Preissteigerungen- Differenzierte Betrachtung für die kommenden Lohnrunden nötig! (2)

Preissteigerungen spielen auch bei Lohnfindungen eine Rolle. (*1 ) Da die unteren Einkommensgruppen viel höhere Preissteigerungsraten haben (als der durchschnittliche Mittelwert), müssen sie auch prozentual mehr bekommen als die übrigen Einkommensgruppen. Eine soziale Komponente bei der diesjährigen Lohnrunde wäre mehr als gerecht.

Im  Wirschaftsblog habe ich auf  zwei statistische Erhebungen hingeweisen. Zum Einen auf die Inflationsrate 2013 (+1,5%) und zum Anderen auf die Einzelhandelsumsätze.  Heute möchte ich eräutern, warum die differenzierte Betrachtung der Preisteigerungsraten Thema in den kommenden Lohnrunden haben muss.

Tarifrunde und Mindestlohndebatte 2014
Der differenzierte Blick auf die Preissteigerung lässt folgenden Rückschluss zu:
Für die Tarifrunde 2014, aber auch bei der Mindestlohndebatte, sollte sich diese differenzierte Inflationsbetrachtung im Forderungskatalog wiederspiegeln. Die unteren Einkommensgruppen müssen prozentual mehr von Lohnsteigerungen partizipieren, damit deren individuelle Preissteigerung in Zukunft verhältnismäßig ausgeglichen werden kann.

Wie viel das sein sollte, lässt sich konkret schlecht beziffern. Auf Grundlage des letzten Jahres liegen die Inflationsunterschiede zwischen den Einkommens-gruppen, je nach Wohnlage, ungefähr zwischen 0,5 und 1 %. (*4 )
Da ähnlich differenzierte Preissteigerungen in den letzten Jahren festzustellen waren, ist ein Nachholbedarf an dieser Stelle für die unteren Einkommensgruppen m.E. mehr als gerechtfertigt, ja überfällig. Das sollten die Tarifvertragsparteien endlich mal ausloten.

Diese differenziale Ausgestaltung in der Lohnpolitik (soziale Komponente) hat in den letzten Jahren kaum stattgefunden.
Soziale Komponenten werden tarifpolitisch von Arbeitgeberseite in der Regel kategorisch ausgeschlossen und schon bei der ersten Verhandlungsrunde auf eine Tabuliste gesetzt.

Auch bei der Mindestlohndebatte darf dieser Fakt nicht außer Acht bleiben. Ausnahmeregeln darf es grundsätzlich nicht geben. Sonst könnte jeder dritte Niedriglohnbezieher leer ausgehen (hwn) . Und gerade diese Menschen trifft die über den Durchschnitt liegende Preissteigerung am meisten.

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Fußnote:

*1 – Die Inflationsrate ist nur ein Faktor bei der Lohnfindung. Elementar ist der sog. für Tarifverhandlungen ist der sog. neutrale Spielraum (link)

*2 – Quelle Statistische Bundesamt (Teil 1)

*3 – Im Ruhrgebiet sind die Kaltnieten wesentlich niedriger, als in Frankfurt oder München (Teil 1)

*4 – eigene Berechnungen anhand von Fallbeispielen mit dem Inflationsrechner des statistischen Bundesamtes

11 Kommentare zu “Preissteigerungen- Differenzierte Betrachtung für die kommenden Lohnrunden nötig! (2)

  1. Werden sie aber nicht machen. Die Gewerkschaften leben in einer Sozialpartnerschaft mit dem Kapital. Es ist wichtiger für sie, jeden noch so unwürdigen Job zu erhalten: Hauptsache Arbeit. Das SPD-Leitmotiv wurde von der Gewerkschaft tief verinnerlicht (vielleicht auch mit verfasst). Höre ich etwa jeden Tag eine große Diskussion gegen die Ausnahmeregelungen für den mickrigen Mindestlohn, der dann irgendwann kommt (oder auch nicht – setze ich mal dazu). Ist nicht schon wieder eine Ostvariante des Mindeslohnes im Gespräch? Da kommt aus Gewerkschaftskreisen nur ab und zu mal ein Stimmchen, was dagegen spricht. Mächtige Aktionen wären nötig, kleine Lüftchen wird es geben, wenn überhaupt.

    1. Ich habe gehört, dass die Tarifkommission (verdi) für den ÖD eine soziale Komponente fordert (Sockelbetrag). Ob sich das durchsetzten lässt ist natürlich eine ganz andere Frage.

