Kein Ergebnis für Berlin

Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Berliner öffentlichen Dienstes erneut gescheitert und vertagt

  Netzschau und Kommentar Von Marty Ludischbo

„Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Berliner öffentlichen Dienstes sind heute Vormittag gescheitert“, dies erklärte Verhandlungsführerin Astrid Westhoff. Leider habe sich der Senat nicht im erforderlichen Maße auf die Gewerkschaften zu bewegt. Das vorliegende Angebot sei unannehmbar, so Astrid Westhoff. „Es bietet noch nicht einmal einen Inflationsausgleich“, so die Verhandlungsführerin der Gewerkschaften. Somit wäre leider die Situation eingetreten, dass es vor den Ferien keine Lösung in dem seit anderthalb Jahren andauernden Tarifkonflikt gibt.

„Als Zeichen des guten Willens der Gewerkschaften und um den Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, noch vor den Ferien Ausweise zu erhalten, werden  wir den Streik in den Bürger- und Ordnungsämtern mit Dienstbeginn am Mittwoch, dem 16. Juli 2008 vorläufig aussetzen“, so Astrid Westhoff. (Quelle verdi Pressemitteilung)

Senator Körting geht in die Innenoffensive

 Die Berliner Zeitung berichtet heute, dass Senator Innensenator Ehrhart Körting (SPD) offenbar bereit ist , den rund 60 000 Landes-Angestellten und Arbeitern dieses Jahr 300 Euro mehr Gehalt zu geben – auch ohne Einigung mit den Gewerkschaften des öffentlichen

Dienstes.  (Quelle Berliner Zeitung)
Damit will der Innensenator eroffenbar die ohnehin schon genervten Mitarbeiter/In in den öffentlichen Berliner Verwaltungen einwenig ruhig stellen.

Ob dieses gelingen wird bleibt abzuwarten. Schließlich ist die Erwartungshaltung bei den Berliner Beschäftigen sehr groß. Die letzten Jahre mussten sie schon Lohnzuwächse verzichten.2003 erfolgte ein Tausch von Entgelt in Freizeit. Die Beschäftigten im höheren Dienst mussten  auf 12 Prozent ihres Bruttoeinkommens verzichten, der mittlere und gehobene Dienst auf 10 Prozent und in den unteren Vergütungsgruppen Betrug der Einschnitt 8 Prozent.  

 Zeit gegen Entgelt – Entgelt gegen Zeit eine realistische Lösung ?

Die Tarifgestaltung in Berlin erweist sich aufgrund der hohen Erwartungshaltung der Beschäftigten auf der einen Seite und die reale finanzielle Lage des Bundesland Berlin auf der anderen Seite als äußerst schwierig.

Vielleicht könnte eine Freiwilligkeitsvereinbarung eine Lösung bieten. Alle Beschäftigten bekommen einen Inflationsausgleich für die letzten 2 Jahre sowie für das kommende Jahr. Einen großen teil dieses Ausgleiches sollte fest in die Entgelttabellen eingerechnet werden. Ein kleinerer Teil könnte als Einmalzahlung ausgezahlt werden. Im Gegenzug sollte den Beschäftigten eine Wahlmöglichkeit eingeräumt werden, die Arbeitszeit gegen Entgelt weiter zu verkürzen oder gegen Entgelt wieder ein Stück nach oben anzuheben.Außerdem könnte der Senat die Beschäftigungsicherung weiter vertraglich ausbauen.

Der Senat sollte zudem die Beschäftigungssituation  transparenter machen, um nachzuvollziehen, ob es im ÖD-Berlin Personalüberhänge oder Unterbesetzungen  gibt.

Die Gewerkschaften sollten sich unter Wahrnehmung der Realitäten auf eine strategische Kompromisslinie und diese selbstbewusst in der Bevölkerung kommunizieren und um öffentliches Verständnis werben, dass gegebenenfalls auch Gebührenerhöhungen kein Tabuthema sein können.

Kein Öffentliches Interesse mehr ?

 Abschließend ist noch subjektiv wahrzunehmen, dass der Tarifkonflikt im ÖD nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesse steht. Als die BVG gestreikt hat wurde der Tarifkonflikt mehr wahrgenommen und auch in Online Medien vielfach kommentiert.Till Erdtracht vom Berliner Tagesspiegel behauptet  aber heute, dass die streiks ca. 3 Millionen Euro gekostet haben. (Quelle Berliner Tagesspiegel)

Kommentiert letzter Stand 14.07.2008 23:38 : Ein mal

 

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