Tarifkonflikt DB : Kommt jetzt der Kompromiss, damit dieser Weselsky die Streik entwöhnten Deutschen nicht weiter nervt?

Aber trägt nun der Medienfeind Claus Weselsky wirklich die alleinige Schuld für die „quälenden“ Streiks?

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Allein schon  Begriffe wie  „quälende“ oder „nervende“ Streiks *6 ist nicht nur destruktiv, sondern verschleiern die Fakten.
In der Bundesrepublik gab es im Jahr 2014 pro 1.000 Beschäftige gerade einmal 16 Streiktage. Das ist im europäischen Vergleich extrem wenig. In Norwegen waren es letztes Jahr beispielsweise 53 Streiktage, in Dänemark sogar 135. Nur u.a in den Niederlanden, Schweden und Österreich waren es noch weniger, als in Deutschland. *7
Außerdem kann man Tarifauseinandersetzungen ohnehin nicht mit irgendwelchen biblischen Attributen wie „Schuld“ bewerten.
Verantwortung aber tragen alle Beteiligten. Die einen mehr, die anderen weniger.
Der Bahnvorstand versuchte die Tarifkonflikte mit beiden Gewerkschaften auf die lange Bank zu schieben. Wahrscheinlich um auf das oben erwähnte TeG zu warten. Das bundeseigene Unternehmen fürchtet vermutlich ohne Tarifeinheit höhere Lohnabschlüsse statt niedrigere.

Teile und herrsche / Lösungsvorschläge ?
Und genau hier haben m.E auch beide Gewerkschaften versagt. Statt geschickt zu kooperieren haben die Funktionäre sich mit hinderlichen Eitelkeiten, wie Macht, Schuldzuweisen und Mitgliederabwerbung, aufgehalten. Mit entsprechenden Absprachen könnten Sie für alle das Lohnniveau nach oben drücken .Die Tarifhoheit für gewisse Berufsgruppen zu beanspruchen ist sicherlich nicht zielführend. (hier es folgt bald eine Anm.)
Die Gewerkschaftskonkurrenz hat der Bahnvorstand ausgenutzt und nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ die auf Seite 1 beschriebenen Kernforderungen (Arbeitsbedingungen GDL/ soziale Komponente (EVG) der beiden Gewerkschaften abzuschmettern. Lösungsvorschläge der Staatsunternehmen war bis Mitte Mai 2015 : Null

update 27.05.2015
:Erst als auch die EVG Streiks angedroht hatte wurde ihre Kernforderung nach einer sozialen Komponenten erfüllt. Die Bahn war offentsichtlich auch intern unter Druck geraten, nachdem endlich eine Schlichtung mit der GDL erreicht wurde. Streiks der anderen Gewerkschaft wollte die bisher kompromisslos wirkende Bahn wohl nicht riskieren.

Kompromiss wäre ganz einfach
In der Kooperation der beiden Gewerkschaften liegt auch der Kompromiss. Beide lassen sich sog. Günstigkeitsklauseln oder Nachbesserungsklauseln * 9 in ihren jeweiligen Tarifverträgen schreiben.
Und wollen die einen Arbeitszeitverkürzungen, die anderen mehr Knete, lässt sich das mit einer Wahlmöglichkeit des einzelner Beschäftigten lösen. *10
Mit einer solchen Lösung wäre die Tarifeinheit trotz unterschiedlicher Tarifverträge defacto gegeben.

update 27.05.2015 . Die EVG hat sich bei Ihrem Abschluss ein Sonderkündigungsrecht zusagen lassen. Damit könnte sie im falle unterschiedlicher Tarifinhalte nachverhandeln. da aber der Abschluss der EVG noch unter Gremien orbehalt steht (der ehrenamtliche Bundesvorstand muss noch zustimmen) könnten Sie das Ende der Schlichtung (DB-GDL) noch abwarten, um sich strategisch aufzustellen.
Die GDL bleibt optimistisch dass direkt vor dem Inkrafttreten eines gewerkschaftsfeindlichen Tarifeinheitsgesetze“ die DB wohl nicht umhin kommen wird , auch unterschiedliche Tarifverträge für das Zugpersonal zu akzeptieren.

Ich habe den Eindruck, dass alle Parteien sich langsam Richtung Kompromiss bewegen. Aber dazu hätte wir das LEX Bahn (Tarifeinheitsgesetz) nicht gebraucht. Das hat den DB Tarifkonflikt 2014/2015 bis  heute gelähmt. *11
Somit trägt die Bundesregierung und die Mehrheit des Bundestages Mitverantwortung, weil sie ihren eigene Betrieb Deutschen Bahn, mit dem Tarifeinheitsgesetz ein tarifpolitisches Instrument in die Hand gibt, um eine bestehenden gewerkschaftliche Tarifpartei entgleisen zu lassen.

Also: Für diesen zähen Tarifkonflikt, trägt nicht die im Deutschen Beamten Bund organisierte GDL die alleinige Verantwortung. Seien Sie fair. Egal ob als Fahrgast oder als Mitglied einer DGB Gewerkschaft.
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* Der Autor Marty Ludischbo ist regelmäßiger Bahnfahrer und Mitglied einer DGB Gewerkschaft. Das Tarifeinheitsgesetz hält er für eine Unverschämtheit. Er kann nicht verstehen, dass die EVG und die Industriegewerkschaften das Gesetz mittragen.

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