Griechenland-Szenarien : Grexit oder No Grexit?

von Marty Ludischbo
 Es wird Ruhr rein Rhein raus über ein möglichen Austritts Griechenland aus der Eurozone diskutiert. (Grexit).
Die Geschichte ist aber noch nicht geschrieben. Es kann auch noch anders ausgehen…

In einer DNZS-Serie und Debatten Netzschau beschäftigen wir uns mit den möglichen Folgen eines Grexit. Aber es muss ja nicht so kommen. Deswegen fassen wir hier noch einmal die möglichen 3 Szenarien der aktuellen Diskussion zusammen. Schwerpunkt der Diskussion ist: Unter welchen Szenarien wäre der griechische Staat überhaupt in der Lage Schulden zu bedienen.

Szenario 1. Griechenland bleibt im Euro und die gegenwärtige Austeritätspolitik wird fortgeführt:
Anhand der Sachlage wird es dann kaum möglich sein, dass Griechenland jemals seine kompletten Schulden zurückzahlen kann. Im Gegenteil. Der Schuldenstand wird weiter und weiter steigen. Sparen drosselt die Nachfrage und somit auch die Investitionen. (Anm.1)

Ohne Nachfrage kein Wachstum, ohne Wachstum keine substanziellen Steuermehreinnahmen.

Netzschauen sie hier weiter zum Szenario 1:

+ Man kann sich nicht aus der Krise her aussparen. „Sie können Länder, die sich mitten in einer Depression befinden, nicht immer weiter ausquetschen“ stellte der amerikanische Präsident Obama fest. (1)
Warum hat er damit recht ?
europa geht anders-Warum kann man sich nicht aus einer Krise heraussparen? (hwn)

+ Griechenland ist doch auf einem guten Weg? (Anm. 3)
Der renommierte Ökonomen Heiner Flassbeck und Friedericke Spiecker haben da so ihre Zweifel: (hwn)

Szenario 2 Griechenland bleibt im Euro:– die Austeritätspolitik wird beendet.
Genau das strebt die neue Regierung in Athen an und viele andere nachfrageorientierte Ökonomen teilen diese Option.
Eine Kernforderung:
– Abmilderung der Sparmaßnahmen
– Besteuerung von Besserverdienern und Reiche. (Einnahmesteigerungen)
– die momentanen Überschüsse aus dem Haushalt werden für Investitionen statt für den Schuldendienst verwendet.

Strittig ist, ob auf diesem Weg evtl. der komplette Schuldendienst bedient werden könnte. Die Laufzeiten sind ohnehin sehr gestreckt. Man könnte diese noch weiter verlängern und Wachstum an den Schuldendienst koppeln. Das schlägt u.a auch der DIW Chefökonom Fratscher vor. (2)

Netzschauen sie zu Szenario 2 auch einen Artikel von Professor Rudolf Hickel:
NachDenkSeiten/Januar 2015 – Exit aus dem Grexit: Griechenland im Eurroraum aufbauen. (hwn)

Szenario 3 Griechenland verlässt die Euro-Zone (Anm 3)
Das wird schon als Folge von Szenario1 irgendwann zwangsläufig passieren müssen.
Eine Rückkehr zur neuen Drachme würde bedeuten, dass die Schuldenquote von jetzt 175% am Bruttoinlandsprodukt noch rasanter steigen wird. Die Schulden in Euro bleiben bestehen und die neue abgewertete Drachme würde gegenüber den Euro rasant an Wert verlieren. (BSP: Abwertung neue Währung 40% – reale Schuldenerhöhung + 40%)
Ein äußerst umfangreicher Schuldenschnitt wird dann wohl unvermeidbar sein.
Wie hoch hängt davon ab wie hoch der Wert der neuen Drachme zum Euro verlieren wird. Wirtschaftskommentatoren spekulieren so zwischen 40 und 60 %.
Griechenland hat mehr ausländische statt inländische Gläubiger. Das Gezerre um einen Schuldenerlass wird also auch bei einem Grexit weitergehen.

Netzschauen Sier zu Szenario 3 auch hier weiter:

+ manger-magazin : Wie Griechenland den Euro verspielt (hwn) – (Anm 4)

+ wiwo: Wenn Griechenland aus der Eurozone austritt (hwn)

+ Gert Höhler von der FR meint dazu:
„Eine Rückkehr zur Drachme, die damit einhergehende Inflation und die zu erwartende Rezession würden den Schuldenberg in Relation zur Wirtschaftsleistung binnen kurzer Zeit auf das Doppelte anwachsen lassen. Griechenland könnte seine Verbindlichkeiten niemals bedienen. Ein drastischer Schuldenerlass wäre unvermeidlich. Oder das Land geht pleite. Dann wären alle Kredite verloren.“ (hwn)

logo kleinDNZS Serie:
Welche Folgen hätte ein sog. „Grexit“ ?
Fragen und Antworten – Teil 1 (hwn)

————————————————–
Quellen

(1)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-obama-aeussert-verstaendnis-fuer-tsipras-regierung-a-1016250.html

(2)
http://www.taz.de/!153561/

Anmerkungen:

(1)
Stellen Sie sich vor sie hätten Geld und eine Idee. Würden Sie ihren Standort in einer Gegend errichten, wo die Leute das Geld ein bisschen lockerer haben oder da wo die Menschen wegen niedrieger Löhne und viel Arbeitslosigkeit ihr Geld „dreimal umdrehen“ müssen?

