Nichtwählen ist respektlos

Klartext! von Sören Kater

Das Wahljahr 2013. Demoskopen sagen vorher, dass es noch nie so viele Nichtwähler geben könnte. Entweder aus Desinteresse oder sog. Politikverdrossenheit. Egal wie. Ich finde das sind alles nur Ausreden!

Das Forsa-Institut im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung fand heraus, dass die meisten Nichtwählerinnen und Wähler angeblich schlecht verdienen, schlecht ausgebildet sind und überwiegend sich vom Privatfernsehen und Bild Zeitung berieseln lassen. (1) Siehste sagte mir ein Kollege: “ Die wollen die Leite bewusst entpolitisieren, um ihre Macht zu festigen: Und dann der Nachsatz: „Ich geh auch nicht wählen, weil hat doch eh keinen Sinn..“

Häähh?

Gestützt werden solche Meinungen auch durch bekennende intellektuelle Nichtwähler wie z.B der Soziologe Welzer . Zitat: „(.. ) weil ich den Trug nicht aussitzen möchte, dass es einen qualitativen Unterschied macht, welche Koalition regiert.“ (2) Der Volksmund würde wohl sagen: „Ich sehe keine Unterschiede zwischen den Parteien oder krass ausgedrückt. „Eh alles die gleiche Sch..“ .

Ist das wirklich so?  Ein Blick in die Parteiprogramme aller Parteien incl. den sog „Sonstigen“ lassen sich solche Aussagen nicht nachvollziehen.

Wer keine Lust hat sich zeitaufwendig mit Wahl und Parteiprogrammen auseinander zusetzten kann mit z.B den Wahl-O-Mat benutzen und seine eigene Position mit der Parteienposition vergleichen. Es mag natürlich Leute geben, die nach 100%iger Übereinstimmung suchen. Aber das  kann es natürlich nicht geben, es sei denn diese Leute wollen alleine im Wald leben.

Es ist ja richtig, dass es zwischen den beiden großen Parteien kaum noch pragmatische Unterschiede gibt. Es gibt gute Gründe, dass man die eine oder andere Partei nicht mag.

Mir kann aber doch keiner erzählen, dass es für eigene Überzeugungen keine einzige Partei (von 30 bei der BTW) gibt, die man wählen kann?
Es gibt Leute, aus welchen Gründen auch immer, die wollen, dass im Kern so bleibt wie es ist. Ok,die sind beiden Volksparteien halt gut aufgehoben.
Die, die was anderes wollen, gibt es freilich auch andere Politikangebote. Für die jungen Wähler könnte die Piratenpartei interessant sein. Für frustrierte Rechtsliberale und Konservative gibt es jetzt diese komische AFD. Für enttäuschte Sozis gibt es schon seit langen die Linkspartei und wer von den Super Linken meint, die Linkspartei ist nicht links genug: Ja dann wählt doch halt die MLPD Sekte. Und selbst für Esoterika ist sicher was dabei. Und dann gibt es ja auch noch die Partei der Nichtwähler. Nicht wählen zu wollen kann man also sogar wählen.

Also. Es gibt Alternativen. Für jeden. Für mich ist alles andere Ausreden, weil die meisten kein Bock haben sich mit den Willenserklärungen der Parteien auseinander zusetzten oder in ihrer spießigen Schützenvereindenke versauern wollen. Natürlich geht es nicht nur um bloße Vergleiche mit Parteiprogrammen. Vergleiche können helfen. Entscheidend ist die eigene Haltung dazu.

Nichtwähler sind nicht doof. Nein,aber in einer Demokratie empfinde ich das als Flucht vor der Veranntwortung. Außerdem ist es respektlos.
Partei und Wahlprogramme werden auch von ehrenamtlichen Leuten mitgestaltet, die viel Zeit dafür in ihrer Freizeit investieren. Menschen, die sich Gedanken machen Positionen auf Parteitagen einfließen zu lassen. Demokratie ist mühselig. Natürlich ist es von den Spitzenpolitikern respektlos dieses nach den Wahlen zu ignorieren. Aber gegenüber diesen Ehrenamtlichen ist es genauso respektlos einfach nicht zu wählen. Notfalls ist es sogar besser die „Sonstigen“ zu stärken, statt den Frust über das „nichtwählen“ auszudrücken. Vielleicht bekommen wir dann endlich eine breite Diskussion über die respektlose der 5% Hürde.

Eine Demokratie ohne Wähler endet in ein Herrschaftssystem ohne Wahlen.

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Quellenangaben

(1) Studie: Nichtwähler in Deutschland – Manfred Güllner FES/Forsa

(2) taz epapier 02.09.2013 Seite 18

14 Kommentare zu “Nichtwählen ist respektlos

  1. Auch mir fällt es dieses mal sehr schwer.
    Ich bin mir immer noch unsicher.

    Ich will keine große Koalition, auf die es wahrscheinlich hinaus läuft, denn dann können sie mit uns machen was sie wollen und werden es auch.

    Nur wen soll ich wählen?

