Bad Bank – Das System!

von Steffen Bogs aus http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Die Toxic Waste-Papiere in die Bad Bank, so scheint die alte neu aufgewärmte Zauberformel zur Lösung der Finanzkrise zu lauten. Die WestLB gibt schon mal einen Vorgeschmack auf die Dimension bzw. den Offenbarungseid des wahren Desaster bei den faulen Kapitalanlagen, mit einem avisierten Beitrag von bis zu 100 Mrd. Euro in die Bad Bank, im Endeffekt müßig ob dies als ausgelagerte Bank oder als große Lösung durch den Staat geschieht. Der Steuerzahler wird bluten.
Die Bilanzsumme (Aktiva) der WestLB betrug zum 3. Quartal 2008, aufgeblasene 273,1 Mrd. Euro. 36,6% dieser Vermögenswerte möchte die WestLB nun in die Bad Bank schieben. Dies entspricht fast denen in der Bilanz angegebenen Risikoaktivas von 107,8 Mrd. Euro!

Ende März 2008 hatte die WestLB bereits 23 Mrd. Euro seiner Schrottpapiere, zum Anschaffungspreis aus der Bilanz in eine Zweckgesellschaft, mit Hilfe des Risikoschirms Phönix, getragen vom Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und dem nordrhein-westfälischen Sparkassenverbänd ausgelagert! Die Finanzjongleure des 21. Jahrhunderts generierten selbst aus dieser Situation einen positiven Beitrag zur Bilanz 2008. Die Effekte aus der Übertragung der Aktiva zum Anschaffungspreis der Giftmüllpapiere auf den Risikoschirm generierte einen positiven Beitrag von 962 Mio. Euro. Selbst aus Toxic-Waste, vielleicht maximal 20 -30 Cent je Euro wert, wird bei solchen Transaktionen durch das Ansetzen des Anschaffungspreises, noch Gewinn erzielt, während die Verluste dann zu 100% sozialisiert werden. Ein Vorgeschmack auf die Bad Bank?!

Die Zusammensetzung der bereits ausgelagerten Schrottpapiere unter dem Risikoschirm Phönix. „Alle Risiken sind transparent, und WestLB hat ausreichend Vorsorge getroffen“, wer mehr solche Phrasen lesen möchte, einfach mal in die Präsentation vom 12. September 2008 sehen, sie ist auch Quelle der Grafik: PDF Westlb. Wo kommen nun auf einmal die nächsten bis zu 100 Mrd. Euro Risikopapiere wie Kai aus der Kiste her?
Das Eigenkapital der WestLB beträgt lächerliche 4,98 Mrd. Euro! Das Leverage Ratio (Verhältnis Eigenkapital zu Aktiva) ist unglaublich hoch und liegt beim 54,8-fachen! Dies bedeutet auf 1 Euro Eigenkapitaleinsatz für den Kauf von Vermögenswerten wurden 54,8 Euro Fremdkapital eingesetzt! Ein unverantwortliches Risiko, nicht nur für eine Landesbank.

 Auch ein Blick auf das ausstehende Derivatevolumen zeigt den wahren Charakter der Landesbank:

Nominale 135,9 Mrd. Euro an Kreditderivaten und insgesamt 2,734 Billionen Euro an Gesamtderivatevolumen. Das Wettvolumen beträgt 110% des deutschen nominalen Bruttoinlandsprodukts von 2008 mit 2,489 Bio. Euro! Quelle Tabelle: PDF Seite 31 Westlb

Auch einen Blick wert, die Aufstellung der WestLB, für eine Landesbank bemerkenswert:

>Die einzelnen Geschäftsteile und Teilkonzerne der international aufgestellten Landesbank. Quelle Tabelle: PDF Seite 22 Westlb Die Summe aller Vermögenswerte (Aktiva) der Deutschen Bank (2,06 Bio. Euro) der Commerzbank (inkl. Dresdner mit 1,1 Bio. Euro) und der 5 größten Landesbanken (1,5 Bio. Euro) beträgt 4,6 Bio. Euro. Die Vermögenswerte aller deutschen Banken betragen ca. 8 Billionen Euro. Würde man mal 30% der Vermögenswerte als Risikopapiere für die Bad Bank ansetzen (die WestLB hat dies mit 36,6% seiner Assets geplant), würden also 2,4 Billionen Euro der Vermögenswerte der Banken Deutschlands in einer Bad Bank landen. Die entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Deutschlands! In den Medien geisterte bereits die Zahl von bis zu 1 Billion Euro an Risikopapieren nur in Deutschland rum, die Realität ist meist noch brutaler!

