Preissteigerungen- Differenzierte Betrachtung für die kommenden Lohnrunden nötig! (1)

von Marty Ludischbo
Nachfolgend möchte ich auf zwei statistische Erhebungen hinweisen. Zum Einen auf die Inflationsrate 2013 (+1,5%) und zum Anderen auf die Einzelhandelsumsätze. Ein differenzierter Blick ist dabei geboten. Denn Preissteigerungen spielen auch bei Lohnfindungen eine Rolle.
(*1 ) Da die unteren Einkommensgruppen viel höhere Preissteigerungsraten haben (als der durchschnittliche Mittelwert), müssen sie auch prozentual mehr bekommen als die übrigen Einkommensgruppen. Eine soziale Komponente bei der diesjährigen Lohnrunde wäre mehr als gerecht.

Die meisten von Ihnen haben Bauchschmerzen, wenn sie die statistische Preissteigerungsrate 2013 hören: 1,5% ? .
„Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast” ist die übliche Reaktion. Aber die Inflationsstatistik und der Inflationsrechner des Statistischen Bundesamt ist sehr aufschlussreich. Es gestattet ein differenzierten Blick.

Die individuelle Preissteigerungsrate ist natürlich ohne Zweifel eine andere, als der statistische Mittelwert. Gefühlt ist er sowieso immer höher. Spätestens wenn ein bevorzugtes Produkt teurer geworden ist, dann ist natürlich pauschal alles teurer geworden. Wer neigt nicht zu so einer emotionalen Wahrnehmung.
Das Gefühl muss aber nicht immer täuschen. Denn schließlich lohnt sich mal ein differenzierter Blick. Z.B. sind der Lebensmittelwarenkorb (+3,9%) und die Wohnkosten (+2%) weit über den Durchschnitt gestiegen. Kosten für die Gesundheitspflege sind dagegen um -3,7 % gesunken. (*2)
Auch die Preise in der Unterhaltungselektronik sind wieder einmal gesunken. Die individuelle Preissteigerungsrate ergibt sich aus dem persönlichen Konsumverhalten. Und das hängt von den individuellen Einnahmen ab, also vom Einkommen.

Preissteigerungen und Verteilungsgerechtigkeit
Hier wird dann wieder einmal deutlich, dass die individuellen Preissteigerungen etwas mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun haben.

Während Geringverdiener in der Regel, je nach Wohnlage (*3), teilweise über 50% für Lebensmittel und Wohnen (Miete Strom, Wasser, Gas, Heizöl) ausgeben müssen, muss die Mittelschicht sehr viel weniger für diese beiden Lebenserhaltungsposten ausgeben. Bei der Oberschicht sind es voraussichtlich weniger als 20%. Sie profitieren dann am meisten von fallenden Preisen bei bestimmten Konsumartikeln (z.B. moderne Unterhaltungselektronik). Artikel, die sich Menschen in prekären Lebensverhältnisse normalerweise nicht ohne weiteres leisten können.

Mit dem persönlichen Inflationsrechner lässt sich sehr schön die eigene Inflationsrate ausrechnen.

Verbraucherpreise 2013: + 1,5 % (HVOI 1,6%) gegenüber dem Vorjahr 2012 (hwn)
Differenzierte Betrachtung:
12. Abteilungen (hwn)
Waren und Dienstleistungen (hwn)

Diese Grafik veranschaulicht, dass insbesondere Lebensmittelpreise gestiegen sind.
Die Grafik Auswahl Gütergruppen hier ansehen:

Preisindex Einzelhandel (hwn)

Umsatz Einzelhandel 2013

Hier lohnt es mal, einen grafischen Blick auf die Einzelhandelsumsätze im Jahr 2013 zu werfen (hwn).
Die realen Umsätze sind kaum gestiegen, in einigen Bereichen sogar gesunken. Der Internethandel ist dagegen nominal um 6% gestiegen.
Der Grund ist klar, im Internet ist es oftmals billiger. Das geht aber auch auf niedrigeren Personalkosten zurück. Die Löhne sind gegenüber dem tarifgebundenen Einzelhandel günstiger. Der Riese Amazon orientiert sich dabei an der Logistikbranche. (auch hier netzschauen)

Im zweiten Teil möchte ich erläutern, warum die differenzierte Betrachtung der Preissteigerungsraten Thema in den kommenden Lohnrunden haben muss. 

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Fußnote:

*1 – Die Inflationsrate ist nur ein Faktor bei der Lohnfindung. Elementar ist der sog. für Tarifverhandlungen ist der sog. neutrale Spielraum (link)

*2 – Quelle Statistische Bundesamt

*3 – Im Ruhrgebiet sind die Kaltnieten wesentlich niedriger, als in Frankfurt oder München

*4 – eigene Berechnungen anhand von Fallbeispielen mit dem Inflationsrechner des statistischen Bundesamte (Teil 2)s

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