    Bis jetzt habe ich noch keine Partei gefunden, die am Ende doch nicht einknickt oder es sogar schon getan hat.

    Die einen sind mir noch zu chaotisch, die anderen zu rechts, wiederum andere haben ihre Ideale im Laufe der Jahre verraten…

    und die, die ich eigentlich gerne gewählt hätte, zeigen jetzt, kurz vor den Wahlen, dass sie, was Schröder mit seiner Agenda 2010 verbrochen hat, doch nicht ganz abschaffen werden, wenn sie könnten…

    Bei „arte“ läuft im Moment Donnerstags eine sehr gute dänische Spielfilmserie (Borgen),

    http://www.arte.tv/guide/de/044892-009/borgen-9-30#details-description

    in der die Politik ganz genau beleuchtet wird.

    Es wird eindeutig gezeigt, dass es, egal in welcher Partei, es immer nur um Macht, Geld und Verbindungen zu Banken und Wirtschaft geht.

    Der kleine Mann ist überhaupt nicht wichtig.

    Also frage ich mich oder denke:

    Eigentlich ist es egal wen man wählt…
    sie wollen alle nur das eine:

    Deine Stimme
    und dann:
    Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen

    Aber wählen werde ich auf jeden Fall…

    1. Schwer ist es auf jeden Fall. Sören möchte ich in sofern widersprechen, dass ich nicht zu wählen nicht respektlos finde. Es muss nur jeden klar sein, dass alle Nichtwähler dazu beitragen, dass die absoluten Stimmen der wenigen die noch wählen gehen höher potenziert werden.
      Und da konservative Wähler aus Pflichtbewusstsein eher wählen, als andere, profitieren die auch am meisten von einer geringen Wahlbeteiligung.

      1. Ich werde auf keinen Fall meine Stimme in der Wahlurne beerdigen,
        oder sie eben abgeben!
        Nein, ich behalte meine Stimme, da ich das ganze System leid bin …

        was nützt eine Wahl, in der es nix zu wählen gibt, außer dass ich mit Abgabe meiner Stimme signalisiere, dass ich einverstanden bin, dass irgendeine (oder mehrere) Partei(en) für mich reden und entscheiden …

        nö, auf diese Show verzichte ich und wenn es eines Tages echte Möglichkeiten gibt, mich und meine Ideen irgendwie von irgendwem auch vertreten zu sehen,
        hm,
        dann entscheide ich neu …

        ich bin gegen die Politikordnung in der Welt und in diesem Land, ich möchte keine Kriege, ich möchte keine Entmenschlichungen von anderen Völkern oder Sozialen Schichten …
        Ich möchte keine Ausbeutung der Natur, ich möchte Lebensfördende Strukturen in der Wirtschaft und in der Politik …
        gibt es alles nicht, im Gegenteil, es wird auch das letzte noch verscherbelt oder vernichtet,

        das wähle ich einfach nicht !!!

        und profitieren,
        naja,

        wenn man/frau alle nicht mag, dann ist es doch egal, wer von den Pappkameraden, von Nichtwählern wie mir profitiert …

        pervers und voll absurd ist es aus meiner Sicht schon, wenn ne Demokratie vorgegauckelt wird und es im Grunde keinen Unterschied macht, wen man/frau wählt,
        ja,
        es nichtmal nen Unterschied machen soll, ob man/frau wählt oder nicht …

        Zusammengefasst erkläre ich, meine Stimme bleibt bei mir und niemand wirklich niemand bekommt von mir eine Legitimation, irgendetwas in meinem Namen zu tun!!! :)

        1. @warum.
          Also von den 30 Parteien würde es sicher auch eine Partei geben, die deine Haltung am nächsten kommt.
          Hundertprozentige Übereinstimmung wird es sicher nie geben.

          Die etablierten Parteien würden staunen, wenn z.B 10% aller Nichtwähler auf einmal eine zusätzliche Partei in den Bundestag wählen würden. Auf jeden Fall wäre die schwarz gelbe Mehrheit dann dahin. Und selbst wenn 10% die Stimmen auf irgendwelche sonstige Parteien verteilen würden und diese nicht in den Bundestag kommen, hätten wir endlich eine berechtigte Diskussion über die demokratische Legitimität des Parlamentes. Wenn es über 15% „Sonstige“ geben würde, ist eine breite Diskussion über die 5% Klausel m.E nicht mehr aufzuhalten.

          Und eines dürfen wir nicht vergessen. Veränderungen wirken immer erst nach. Positive wie Negative. Erwartungshaltungen sollten auch irgendwo realistisch sein.

