Vermögen in Deutschland bleiben ungerecht verteilt. Konservative zweifeln die DIW Studie an

von Marty Ludischbo
Die Nettovermögen in Deutschland sind weiter gestiegen, aber an der Vermögensverteilung hat sich nichts grundlegendes geändert. Das haben aktuelle Analysen auf der Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergeben. Es gibt allerdings, je nach Quelle, unterschiedliche Berechnungen. Deshalb haben wir im Wirtschaftsblog die Zahlen des DIW und die Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung mal hier gegenübergestellt.

Das konservative Meinungsspektrum versucht die Studie anzuzweifeln.

Warum ist eigentlich erstmal klar. Ein Stimmungsbild, das mit wissenschaftlichen Untersuchungen feststellt, dass die Vermögen ungerecht verteilt sind, passt nicht in ihr Weltbild. Aber eines nach dem Anderen.
Netzschauen Sie zunächst einmal den DIW Wochenbericht zum Thema „Vermögensverteilung“:

Wochenbericht DIW zur Studie (hwn)

Konservative und Arbeitgeber wollen das erwartungsgemäß nicht wahr haben, dass es ungerecht zugeht und üben Zweifel an der Methode.
Ein Beispiel : Die konservative FAZ merkt an, dass die Studie Rentenansprüche nicht berücksichtigt hat. Das würde alles angeblich „gleicher“ machen, so die Behauptung.

FAZ/Februar 2014: Wie die Rente Arm und Reich gleicher macht (hwn)

Der gleiche Verlag hat die Kampagne mitgetragen, dass die Griechen angeblich reicher als Deutsche sind. Netzsschauen Sie hier:
Das Ganze war natürlich ausgemachter Unsinn, weil:
1. es sich um eine Umfrage handelte und nicht um eine Studie
2. nur Haushalte gemessen wurden
und
3. die Rentenansprüche der Deutschen weggelassen worden sind.
Jetzt greifen sie (die FAZ) ein Argument auf, das sie an anderer Stelle verschwiegen haben. Das zum Thema Aufklärung und Kampagne.
Zu der EZB Umfrage hier noch mal ein Artikel aus den NachDenkSeiten

Jens Berger: Arme Deutsche? Wie eine Statistik zur Meinungsmache verbogen wird (hwn)

Im Vergleich zu Ländern die quasi kein Umlagesystem haben ,macht es natürlich Sinn die Umlagenrente mit zu berücksichtigen, wenn Altersversorgungsansprüche als Vermögensbestanteil miteinander verglichen werden sollen.
Natürlich bleibt die Frage, ob es Sinn macht, gesetzliche Rentenansprüche bei der inländischen Vermögensbemessung zu berücksichtigen oder nicht. Das kann ich an dieser Stelle auch nicht abschließend beantworten.
Aber ich zweifle mal an, dass die Verteilung dadurch „gleicher“ wäre, wie zB. der Autor der FAZ behauptet und viele Liberalkonservative sicherlich auch behaupten würden.
Nehmen wir mal an das DIW hätte die gesetzlichen Rentenansprüche berücksichtigt. Dann hätten die  Studienverantwortlichen des DIW die Rentenansprüche auch schon in den vorherigen Jahren der Langzeitstudie mitbetrachtet. Ich behaupte mal einfach, dass dadurch die Vermögensverteilung nicht gleicher wäre. Wieso denn auch?
1. Die GKV ist eine Rente mit Anspruchserwerb nach Leistung. Heißt: Wer viel verdient, zahlt viel ein (in der Regel bis zur Beitragsbemessungsgrenze) und erwirbt auch höhere Ansprüche. Besserverdienende Einzahler/Innen erhalten also auch eine höhre Rentenleistung. Es ist zwar richtig, dass der Arbeitnehmer ein höheres Vermögen zuberechnet bekommen würde. Aber der Besserverdiende Arbeitnehmer ja ebenfalls On Top oben drauf!
2. Mit dem  Rentenbezug singt in der Regel das durchschnittliche verfügbare Einkommen des Arbeitnehmer. Es sei denn, der oder die konnte es sich leisten privat vorzusorgen. Das können aber gerade die unteren Einkommensgruppen erst gar nicht.
3. Gerade meine Generation hat, nachdem die Umlagenrente durch Walter Riester endgültig zerstört wurde, immer mehr niedrigere Ansprüche zu erwarten. Auch das müsste ja dann langfristig betrachtet werden.*1

Auf einen wichtigen Aspekt weist außerdem die süddeutsche Zeitung hin:


Zitat:
(..)Die Wissenschaftler merken allerdings an, dass besonders wohlhabende Personen praktisch nicht erfasst werden können. „Dies gilt insbesondere für Milliardäre und für Millionäre mit einem Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Im Ergebnis bedeutet dies, dass das wahre Ausmaß an Vermögensungleichheit unterschätzt wird.“ (…)

(hwn)

abschließend hier noch eine Einschätzung des DGB:

DGB-Klartext: Armes Deutschland, reiches Deutschland – (hwn)

Fußnote:

*1- Ich habe mich zu dieser emotionalen Behauptung und unterm Strich nicht wissenschaftlich belegbare Argumentation hinreißen lassen, weil die Aussage des FAZ Autors auch nur eine Behauptung darstellt. Nämlich, dass die Vermögensverteilung gleicher wäre, wenn die Rentenansprüche mitberechnet worden wären. Diese Aussage ist weder sachlich noch nachhaltig begründet. M.E ist das eine Behauptung, die im Kern die DIW Sudie zu diskreditieren versucht. In so einer Situation kann es m.E berechtigt sein Gegenbehauptungen aufzustellen. Ich gebe das allerdings zu!

2 Kommentare zu “Vermögen in Deutschland bleiben ungerecht verteilt. Konservative zweifeln die DIW Studie an

  1. Das Thema löst viel zu viel Aufregung aus bei viel zu wenig Inhalt. Das ist bei weitem nicht so krass, wie es gerne dargestellt wird. Schauen wir uns die Zahlen an:

    Einfluss Rentenansprüche auf GINI Faktor – siehe Wochenbericht DIW 03/2010 verlinkt im obigen FAZ Artikel
    2010 hatte das DIW die Rentenansprüche erfasst. Ergebnis, die Vermögensverteilung wird dadurch wesentlich ausgeglichener mit 2010 GINI 0,6 statt 0,8. Wobei 0,6 im Vergleich mit dem sehr guten Einkommens-GINI von 0,3 immer noch recht viel ist, aber im internationalen Vergleich durchaus sehenswert ist.

    Diese 0,6 sind durch einen Deutschland spezifiischen Faktor weiter verzerrt – der Vermögensverteilung unter den ehemals Ost- versus Westdeutschen, jeweils den älteren Bewohnern. Die Wessis hatten einfach 40 Jahre Zeit zur Vermögensgenerierung, die den Ossis fehlt. Wäre schön, wenn jemand dazu Daten hat.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Leider haben wir dazu keine bekannten Daten griffbereit. Aber natürlich würden wir sie hier veröffentlicht oder im Beitrag ergänzen. Für entsprechende Hinweise sind wir deswegen immer sehr dankbar.

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