Übertrieben! Mitnichten, nur die Deutsche Bank hielt zum 3. Quartal 2008 Aktiva in Höhe von 2,061 Billionen Dollar, bei einem Eigenkapital von 36,06 Mrd. Euro. Das Leverage Ratio (Verhältnis von Eigenkapital zu Aktiva) betrug das 56,3-fache. Alleine 727 Mrd. Euro der Vermögenswerte der Deutschen Bank sind nur der Marktwert bzw. Wiederbeschaffungswert von Derivaten. Insgesamt hat die Deutsche Bank Vermögenswerte nach Fair Value in Höhe von 1,34 Billionen Dollar bewertet, dort kann man ganze Arsenale an Toxic Waste-Papieren verschwinden lassen und vor allem als werthaltig ausweisen. Immerhin 92 Mrd. Euro bewertete die Deutsche Bank selber als Level3 Assets, dies sind Vermögenswerte für die man weder ein Preis aufrufen kann bzw. die nicht gehandelt werden können, sie werden auf Grundlage geschätzter modellbasierter Berechnungsmodelle „Mark to Fantasy“ bewertet!
Es ist alles ein unfassbarer Wahnsinn, ein Multi-Billionen Monopolyspiel, mit unfähigen Vorständen, Aufsichtsräten, eine versagende Banken- und Finanzaufsicht und einem Finanzministerium welches sich die Gesetze von den Verursachern der Finanzkrise diktieren lässt – garniert. Moral Hazard bis zum Zusammenbruch des Finanzsystem, mit dem wohl einkalkulierten Ruin der Staatsfinanzen und der Zerstörung des Euros. Denn die unangenehme Wahrheit ist, das Bankensystem ist nicht zu retten, die Bilanzsumme der deutschen Banken ist einfach zu groß im Verhältnis zu BIP!

Die avisierte Staatsknete für Schäffler und Conti, welche eine unverantwortliche Übernahme und in deren Folge einen Schuldenberg von 22 Mrd. Euro versucht zu legitimieren, ist ein weiterer Beleg das die Finanzkrise und seine Akteure komplett aus dem Ruder laufen!
“Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null“.
Voltaire (1694-1778)

Reloaded: „Einfache Wahrheiten“, „Das deutsche Bankenmikado“, „500 Mrd. Euro fürs FMStG“, „Die Nebelkerzen der Deutschen Bank“, „WestLB – die Dritte“,
„LBBW – ein sicherer Kandidat“, „Rettungspaket für die BayernLB“, „Rettung fürs Bankensystem?“

Quellen:
PDF Presentation WestLB
, PDF Zwischenbericht 1. bis 3. Quartal 2008 WestLB, Geschaeftsbericht Deutsche Bank Q3, PDF Presentation Deutsche Bank, aktueller Marktwert und das Netting der Derivate in Q3 auf Seite 11

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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Erstveröffentlichung auf: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Artikel: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/01/bad-bank-bad-system.html

n der erstveröffentlichung hat Steffen Bog alle interessanten Grafiken im artikel intigriert.

Steffen Bogs hat uns seine Artikel zur Verfügung gestellt (eMail vom 25.01.2009)

3 Kommentare zu “Bad Bank – Das System!

  1. Was stört uns an der Idee der Bad Bank?

    Zunächst sicher nicht, dass die Banken damit wieder gut dastehen:
    denn das würde uns allen im Zusammenhang mit einfacherer Kreditvergabe und Vertrauen in die Märkte zugute kommen.