(2)
Das wird von unserer politischen Führung immer wieder behauptet. Und deshalb deren Logik: „Die Austeritätspolitik muss fortgesetzt werden.

(3)
entgegen geltender EU-Verträge (in Teil hatten wir darüber berichtet)

(4)
Typischer Aufmacher eines Leitkommentator. So nach dem Motto: schuld sind immer die anderen. Kein Gedanke daran, dass auch die Exportüberschüsse Deutschlands zur Schuldenexplosion in den Defizitländern beigetragen haben.

8 Kommentare zu “Griechenland-Szenarien : Grexit oder No Grexit?

  1. Unter den gegenwärtigen Bedingungen will sowieso niemand in Griechenland investieren. Daher ist ein GREXIT langfristig vorteilhaft. Es ist auch egal, wenn sich nachher die Staatsschuld verdoppelt. Sie werden die Schulden ohnehin niemals zurückzahlen – in diesem Falle werden sie auch die Zinsen nicht mehr bezahlen.

    Für Griechenland wäre es vorteilhaft, wenn ausländische Unternehmen in Griechenland eine Produktion aufbauen. Auch wenn sie keine Tradition in Industrie haben, würden die griechischen Arbeiter das schon schaffen.

    Beispiel: MAN baut eine Fabrik zur Herstellung von Lastautos in Griechenland. Für die Bezahlung der Grundstücke, der Gebäude, der Arbeitskräfte,… kann der Überschuss aus der Leistungsbilanz (Deutschland gegenüber Griechenland) angerechnet werden.

    Jedoch wird das kein Investor tun. Die politische Lage ist instabil, der Austritt aus dem Euro droht. Die Löhne sind zu hoch im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften. Die Gewerkschaften sind stark und würden hohe Lohnforderungen und sonstige Begünstigungen mit Streik
    durchsetzen. Letzten Endes droht die Verstaatlichung und
    Sondersteuern für die Ausländer (wie man am Beispiel Ungarn sieht).

    1. Zu der folgenden Aussage:
      „Szenario 2 Griechenland bleibt im Euro:– die Austeritätspolitik wird beendet.
      Genau das strebt die neue Regierung in Athen an und viele andere nachfrageorientierte Ökonomen teilen diese Option.“

      Das geht aber nur dann, wenn die Euro-Staaten bzw. die EZB das bezahlen. Von anderer Seite bekommen sie keinen Kredit mehr.

      Das wäre eine dauerhafte Alimentierung der Griechen. Es steht ihnen frei, mehr Steuern von den Reichen einzufordern, aber es wird ihnen nicht gelingen.

      1. Was meinst du konkret mit Alimentierung?

        Steuern von den Reichen oder Besserverdienenden einzufordern macht Sinn und natürlich muss sich Syriza auch damit messen lassen. Voraussetzung ist allerdings eine funktionierende Steuerbehörde. Und die muss m.E erst noch aufgebaut werden. Hierbei sollte die Eurogruppe die griechische Regierung elementar unterstützen.

        1. Mit Alimentierung meine ich, dass die Griechen von den Euro-Staaten eine jährliche Transfer-Zahlung bekommen, die nicht rückzahlbar ist, ohne Gegenleistung.

          So wie es in Deutschland eine Transferzahlung an die neuen Bundesländer gibt.

          Anmerkung: Sie bekommen jetzt schon aus der EU eine Nettozahlung von 4 Mrd EUR pro Jahr.

          1. Ich stolpere gerade über den Begriff Alimentierung. Das kenne ich nur im Verhältnis Dienstherr und Beamte. Und da kann man natürlich nicht von fehlender Gegenleistung sprechen. Aber OK. ich denke ich weiß wie du es meinst.

            Thema Transferleistungen: Das ist zunächst nur Spekulation. Bisher sind nur Kredite geflossen, dessen Rückzahlung sicher in Zweifel gezogen werden kann. Bisher haftet der Steuerzahler. Steuergelder bilanziert abgeschrieben ist noch nichts. Wieviel? Die Zukunft ist da noch nicht geschrieben.

            Wie kommst du zu der Nettozahlung von 4 MRD Euro? Investitionen aus EU Fördertöpfen? Hast du eine entsprechende Quelle, die ich in meinen Beiträgen mit einfließen lassen kann.?

          2. Griechenland war 2012 Nettoempfänger bei den EU-Zahlungen in der Höhe vom 4,5 Mrd EUR.

            Das geht aus dem dritten Diagramm der folgenden Datei hervor:
            http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70580/nettozahler-und-nettoempfaenger

            Es ist eine Transferzahlung, weil die Staaten ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen, nur umschulden und weiter aufstocken. Griechenland kann schon überhaupt keine Schulden zurückzahlen. Sie sind mit den Zinsen schon überfordert.

          3. Danke für den Link.

            Schulden werden ohnehin nie komplett zurückbezahlt, sondern immer nur refinanziert. Auch Deutschland wird seine über 2 Billionen Schulden nie zurückzahlen, sondern nur refinanzieren.

            Außerdem wurden unterm Strich deutsche und französische Banken frei gekauft. To big to fall? Wirklich ?

  2. Die Zusammenfassung in 3 verschiedene Szenarien hat mir persönlich dabei geholfen nicht weiter in Panik zu verfallen. Dafür möchte ich mich bedanken. Man macht sich halt schon viele Gedanken, vorallem, wenn man sich nicht so gut auskennt. Aber dafür gibt es ja diesen Blog!

Hinterlasse einen Kommentar zu Steh zu deiner Meinung Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>