Ohne Politikwechsel geht für den Euro bald das Licht aus (Teil 4)

Da helfen dann auch niedrige EZB Zinsen nichts! Wir haben zu wenig Nachfrage!  

von Marty LudischboIn Teil 3 unserer Serie um die sog. Eurokrise  haben wir erlebt wie vernichtend die Finanzmärkte mit Staatsanleihen spekulieren. Im heutigen Teil stellen wir fest, dass nun viel Geld in den Aktienmärkten fließt. Die niedrigen EZB Zinsen versickern in Spekulationen oder zu Deckelung maroder Banken. Die realen Märkte haben fast nichts davon. Warum ist das so?

Sparen sparen sparen. Das ist die Devise. Was bedeutet aber, wenn wir alle,nur noch sparen? Produzierte Waren und Dienstleistungen finden weniger Abnehmer. In Folge werden die Unternehmen auch weniger produzieren und werden dann ihre Arbeitskräfte frei setzten. Also zum Arbeitsamt schicken. Das bedeutet noch weniger Nachfrage… Trotzdem ist die schwäbische Hausfrau immer noch das Vorbild vieler Deutscher. Für den privaten Haushalt ist das auch ok-aber volkswirtschaftlich geht das nicht. In einem Beitrag vom 10.03 erklärt Heiner Flassbeck zum wiederholten Male, dass wir volkswirtschaftlich nicht sparen können.

Jens Berger hatte das auf einer Attac Veranstaltung in Wuppertal in einer Präsentation noch mal dargestellt.. (hwn)

Und somit haben wir eigentlich schon fast erklärt warum die Anleger mit den EZB Niedrig Zinsen  lieber den Aktienmarkt füttern und das Geld nicht auf die Realwirtschaft trifft. Was aber nicht heißt, dass die niedrigen Leitzinsen nicht sinnvoll sind.

Wir haben zu wenig Nachfrage -Vorsicht Kleinanleger
Woran es also  grundsätzlich hackt ist so einfach wie plump: Wir haben zu wenig Nachfrage. Und eben das aktuelles Beispiel um den momentanen Aktienboom zeigt es so ziemlich anschaulich.  Banken und andere Großanleger investieren mit dem zinsbilligen Zentralbankgeld wieder nicht in die Realwirtschaft. Mikroökonomisch gesehen basiert deren Handeln sogar auf rationalen Überlegungen.

In der Realwirtschaft lässt sich z.Z wenig Geld verdienen . Viele Unternehmen haben wegen mangelnder Nachfrage zu wenig Umsätze um überhaupt eine Rendite abzuwerfen -also versuchen die Anleger es mit Spekulationen. Und natürlich versuchen sie die Herde (Kleinanleger) zu bewegen mitzumachen. Ein gefährliches Spiel. Ziehen die Großanleger das Geld wieder aus dem Aktienmarkt heraus können Kleinanleger sehr viel Geld verlieren. Also Vorsicht.

Nicola Liebert fragt deshalb zurecht: taz.de /20.05.2013Wann kommt der Sturz(hwn)

dazu wz-online/17.05.2013 Dirk: Müller: Die Märkte spielen verrückt (hwn)

Also stellen wir uns mal kurz vor, wir haben ein wenig Geld übrig und wollten es investieren. Stellen wir uns vor, wir hätten die grundsätzlich die Absicht ein Start-Up bzw . einer neue Idee direkt Geld zur Verfügung zu stellen . Natürlich möchten wir dann eine kleine Rendite sehen. Das muss nicht immer Geld sein. Das kann auch ein Leistungsgegenwert sein. (Z.B wenn ich ich in einer Genossenschaft investiere.) Allerdings. Wenn diese Unternehmung keine Umsätze erzielt ,dann überlege ich mir das dreimal und viermal. Umsätze können fehlen, wenn das Management es verbogt oder aber wenn in dem jeweiligen Marktsegment und/oder gesamtwirtschaftlich insgesamt zu wenig Nachfrage da ist, weil die Menschen zu wenig Geld haben, arbeitslos sind oder Angst haben arbeitslos zu werden und deshalb sich beim Konsum zurückhalten. (siehe oben)  Fehlt es an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage auf die vorhandenen Produktionen und Dienstleistungen haben wir ein grundsätzliches Problem. Anleger lassen dann von der Realwirtschaft die Finger von. Es sei denn, es kommen irgendwelche Außerirdische, die genügend Geld mit auf unseren Planeten bringen. Spaß beiseite. Aber ich denke das Problem ist klar. In so einer Situation ist es völlig falsch, wenn der Staat spart und seinen Bürger durch Kürzungen sogar noch Geld nimmt. Das muss und wird die Krise verschärfen.