      1. Die Gewerkschaften haben hier und da schon immer mal einen Sockelbetrag gefordert. Meist wurde der so abgeschmolzen, dass er lächerlich war. In der Mehrheit wurde aus den Forderungen dann eine Einmalzahlung und 24 Monate Laufzeit. Ich wäre froh, wenn es mal anders liefe, nur mir fehlt der Glauben. Die Lohnerhöhungen müssten schon sehr viel höher sein – auch nicht nur etwas über mickrige 3 % – um der Wirtschaft überhaupt Impulse zu geben. So verleppert sich das alles wieder in irgendwelchen Gebühren oder beim Strompreis. Der Binnemarkt hätte nichts davon und dabei glaube ich, dass nicht mal das kommt, was gefordert wird. Die Forderungen allein sind schon zu niedrig, da man sich ja immer irgendwo in der Mitte trifft – also irgendwo bei der offiziellen Inflation. Die Laufzeit wird sicherlich wieder über ein Jahr hinausgehen, damit die Gewerkschaft verkünden kann, dass sie über 3 % verhandelt hat. Den Arbeitgebern ist es doch egal, ob wir Hansel unseren Strom bezahlen können und die Kommunen/Land können sich auf die von sehr, sehr vielen gewollten Schuldenbremsen zurückziehen. Die Mehrzahl der Deutschen hat doch gejubelt, als die Schuldenbremsen in die Verfassungen geschrieben worden sind. Nun wird kein Geld mehr für die Menschen da sein, die den Staat am Laufen halten.

        1. Wahrscheinlich kommt da in der Tat nicht viel bei rum. Leider. Schuld daran sind aber in erster Linie die Arbeitgeber rund die Politik. Die Arbeitgeber, weil sie soziale Komponenten permanent auf die Tabuliste setzten und es für nicht verhandelbar halten und im ÖD die Politik, weil sie die Kommunen finanziell ausbluten lässt.

          Das ganze Gewekschaftsbashing, das leider auch aus dem linken Lager zu hören ist, ist da überhaupt nicht zielführend.

          Und was den ÖD angeht. Ich höre jetzt schon nach den ersten Warnstreiks die Bürger schreien, wenn die erste Straßenbahn nicht fährt oder der Müll nicht abgeholt.
          wird.

          So wie hier letztes Jahr.
          http://www.nachrichtenspiegel.de/2013/02/24/streik/

          Da lach ich mich kaputt! Wahrscheinlich sind es dann die gleichen Leute, die verdi anschließend verurteilen, weil sie zu viel Kompromisse eingegangen sind.

          Am besten wir schränken das Streikrecht noch weiter ein und alle Bürger/Innen sind glücklich.

          Und schuld daran sind natürlich nur die Gewerkschaften!

  2. Ist die Kritik an den Gewerkschaften nicht auch berechtigt?

    Natürlich ist es schwierig , in den Niedriglohnbereichen Mitglieder zu werben und damit auch für deren Belange einzutreten , aber wird da wirklich genug getan?
    Dabei geht es nicht um Bashing , sondern um konstruktive Kritik an einer Institution , die dringendst benötigt wird.

    Auch müssen sich viele Arbeitnehmer fragen lassen , ob es nicht einen Zusammenhang geben könnte zwischen ihrem eigenen und häufig sehr intigranten Verhalten den Kollegen gegenüber und der Leichtigkeit , mit der sie über den Tisch gezogen werden können .

    1. Mich wundert es nur manchmal, dass die Gewerkschaften oftmals mehr abgekommen, als die Arbeitgeber oder die Politik, die den Gewerkschaften durch ihre neoliberale Ordnungspolitik Handlungsmöglichkeiten immer mehr erschwert hat.

      Konstruktive Kritik an Gewerkschaften, insbesondere an deren Führung, unter Wahrnehmung objektiver Realitäten ist nichts gegen einzuwenden. Im Gegenteil. Sogar absolut notwendig.

  3. „dass die Gewerkschaften oftmals mehr abgekommen, als die Arbeitgeber oder die Politik „

    Enttäuschte Erwartungen wiegen oft viel schwerer…
    Aber stimmt , da muß man sich auch selber immer wieder dazu anhalten , genau hinzusehen , wer die Sauereien verursacht und wer nicht.

      1. Ich weiß, dass es dein Lieblingswort ist, aber ich kann mit dem Begriff „Sozialpartnerschaft“ nichts anfangen.
        Frag 10 Leute gibt es 10 verschieden Interpretationen.

        Ist damit die Mitbestimmung gemeint?

        Zum Fall TKS und die Rolle von O.B kann man sicher vieles berichten. Das was dort in dem Text propagiert wird, hat mit den relevanten und grundlegenden Fakten leider wenig zu tun. Aber ich will da nicht näher drauf eingehen.

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