Paywall? Martin Schnakenberg “Und dann läuft nichts mehr”

Die Netzschau ist nicht das einzigste Blog-Projekt, dass sich Gedanken über die Paywall-Entwicklung im Internet macht. Martin Schnakenberg, Musiker und Internet Publizist hat sich ebenfalls sehr ausführlich Gedanken über die neue Entwicklung im Netz gemacht. Seine Sorge: Vom freien demokratischen Raum ist nicht viel übrig geblieben. Seine Devise: Informationen müssen frei bleiben.

Hier sein ausführliches Statement

(von Martin Schnakenberg) Zuerst einmal denke ich, dass das Internet ein freier Raum ist – sein sollte -, in dem man frei seine Meinung äußern kann. Dieser Grundgedanke ist aber schon mehrfach zu eigenem Gunsten bzw. zum Schaden anderer ausgenutzt worden. Beispiele: Späh- und Spionageprogramme (NSA etc.), Urheberrechte (Abmahnanwälte), Betrug und Mitarbeiterabzocke (Amazon z.B.), Planung von Stoppschilder, und vieles mehr. Heute müssen wir leider eingestehen, dass vom Internet von einst, einem freien demokratischen Raum, nicht mehr viel übrig geblieben ist, außer massiver Art jeglicher Werbung und, in Zusammenarbeit mit dem Handy, vollständiger Überwachung einschl. der Privatsphäre.


Dass ich darauf bestehe, den Muskelkater nicht mehr als Blog zu bezeichnen, hängt mit o.g. zusammen. Denn früher habe ich meine „Arbeiten und Gedankengänge“ frei und unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Ich wollte einfach den Menschen, die es wissen wollten, meine Meinung, aber auch sonstige recherchierte Ergebnisse, anbieten und ihnen damit die Möglichkeit geben, sich bei mir zu erkundigen, ohne mich zu fragen oder die Auskunft zu bezahlen. Also Information pur, wie es die Grundidee der Blogger eigentlich auch ist. Und weshalb es auch von mir öffentlich und für jeden Interessierten im Netz angeboten wurde.  Natürlich könnte man jetzt sagen: Wenn die Medien Geld dafür verlangen, alle oder eine Auswahl von Artikel lesen zu können (wie es das Neue Deutschland bereits macht), dann laufen die Leute vermehrt zu uns. Gut für uns, – aber die nächste Frage heißt: Woher erhalten wir unsere Informationen rechtzeitig? Durch bezahlte Artikel?

Informationen müssen frei sein.

Und da spiele ich nicht mehr mit, denn ich stehe immer noch auf dem Standpunkt, dass die Informationen frei zur Verfügung stehen sollten!

Deshalb versuche ich, einen anderen Weg zu gehen. Die Informationen sollen beim „Magazin Muskelkater“ zweigeteilt sein: Allgemeine Informationen, die aus der freien Presse erreichbar sind = frei zugänglich. Andere Artikel bzw. Tiefergreifendes, wie z.B. die Geschichtsreihe oder andere = nur an Abonnenten bzw. Mitglieder des Muskelkaters unter Privatartikel. Bezahlung bleibt bei Null, solange es mir selber nichts kostet.

Deshalb auch der Umbau, wozu ich noch einige Zeit brauche.

Social Payment ja-Paywall nein

Das Social Payment ist eine Idee, die zu überlegen es sich bestimmt lohnt. Wahrscheinlich werde ich diese Möglichkeit mit einbeziehen, wobei dann allerdings auch der Inhalt stimmen sollte. Eine Paywall lehne ich grundsätzlich ab, genauso wie ich auch jede Website verlasse, wo aufdringliche Werbung erscheint. Anders ausgedrückt: Will jemand im Internet Geld für Informationen haben, wende ich mich ab. Genauso verfahre ich auch bei Blogs, auch wenn sie noch so groß und bekannt sind. Freiwillige Zahlung okay, aber keine Wall.

Deswegen bewerte ich diese Entwicklung „negativ!“ Ich bin nämlich durchaus überzeugt davon, dass es sich der Großteil der Leser nicht bieten lassen wird, bei diesem Überangebot von Blogs noch zu blechen. Und das bei jedem Blog, der ihn interessiert. Irgendwann ist, nach GEZ und Bankenretten, die Geduld des finanziellen Federlassens erreicht. Und dann läuft nichts mehr.

Martin Schnakenberg ist u.a Herausgeber des politischen Magazin Muskelkater und des Musikmagazin Boysinger-Web

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