Also brauchen wir jetzt eine Politik, die Nachfrage schafft. Am besten durch öffentliche Investitionen. Durch den Fiskalpakt (Schuldenbremsen für alle)sind aber neue Schranken gesetzt worden. Der französische Präsident würde gerne mehr Mittel für Inovation und Beschäftigung einsetzten. Allerdings wird er gerade in der Öffentlichkeit demontiert. Im Inland und im Ausland. Und er fällt um.

Wachstumskritiker warnen, sicher nicht immer zu Unrecht, vor sog. endlosen Wachstum. Alles ist endlich. Mag sein. Aber in fast allen Industrienationen, insbesondere in Deutschland haben gerade untere, bis mittlere Einkommensgruppen einen enormen Nachholbedarf. Sie würde konsumieren. Gesättigte Bevölkerungsgruppen aus der oberen Mittelschicht und der Oberschicht dagegen sparen. Also ist es ökonomisch sinnvoll die Erstgenannten in die Lage zu versetzten mehr zu konsumieren. Dazu brauchen sie mehr Einkommen.

Auch in der öffentlichen Infrastruktur gibt es viel zu tun. Investitionen in Bildung ist mittlerweile Programm in fast allen Parteien.  Der vorsorgende Politikansatz der Regierung Kraft in NRW ist schlüssig. Aber das ist nicht alles. Andere Beispiele: Kaputte Straßen, marode Brücken, öffentliche Verkehrswege (z.B Nahverkehr), mehr menschenwürdige Pflegedienstleistungen und ganz aktuell- Hochwasserschutz. Wachstumspotentiale in diesen Beispielen gibt es also genug.

Reichtum umfairteilen

All das würde und das bringen, was fehlt ist wie gesagt-NACHFRAGE! Und ohne Nachfrage wird das sog. billige Zentralbankgeld (der Rohstoff der Geldschöpfung) kaum in die Realwirtschaft investiert. Was logisch ist. Diese Nachfrage könnte sogar zum Teil ohne neuen Schulden finanziert werden. Voraussetzung. Die Reiche, aber auch die Besserverdienenden zahlen mehr Steuern und versetzt die Öffentliche Hand in der Lage über Investitionen, z.B in den o.g BSP zu investieren.

Umfairteilen-Reichtum besteuern (hwn)
Ein erster Schritt- Finanztransaktionsteuer (hwn

 

Also:  Ohne politische Richtungsänderung werden wir das alles nicht hinbekommen. Steuerpolitisch muss umverteilt werden. Die Einkommen, gerade in Deutschland müssen kräftig steigen. Um höhere Löhne durchzusetzen muss die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften gestärkt werden. Und das  geht aber nur, wenn die Lohnkonkurrenz nach unten gestoppt wird.

Fazit: Niedrige EZB Zinsen sind in einer Rezession wichtig und richtig, aber sollen sie auf die Realwirtschaft treffen, muss Nachfrage generiert und aktiviert werden.

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In Teil 5 näheren wir uns der Frage der Fragen ? Zu wenig gemeinsame europäische Politik in einer gemeinsamen Währung. Keine Lohnkoordination. Ein Richtungswechsel ist ohnehin nicht in Sicht. Monsieur Hollande scheidet wohl auch aus. Die Abwertungen der Südländer sind in vollen lauf. Jeder kocht sein eigene Süppchen. (siehe Teil 3). Macht da eine gemeinsame Währung überhaupt noch Sinn? Oder brachen wir jetzt alternativ eine sachliche Euro-Exit Diskussion?

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LA NSweitere Linkempfehlungen zum Thema Das Thema werden wir weiter begleiten. In der Linkarena stellen wir Links unter dem Stichwort „Zukunft Währungsunion“ zusammen. Das gewählte Stichwort soll einwenig Hoffnung bekunden.

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