Bundesbank für höhere Löhne – Was ist da los?

Ausgerechnet die Bundesbank, das Bollwerk angebotsorientierter Wirtschaftspolitik, setzt sich, jetztauch offiziell unterstützt von der EZB, für höhere Löhne ein. Was ist denn da los? Vollzieht die Bundesbank eine ideologische Kehrtwende? Wohl eher nicht!

Immer wieder ist es die Bundesbank mit ihren Chefideologen an der Spitze gewesen, die allen Bundesregierungen der jüngsten Zeit zu einer moderate Lohnpolitik geraten hat. Immer wieder wurde in erster Linie die Inflationsangst an die Wand gemalt.

Jetzt aber sind sie für höhere Löhne.

Zur Erinnerung: Die Löhne sind seit 2000 nicht mehr real gestiegen. Bis 2010 sind sogar um 4,5 % gesunken. Aktuell, seit 2010, wurde durch die höheren Tarifabschlüsse der letzten 4 Jahre auf – 0,7 % (Vergleich zu 2000) abgemildert. Profitiert haben allerdings in der Regel nur Beschäftigte, die nach Tarifvertrag bezahlt werden. (hwn)
update: hierzu: Ergänzung 1
Das alles reicht aber eben nicht, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Euroraum auszugeileichen. Der Nachholbedarf der Arbeitnehmer/Innen ist keineswegs befriedigt worden. Man kann also in Sachen Löhne aktuell höchstens von einer kleinen Kehrtwende in sprechen. Mehr aber auch nicht.

Die Chefetage der Bundesbank wird wahrscheinlich den Teufel tun, das deutsche Exportmodell grundsätzlich in Frage zu stellen. Schon gar nicht geht es ihnen wohl um Gerechtigkeit
Hinter dem Sinneswandel steckt nicht der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit, sondern die Angst vor einer Deflation (Anm. m.l: Im Euroraum)“ skizziert Ulrike Herrmann in ihrem TAZ-Artikel von letzter Woche. (hwn)

Die Zentralbank  bleibt ihren Ansprüchen treu. Und dazu gehört neben der Inflationsbekämpfung auch Deflationsgefahren abzuwehren. Nicht mehr und nicht weniger.

Statistik: Euro-Zone: Inflationsrate von Juni 2013 bis Juni 2014 (gegenüber dem Vorjahresmonat) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Fazit: Der Einwurf der Bundesbank bedeutet keine geldpoltische Kehrtwende.
update: Ergänzung 2
Nein. Es ist ein Indikator dafür, dass die Eurokrise noch lange nicht beendet ist und Deflationsgefahren ernst genommen werden sollten. Mit einer möglichen Deflation im Euroraum wäre die Ka…. richtig am dampfen. Sie wäre quasi ein weiteres Ergebnis einer blinden Austeritätspolitik. 

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Die sog. „Eurokrise“ ist in vielen Köpfen wohl schon wieder fast vergessen. Deshalb hier noch mal eine treffenden Artkelempfehlung:

Le Monde 13.09.2013/Ulrike Herrmann:

Die 4 Krisen des Euros

Krise I –   Schuldenkrise
Krise II –  Der Euro ist falsch konstruiert
Krise III – Wettbewerbskrise
Krise VI – Managementkrise

(hwn)

4 Kommentare zu “Bundesbank für höhere Löhne – Was ist da los?

  1. Da haben endlich mal ein paar Leute entdeckt, dass es für die Wirtschaft ungesund ist, wenn man sich einzig darauf ausrichtet, Exportweltmeister zu sein.

    Seit Jahren wird der Binnenmarkt komplett ausgehöhlt, ja sabotiert. Abgesehen davon ist das Hauptgeschäft der Banken, die Kreditvergabe, in größter Gefahr. Ohne Bonität gibt es keine Kredite und ohne Kredite haben die Banken keine Gewinne. Es ist also auch ein großes Stück Eigeninteresse.

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