          1. … nein gibt es nicht … mir würde ne 50 Prozentige Übereinstimmung ja reichen, jedoch jede Partei, die sich zur Wahl stellt, hat mit mir nicht ma 10 Prozent Übereinstimmung …

            und Veränderungen passieren, ob ne Wahl stattfindet (mit Wahlbeteiligung bzw. ohne) oder nicht, wenn die Zeit halt soweit ist, egal wen was oder überhaupt wer wählt …

            liebe Grüsse
            Karen

        2. Hallo Karen,
          im Gegensatz zu Sören akzeptiere ich deine Haltung. Ich denke aber schon, dass es Unterschiede zwischen den vielen Parteien gibt. gibt. Sicher sind sie zwischen den Etablierten kaum noch wahrnehmbar. Aber es gibt ja auch noch andere 😉
          Insgesamt ist aber so, ob du möchtest oder nicht, dass die Stimmengewichtung der Wähler mit jedem neuen Nichtwähler steigen. Das ist mathematisch einfach so.
          Hier in diesem Artikel ist das wirklich sehr gut erklärt:

          „Nicht wählen geht nicht“:
          http://www.derwesten.de/politik/nicht-waehlen-geht-nicht-aimp-id8412176.html

  2. Ohje, Nichtwähler sind respektlos. Da nenne ich mal so richtig wild. Sicherlich gibt es viele Ehrenamtliche, die sich die Hacken wund laufen und für ihre Partei brennen. Die Parteispitzen interessiert das in der Regel nicht allzusehr. Vor diesen habe ich nun wirklich kein Respekt. Die Mitläufer tun mir nur leid. Ich hatte auch vor, nicht zu wählen, weil Merkel in irgendeiner Konstellation wieder Kanzlerin wird. Die Parteien, die in den Bundestag kommen, sind für mich unwählbar. Die LINKE ist auch penetrant in ihrem Hundehecheln für eine Regierungsbeteiligung, obwohl Rot-Rot-Grün auch nichts Besseres brächte, weil die Genossen in der Linken in den Ländern stets das Gegenteil von linker Politik gemacht haben, wenn sie denn in Regierungsverantwortung waren.Die haben auf Teufel-komm-raus privatisiert und sind z.B. in Sachsen beleidigt, dass sie nicht für eine Schuldenbremse in der Länderverfassung stimmen dürfen. Aber ich wähle trotzdem links, nur um die Medien zu ärgern, die sich dann echauffieren können, dass eine gewissen Zahl Wähler nicht ihren Wahlvorschlag für die Blockparteien genutzt haben. Nur deshalb, obwohl das eigentlich kein Grund ist. Es macht aus der Wahl eine Farce, was sie ja wohl auch ist.

    1. Aber so zeigst du uns auf: Es gibt halt immer wieder neue persönliche Gründe dann doch wählen zu gehen :-).
      Eine machtpolitische Farce ist es auf jeden Fall, weil eine alternative Perspektive zählt.

  3. Bundeskanzlerin Merkel bejubelt Schwarz/Gelb als „erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“. Rot/Grün feiert zehn Jahre Schröders Agenda 2010 und Hartz-Gesetze. Die mit offenen Augen sehenden Menschen aber erkennen zunehmende soziale Spaltung und Ungerechtigkeit, explodierenden Reichtum auf der einen, öffentliche und private Armut auf der anderen Seite.

    „Deutschland geht es nur gut, wenn es ganz Europa gut geht“, sagt die Kanzlerin. Doch tatsächlich treibt sie Europa immer tiefer in die Krise und die Menschen in den Krisenstaaten, und demnächst auch uns, ins soziale Elend. Die Herrschenden in der EU nutzen die Krise, um Löhne zu senken und Arbeitnehmerrechte und Tarifsysteme zu zerschlagen. Sozialstaat und Demokratie werden den „Märkten“ zum Fraß vorgeworfen. Gerettet werden Banken und Finanzanleger, statt in Schulen, sozialen Systemen und Umweltschutz für die Zukunft zu investieren.

    Dieses muss jedem Nichtwähler klar sein, wenn er seine Stimme verweigert. Und auch, dass er damit den Sozialschmarotzern der Blockparteien mehr Macht gibt, und er an der Demontage des Rechtsstaates Deutschland und seiner Noch-Demokratie beteiligt ist. Möglichkeiten zur Gegenwehr: Entweder eine starke Linke wählen, oder eine der Kleinstparteien, welches eine ähnliche Wirkung hat. Aber Nichtstun in dieser Lage ist destruktiv und verantwortungslos!

    1. „Nichtstun ist destruktiv“. Ja das trifft es es schon mehr, als „respektlos“. Das ist nämlich gut formulierte konstruktive Kritik an die Nichtwählerschaft. Danke für dein Kommentar:-)

  4. Wenn dass CIA die Partei „Die Grünen“ nicht gewollt hätte, hätte es diese Partei NIE gegeben – dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von hochrangigen CIA Mitarbeitern.

    Wenn die Finanzelite mit ihren dazugehörigen Machtorganen nur ansatzweise Wind davon bekäme, dass eine basisdemokratische Partei wie Phönix aus der Asche aufzusteigen, werden alle Mittel, die nötig sind eingesetzt, um dies im Keim zu ersticken. Die Propagandainstrumente schwören den Großteil der Bevölkerung auf Linie. Der Aufbau von unten funktioniert über unser Bildungssystem. Dutschke hat dies auch schon gut erkannt … die Bewusstlosigkeit der Gesellschaft muss durchdrungen werden – aber wie?

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