Verdi plant Mitgliederbefragungen zur Tarifeinigung

von Marty Ludischbo 
Neue gelebte und lebendige Demokratie?

Die Tarifeinigung im ÖD hat zwei gute Nachrichten.
Erstens: Der Abschluss ist volkswirtschaftlich insgesamt vernünftig, wenn auch die Arbeitszeitverlängerungen in 4 Bundesländern zu arbeitsmarktpolitischen Irrwegen führen werden.
Zweitens: Die mächtige Dienstleistungsgewerkschaft verdi will einen basisdemokratischen Meilenstein legen. Sie will eine neue gelebte Demokratie!

Eine Massenorganisation wie verdi hat muss aus vielerlei Gründen ihr demokratisches Leben mit Delegationen und Sprecher/Innen organisieren. Es ist dann nicht immer klar, ob der politische Wille der Basis in den Führungsetagen ankommt. Oft heißt es: Was habt ihr mit denen wieder ausgeklügelt“ oder „Ihr von verdi“. Den schwarzen Peter für z.B die Arbeitszeitverlängerungen oder Lohnverzichtstarifverträge bekommen die Gewerkschaften ab. Obwohl es die Arbeitgeber sind, die darauf drängen. Ihr, ihr, ihr. Das soll und muss sich ändern, sagen moderne Gewerkschaftsfunktionäre. Es muss ein neues „Wir“ Gefühl geschaffen werden. Dazu muss die Basis mitgenommen werden, in Entscheidungen mit einbezogen werden. Mitgliederentscheidungen und Mitgliederbefragungen könnten neue Instrumente gelebter Demokratie in verdi werden.

Aber ist das in einer Millionen-Organisation überhaupt möglich?

„Du bist Tarifpolitik“ heißt es in den Tarifinformationen zur Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst: „gemeinsam haben wird die richtigen Forderungen aufgestellt …….(…) ..und selbstverständlich wollen wird die Tarifrunde 2008 gemeinsam beenden. Quelle verdi Homepage

Das führt aber nicht automatisch bei allen auf Gegenliebe. Auf einer Funktionärskonferenz im Ruhrgebiet wurde deutlich: Einige Vertrauensleute verstehen nicht, warum es nicht ausreicht, wenn sie die Stimmung im Betrieb wieder spiegeln.
Andere sagen: „Wie könnt ihr nur so arrogant sein, zu meinen immer für alle sprechen zu können.“

Realistisch gesehen scheint es sich hier um ein Organisatorisches Problem zu handeln. Die Mitgliederbfragungen sollen wohl in den Betrieben stattfinden. Wäre wahrscheinlich auch kein Problem, wenn man die Infrastruktur der Urabstimmungen genutzt hätte. Die freiwilligen Helfer waren bestellt. Jetzt ist alles abgesagt und anscheint hat jetzt kaum noch jemand Lust und zeit die Leute wieder zu bestellen.
Die Alternative könnte eine Art „Briefwahl“ sein. Das würde sicherlich eine teure Angelegenheit werden. „Aber Demokratie ist mehr wert“

In den nächsten Tagen werden die Mitglieder erfahren, wie sie und ob sie  ihre Stimme erheben dürfen!

Aber viel spannender ist!
Was passiert, wenn sie die Mehrheit gegen den Tarifkompromiss ausspricht?
Ist der Kompromiss von Potsdam dann gescheitert?

 Das netzwerk-verdi, eine Oppositionsgruppe innerhalb von verdi macht im Internet schon ihre Ablehnung deutlich. Quelle: netwerk-verdi
Wenn man nicht nach hinten losgeht, zittern Skeptiker.

Geht das schief, wird der insgesamt vernünftige Abschluss zu einem tarifpolitischen Desaster. Vorsichtshalber soll die Befragung auf Basis der Richtlinien zur Urabstimmungen laufen. Stimmen 75% gegen den Abschluss wertet der Bundesvorstand den Beschluss, so, dass die Mitglieder bereit sind für ein besseres Ergebnis zu streiken.

Geht das gut, wird der Abschluss Stabilität bringen und eine neue Entschlossenheit demonstrieren. Mit diesem neuen „Wir“ Gefühl und eine immer noch volle Streikkasse verschaffen sich die Arbeitnehmer/Innen bei Bund & Kommunen dann eine glänzende Verhandlungsposition. ….für die nächsten Tarifrunden!

Ob diese neue demokratische Kultur beständig sein wird, bleibt abzuwarten. Noch ist die Mitgliederbefragung oder Urabstimmung ja auc

Ein Kommentar zu “Verdi plant Mitgliederbefragungen zur Tarifeinigung

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