    Was uns stört ist die Tatsache, dass einige wenige, die vorzüglich am Aufblähen der Blase verdient haben und u.U. weiterhin gut daran verdienen (siehe Bonizahlungen für Investmentbanker), nun nicht zur Verantwortung gezogen werden und sich sicher sein können, dass sie in Zukunft auch weiter gut verdienen werden. Komme, was da wolle.
    Mit Good Banks und dem Staat als Bad Bank sind wir Steuerzahler die Verlierer, sofern nun die Gegenleistung für den Transfer verseuchter Papiere von Banken zum Staat falsch verhandelt wird.

    Im Turbokapitalismus ist aufgrund der maximalen Entscheidungsfreiheit für Manager das folgende Prinzip der Marktwirtschaft konterkariert worden: Jeder wird für seine eigene Wertschöpfung, sprich für seine eigene Leistungsfähigkeit, vergütet.
    Die Tatsache, dass Manager auf den Schultern ihrer Mitarbeiter stehen, wurde dafür ausgenutzt, die Mitarbeiter-Wertschöpfung übermäßig dem Management zu vergüten.
    Letztendlich befürchten wir also, dass die Auslagerung von Risikopapieren an eine staatliche Bad Bank genau das gleiche provoziert: Banker profitieren übermäßig am kleinen Steuerzahler.

    Wie kann dies nun gelöst werden:
    Während der Staat den weniger Leistungsfähigen zur Erhaltung des Existenzminimums hilft, ist bislang in der sozialen Marktwirtschaft keine obere Grenze für Einkünfte gesetzt worden. Genau das ist nun aber Ursprung des aktuellen Problems:
    die Möglichkeit der Bereicherung der einen führt nach einer gewissen Zuspitzung zum Absturz aller. Neu sollte sein, dass der Staat feste Obergrenzen für das Einkommen Einzelner festlegt, und alles darüber hinaus dem Staat zufließt.
    Damit ließen sich Rettungsaktionen wie Bad Banks refinanzieren und wir könnten uns sicher sein, dass keiner mit der damit verbundenen Sozialisierung der Verluste übermäßig profitiert.

    Welche Lenkungswirkung würde durch die Obergrenze der jährlichen Einkommen ausgehen?
    – hochqualifizierte Arbeit würde auf mehr Personen verteilt werden. Hintergrund: die letzten Jahre waren dadurch geprägt, dass von Spitzenarbeitskräften mit Spitzengehältern immer längere Arbeitszeiten abverlangt wurden. Würde hochqualifizierte Arbeit durch die Deckelung der Gehälter auf mehrere Schultern verteilt werden, so würden dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden und die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die privaten Einnahmen auch zu privatem Konsum führen.
    – Unternehmer, die vor Jahresende die Deckelung ihrer privaten Einnahmen voraus sehen würden, würden es vorziehen, die Gewinne besser für Investitionen ins Unternehmen zu nutzen, als sie dem Staat zukommen zu lassen. Und das hätte absolute Vorteile: denn ein Unternehmer weiß im Allgemeinen besser, wo sich eine Reinvestition gezielt lohnt, als dass der Staat Staatseinnahmen sinnvoll einsetzen kann.
    – Langfristig würde ein Aufklaffen der Schere zwischen arm und reich eingedämmt werden, trotzdem bliebe im Einkommensbereich zwischen Sozialhilfe und Maximaleinkommen ein genügend großes Band für die Verwirklichung persönlicher Träume bei entsprechender Leistungsbereitschaft zur Verfügung.

    Die Finanzkrise und insbesondere die Schaffung einer Bad Bank bietet die besondere Möglichkeit, ein derartiges Modell durchzusetzen: denjenigen Banken, die sich durch eine Bad Bank ihrer fragwürdigen Vergangenheit entledigen können, könnte im Gegenzug als erste das Modell der Maximalgehälter verordnet werden.

    Maximalgehälter könnten meines Erachtens den nächsten Evolutionsschritt in der Entwicklung der freien Marktwirtschaft darstellen.

    1. Danke für Ihren ausführlichen Beitrag. Maximalgehälter finde ich einen vernünftigen Ansatz. Sicherlich würde es viel Streit bei der Höhe geben. Ich bin da grundsätzlich sehr nahe bei Ihnen. Das wäre auch ein guter Baustein für eine vernünftige Geldumlaufgeschwindigkeit. Außerdem würde es dem Staat helfen den hohen Schuldenstand zu begegnen.

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