Deflation in Spanien. Überraschend? Wohl kaum!

Die Preise in Spanien sanken um 0,2%. Die FAZ und auch andere Medien sprechen von einer „Überraschung.“ Aber überraschend kommt das alles nicht.

Die gesamte Eurozone schlendert so um die 0,7% Inflation. Das ist der Durchschnittswert. Die Zielinflation beträgt 2%. Auch in Deutschland geht die Preissteigerungsrate zurück. Während sie im Dezember 2013 noch 1,4% betrug, sank sie im März auf 1,0%.
Neben Spanien befinden sich auch Italien und Griechenland in einer deflationären Abwärtsspirale.
Das bedeutet, dass immer weniger in diesen Ländern investiert wird. Die Haushaltseinkommen in Spanien sind um 10% gesunken. (hwn)

Es fehlt an allen Ecken an Nachfrage
Auch die wirtschaftlich starken Länder wie Deutschland fällt es immer schwerer deflationäre Tendenzen in der gesamten Eurozone durch höhere Inflationsraten abzumildern.
Dazu müssten die Löhne in Deutschland kräftig steigen.

Das die FAZ die Tendenzen in Spanien als „Überraschung“ einordenet, lässt sich entweder nur mit volkswirtschaftliche Inkompetenz oder mit bewussten Falschinterpretationen (um die Austeritätspolitik in Europa schön zu reden) erklären.

Natürlich haben Exporte in Spanien wegen den Reallohnverlusten Spanien zugenommen
Aber: Wenn Löhne, Haushaltseinkommen und öffentliche Investitionen sinken und auch private Investitionen hinterherhinken, sinken unterm Strich gesamtwirtschaftliche Investitionen. Mögliche Folgen: Preise sinken weiter und die Investitionen gehen noch weiter zurück. Die Löhne und die Renten purzeln noch weiter nach unten. (Deflationsspirale)
Und wenn in einem gemeinsamen Währungsraum die starken Länder die Entwicklung dieses nicht auffangen wollen, dann lässt sich die Zündschnur nicht austreten.

Deflationsgefahren für den gesamten Euroraum real
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält  Deflationsgefahren  für real.
Im neuen „Wochenbericht“ des Berliner Instituts DIW warnt der Ökonom, assistiert von zwei anderen DIW-Forschern, vor einem zerstörerischen Preisverfall in der Euro-Zone. „Die derzeitige Inflationsentwicklung verstärkt den Anlass zur Sorge vor einer möglichen Deflation im Euro-Raum“ (…) Weiter heißt es: Es gebe „berechtigte Zweifel“, ob die Europäische Zentralbank (EZB) die Preise stabil halten könne, so wie es ihr Auftrag vorsieht. (Quelle)

Die Euro-Krise ist überwunden? Nein die Zündschnur glüht und die Bombe tickt und tickt. Und überraschend kommt das natürlich alles nicht.

Ein Kommentar zu “Deflation in Spanien. Überraschend? Wohl kaum!

  1. Eine sehr richtige und wichtige Beobachtung. Auch für die deutsche Wirtschaft sind die Prognosen nicht ganz so positiv wie erwartet. Der ZEW-Index für kommendes Halbjahr ist gegenüber dem letzten stark abgefallen. Wir werden sehen ob die Senkung des Leitzinses die erwünschte Wirkung zeitigt.

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