die unsere Daten sammeln und analysieren. Und natürlich alles nur zu unserer Sicherheit. Nur, wenn du ein Feind bist, sind Deine Daten für die Schlapphüte mit Cyberbrille interessant. Also haben wir auch alle nix zu befürchten. Wir haben ja schließlich nichts zu verbergen, gell!
Ist also alles kein Problem. Glaubt man den Umfragen. „Weitermachen liebe harmlose, dem demokratischen Rechtsstaat verpflichteten, Geheimdienstorganisationen.“
Und natürlich ist es nicht politisch korrekt, wenn wir jetzt wieder mit Stasivergleiche kommen. Die waren die Bösen. Wir und unsere Verbündeten sind ja die Guten.

Daher auch nur logisch: Die Mehrheit der Amerikaner und Briten (und wahrscheinlich nicht nur die) interessiert das Thema Überwachung kaum oder sind sogar mehrheitlich dafür.

Netzschauen Sie hier:
taz.de „Viele finden Schnüffelei notwendig“ (hwn)
taz.de  „Deutsche alarmiert, Briten ungerührt“ (hwn)
netzpolitik.org
(..) Ok, wenn es der Terrorabwehr dient… (hwn)

So weit so erschreckend. Und in Deutschland?
Viele Medienmacher in Deutschland treiben die Verharmlosung dieses unglaublichen Skandals voran.
Albrecht Müller hatte es richtigerweise so formuliert: „Sie machen aus dem Helden, der das Unheil der Überwachung aufgedeckt hat, einen Schuft und Verräter.“

Netzschauen Sie hier den gesamten Artikel:
NachDenkSeiten „Der Bote des Unheils wird geköpft und nicht der Unheilverursacher. Und unsere jämmerlichen Medien machen das mit.“ (hwn)

Ulrichs platte Welt
Den schlimmsten Artikel habe ich dann bei der Waz entdeckt. Im Mittelpunkt wieder einmal der Chefredakteur der WAZ Ulrich Reitz:
Zitat gefällig:

„Aber was hat das bitte mit dem inzwischen in der gesamten Daten-Debatte reichlich oft bemühten George Orwell zu tun und seinem „Überwachungsstaat“, den jetzt auch wieder der SPD-Innenpolitiker Thomas Oppermann zitierte? George Orwells 1948 fertig gestellter Roman „1984“ war eine literarische Verarbeitung des Totalitarismus Hitlerscher und Stalinscher Prägung. Was hat Orwells „Großer Bruder“ mit David Cameron, Barack Obama und Angela Merkel zu tun? Weniger als nichts. Der Orwell-Vergleich ist entweder unliterarisch, unhistorisch oder böswillig. Mindestens ist er platt.“

Quelle: waz.de „Die Daten Spione“ (hwn)

Ich würde sagen: Der Kommentar von Chefredakteur Reitz ist platt und dumm. Wenn nicht so gar gefährlich.
Man darf nicht vergessen, das die WAZ bzw. die Funke-Mediengruppe mit ihren Zeitungen und Radiosendern eine Art Meinungsvorherrschaft an Rhein und insbesondere an der Ruhr inne hat.
Reitz glänzte ja bereit mit seinem Statement zu den Veröffentlichungen der US-Diplomatenpost auf der Enthüllungsplattform Wikileaks. Er nannte das doch tatsächlich „Ein übler Verrat“ (hwn)
(Anm. Die Netzschau unterstützte damals den Appell gegen die Kriminalisierung von Wikileaks. )

Fazit:
Für mich leisten Menschen wie Snowden, die ihr Leben für eine gerechte Sache aufgeben, Zivilcourage auf höchsten Niveau.
Natürlich sind die Länder, die für ihn als Zufluchtsort in Frage kommen auch keine Vorbilder für Informations- und Meinungsfreiheit. Und natürlich wird Russland und Equador das ganze auch für ihre PR nutzen. (Der Westen würde es umgekeht auch machen.)
Aber was auch bitte schön soll Edward Snowden anders machen. Soll er sich von Obamas und Camarons Geheimdienste einfangen und einsperren (lebenslänglich ?) lassen?

Danke an alle Whistleblower der Welt. Ihr seid eine Stütze der Aufklärung.  Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde…

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LA NS
Linkempfehlungen zum Thema.

zusammengestellt in der Linkarena – (hwn)

10 Kommentare zu “Überwachungsstaat – Ist doch alles nicht so schlimm…

  1. Schlimm? Ja. Grundsätzlich.
    Unfassbar? Überraschend? Nein. Ganz sicher nicht.

    Die Frage, ob Snowden etwas hochgeheim Neues ausgeplaudert hat, könnte man mit etwas Menschenverstand durchaus mit NEIN beantworten.

    Viel interessanter dürfte sein, was er vielleicht noch in Kopf und/oder Koffer hat, was nicht an die Öffentlichkeit dringen soll.

