Rückstellungen gleich Rücklagen ? Nein…..!!

Sie haben das Wort „Rückstellungen“ bestimmt schon oft in den Medien gehört. Ein Unternehmen bildet für gewisse Sachen Rückstellungen. Aber damit sind nicht „Rücklagen“ gemeint. Auch Betriebsräte sollten genau hinhören, wenn ihr Arbeitgeber für eine gewisse Sache das Wort „Rückstellungen“ propagiert.

von Marty Ludischbo & Jörg Lambrecht

Aktuell hören Sie das Wort u.A auch im Zusammenhang von Atom oder Braunkohlerückbau. Es suggeriert für den Laien, die Unternehmen haben Rücklagen, also Sparguthaben, auf die hohe Kante gelegt, um z.B den Atomrückbau zu finanzieren.
Wenn ein Betriebsrat Langzeitarbeitskonten und/oder Pensionsleistungen einführen möchten, fällt auch schnell der Satz: „Dafür müssen wir Rückstellungen bilden„. Wenn so ein Satz von einem vom Arbeitgeber gesandter Erfüllungsgehilfe (Teamleiter etc.) hören, seien Sie auf der Hut!

Also: Was sind Rückstellungen was sind Rücklagen

Rücklagen bedeutet, lapidar gesagt: Ich lege Geld an die Seite um Sachen in der Zukunft zu erledigen. Im Prinzip spare ich. Technisch gesagt: Ich bilde Eigenkapital um mich für die Zukunft zu liquidieren. Buchhalterisch nämlich werden Rücklagen zum Eigenkapital gerechnet.
Volkswirtschaftlich entziehe ich durch Rücklagen (Sparen) aktuelle Nachfrage und verlege diese Nachfrage in die Zukunft. Allerdings weiß ich nicht, wie viel Wert diese Rücklage in Zukunft sein wird. Das bedeutet aber nicht, dass wir Güter zurücklegen, die wir später konsumieren. (1)

Rückstelllungen kommt im privaten gar nicht vor. Rückstellungen bilden ausschließlich Unternehmen und hat mit Rücklagen überhaupt nichts zu tun. Das ganze ist ein komplexer buchhalterischer Vorgang. Durch die Bildung der Rückstellungen sollen die später zu leistenden Ausgaben den Perioden ihrer Verursachung zugerechnet werden. (2)
Übersetzt heißt das: Eine Rückstellung ist im Prinzip eine Art Rechnung, die später bezahlt werden muss, aber deren Höhe und Fälligkeitszeitpunkt unsicher ist.
Es gibt Schuld – und Aufwandsrückstellungen.
– Schuldrückstellungen stehen Verpflichtungen an Dritte gegenüber. z.B Pensionsleistungen an die Arbeitnehmer. Es ist aber eine ungewisse Rechtsverpflichtung.
– Aufwandsrückstellungen liegt dagegen keine Verpflichtung Dritten gegenüber.

Außerdem können Rückstellungen steuerliche Vorteile bringen, weil sie den Gewinn schmälern.

Wie bei allen Schulden, kann aber keiner wissen, ob das Unternehmen diese „Rückstellungen“ auch begleichen kann. Den letztendlich müssen diese Verbindlichkeiten in der Zukunft aus dem operativen Geschäft bezahlt werden. Um also diese Verbindlichkeiten auszugleichen müssen sie liquide sein.
Sind sie das nicht, gibt es Probleme. Was dann?

Beispiel Atomwirtschaft!
Die in den Medien viel zitierten Rückstellungen für den Atomrückbau standen im Prinzip Atomanlagen als Wert gegenüber. Diese werden nun durch den Atomausstieg abgerissen. Um also die Rückstellungen zu verrechnen, brauchen die Unternehmen neue Geschäftsfelder.

Deswegen sorgt sich die Bundesregierung nun, ob die Rückstellungen auch bedient werden können. Denn werden sie es nicht, bleibt der Atomrückbau wohl beim Steuerzahler hängen. (3)

Tipp für Betriebsräte!

Beispiel: Rückstellungen für Zeitkonnten?
Wenn Sie das Wort Rückstellungen hören, hinterfragen Sie, ob damit Rücklagen oder Rückstellungen gemeint sind. Es gibt weisungsbefugte Erfüllungsgehilfen (Führungskräfte) der Arbeitgeber, die den Unterschied oft gar nicht kennen.
In welchen Rechtsrahmen (4) für welchen Zeitrahmen überhaupt Rückstellungen gebildet werden dürfen oder müssen, wissen in der Regel nur Fachleute. (5)
Nehmen sie in jedem Fall Kontakt zu Ihrer Gewerkschaft auf. Diese wird Sie in jedem Fall rechtlich und pragmatisch beraten. Vertrauen Sie nicht allein auf die Fachleute im eigenen Unternehmen. Gerade im Falle einer Insolvenz birgt Rückstellungen große Risiken.

Fazit:
Ob Rückstellungen oder Rücklagen besser sind, sollten Unternehmen (in mitbestimmten Unternehmen zusammen mit ihren Arbeitnehmervertretungen) in jedem Fall gründlich prüfen.
Im Einzelfall können auch eine Kombination aus beiden zielführend sein.

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Hinweise und Links

(1) http://www.flassbeck-economics.de/vorsorgen-durch-sparen/

(2) http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/rueckstellung.html

(3) haz.de

(4) sv-bav.de

(5) Das Beispiel „Rückstellungen für Altersteilzeitverpflichtungen nach dem Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente „ zwischen Gesamtmetall und IG Metall veranschaulicht die Komplexität dieses Thema. Hier ein Auszug eines Wirtschaftsprüfer . (idw.de)

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