      1. Gewollt? Nun, dass dürfte denen arschegal sein, denn die wissen, dass Snowiboy der Welt nix neues erzählt hat.
        Es geht dabei nicht um das Abhören und Anzapfen, dass ist den wirklich scheissegal, ob wir das wissen oder nicht. Sie machen es, sie haben die Macht über’s Internet und die Technik und wer vergessen hat, woher das Internet kommt: Es ist eine Datenleitung des US-Militärs. Es ist auch schon seit Jahren bekannt, dass NSA-Agents an Facebook und diversen Betriebssystemen mitgepfriemelt haben, damit die NSA entsprechende Zugänge bekommt.

        http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-NSA-half-Microsoft-bei-der-Vista-Entwicklung-132473.html

        Wie gesagt: Auch ohne internet war das Überwachungspotential nach dem 2. Weltkrieg äußerst hoch, insbesondere im Schlachtfeld des kalten Krieges Deutschland. Telefone, Funkverkehr … es wurde alles abgehört von der NSA. Da waren vermutlich die Videos und Daten, die Mannings an Wikileaks geliefert haben soll, wesentlich brisanter, weil sie die Kriegsverbrechen der USA dokumentieren.

        Von daher ist es unwahrscheinlich, dass es den USA bei Snowiboy um die Offenlegung dieser Infos geht. Ich denke eher, dass der was weiß, was nun wirklich keiner wissen soll oder man haut so auf die Kacke um ein Exempel zu statuieren, was ich persönlich weniger glaube. Vielleicht weiss er, wer Kennedy umgebracht hat oder wer tatsächlich die Flüge in die Twins gefliegt und ins Pentagon gevögelt hat …

        1. Ich denke deinen Hinweis, dass das Internet ja im Prinzip von den US Milltarys für die sorglose Weltbürgerschaft frei gegeben wurde, ist sicher noch mal wichtig in diesem Zusammenhang zu erwähnen.

  2. Schon vor recht langer Zeit (habe vergessen wann) gab es eine heftige Diskussion im Heiseforum gerade darüber. Damals wurde schon berichtet, dass Google, Facebook und Co. Schnittstellen zum Direktzugriff für den US-Geheimdienst haben. Stimmt. Eigentlich haben wir i.d.R. nichts zu verbergen – denken wir, viele … Nur genügt es, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, ein Schlagwort nutzt, was Alarm auslöst, man vielleicht einen Fehlanruf von irgendjemanden erhält … und … und … und … Dann bemerken wir, dass man ganz schnell zum Opfer werden kann. Außerdem, wer will schon, dass in seinen belanglosen Alltäglichkeiten herumgewühlt wird? Merkel müsste ja nun vom Unrechtsstaat USA sprechen. Hören wir etwas davon? Sagt jemanden Großbritannien nach, dass es ein Unrechtsstaat sei? Allein wegen der Stasi war es die DDR. Wieso die und die anderen nicht? Was mich ein bisschen beruhigt ist, dass die Geheimdienste von Milliarden von Daten totgeschlagen werden. Auch die besten Datenbanken können nicht zeitnah alles durchsuchen, dass etwas Brauchbares herauskäme. Die Ergebnisse sind ja dementsprechend mickrig. Eines zeigt es aber ganz deutlich: Die Herrschenden haben Angst vor uns. Wir müssten diese Tatsache nur nutzen, was wir leider nicht machen. Die Datensammelwut heute ist das Warmlaufen für morgen, wenn wir – was ich wahrscheinlich nicht mehr erlebe – uns nicht mehr alles gefallen lassen werden.

  3. Zitat: „Was mich ein bisschen beruhigt ist, dass die Geheimdienste von Milliarden von Daten totgeschlagen werden. Auch die besten Datenbanken können nicht zeitnah alles durchsuchen, dass etwas Brauchbares herauskäme.

    Habe ich auch drüber nachgedacht. Vielleicht ist es sogar gut, wenn die Schlapphut-Pc´s mit Hundebilder und Toilettenberichte zugemüllt werden.

    Ich glaube aber, dass es nur Zeit bringt. Sie werden immer größere, effizientgere Speicherkapazitäten und Filter-und Analyseprogramme herstellen.

    Was mich schockiert, ist die Gleichgültigkeit meiner der meisten Mitmenschen über die Konsequenzen in der Gegenwart und Zukunft nachzudenken.

  4. natürlich sollte jeder „normale Mensch“, auch vor Edward Snowden, schon gewusst haben, dass überall kräftig abgehört wird. Nur wir, die wir darüber nachdenken, wissen auch, dass die Menschen so etwas nicht wissen wollen und deshalb verdrängen.
    Wenn dann einer wie Edward Snowden kommt und einen Skandal verursacht, dann fangen die Menschen an darüber nach zu denken. Genau das sollen sie aber nicht tun. Deshalb wird nun mit allen Mitteln versucht den Skandal umzudrehen. Nicht die Überwachungsstaaten sind die „Bösen“, sondern der, der das aufdeckt wird zum „Bösen“ gemacht. Deshalb ist es auch dringend erforderlich Edward Snowden zu fangen und einzusperren, damit der Rechtsbruch zum Recht wird. Orwell läßt grüßen ;-). Die Überwachungsstaaten können es sich nicht leisten Edward Snowden auf freiem Fuss zu lassen, es muss ein Exempel statuiert werden, damit andere davon abgeschreckt werden etwas ähnliches auch nur zu versuchen.

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