Zweifeln mit Hilfe eines echten Qualitätsjournalismus darf nicht verlernt werden

Zweifeln ist angebracht. Zweifeln ohne Qualitätsjournalismus wird aber in der letzten Konsequenz sehr schwierig. Zum Aufbau einer Gegenöffentlichkeit können wir Blogger/Innen aus dem Non-Profit- Bereich einen entscheidenden Beitrag leisten. Aber wir brauchen immer eine journalistische Qualitätsreferenz, auf die wir zurückgreifen können. von Marty Ludischbo

Ich habe mich oft erwischt, das Gelesene nicht richtig und/oder rechtzeitig zu hinterfragen. Die Versuchung, nicht zu zweifeln, lauert immer und überall. Oft genug bin auch ich der Versuchung nahe. Bücher wie Meinungsmache erinnern mich daran, zweifeln zu müssen.
Wir Bürger/Innen und Medienkonsument/Innen glauben an die Unabhängigkeit eines Artikels, eines Buches.. an einer guten Recherche. Wir glauben an Qualitätsjournalismus. Zweifeln wenig, weil wir glauben. Auch ich habe lange mehr geglaubt, statt zu zweifeln. Die organisierte PR-Arbeit (Öffentlichkeitsarbeit)  von Interessengruppen haben einen enormen (zu großen) Einfluss auf unsere Medienlandschaft.

Ein Beispiel und ein Erklärungsversuch
Zitat:

Bei sinkendem Einkommen seine Unabhängigkeit zu behalten, ist nicht leicht. Zumal in der PR-Wirtschaft wesentlich höhere Honorare gezahlt werden. Nicht wenige freie Journalisten stocken deswegen ihr Einkommen mit Aufträgen aus der PR auf.(…..)
30.000 bis 50.000 PR-Mitarbeitern stehen hierzulande rund 48.000 hauptberufliche Journalisten gegenüber. Während die Zahl derjenigen, die vom Journalismus überhaupt noch leben können, zurück geht, steigt die Zahl der PR-Beschäftigten…… Brigitte Baetz NachDenkSeiten

Folge: Unter dem Tarnmantel des Qualitätsjournalismus bleiben PR- Kampagnen fast unentdeckt. Die Leser/innen können zwischen Qualitätsjournalismus und PR-Kampagne nicht mehr unterscheiden.
Das ist eine ernstzunehmende

Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft,
denn nur unabhängiger Journalismus trägt dazu bei, dass wir uns eine freie Meinung bilden können. Eine freie Meinung stützt die Demokratie. Sie gestaltet letztendlich freie demokratische Gestaltungsprozesse in unserer Gesellschaft.  Eine Meinung, die aus versteckter, nicht sichtbarer interessengeleiteter Kampagnen-Maschinerie gebildet wird, zerstört unser gesellschaftliches Zusammenleben, die Demokratie und die Freiheit.

Gegenöffentlichkeit im Internet
Die Lage ist aber überhaupt nicht hoffnungslos. Es gibt das Internet. Dort  gibt es  alternative Gegendarstellungen. Dort gibt es Aufklärung. Dort gibt es Gegenkampagnen (mit dem Unterschied, dass diese transparent sind). Dort gibt es Gegenöffentlichkeit.

Qualitätsjournalismus ist nicht wegzudenken.
Nur müssen wir es auch wollen, diese Instrumente der Mediendemokratie zu nutzen und zu gestalten. Leider, und da fange ich wieder an zu zweifeln, geht das nicht ohne einen honorierten Qualitätsjournalismus. Einen Journalismus, der Kampagnen benennt und nicht versteckt. Hier Rahmenbedingungen zu schaffen ist sicher einer der größten Herausforderungen, der freischaffenden Medienprofis. Und auf die Proifis sind auch wir Blogger/Innen angewiesen. Wir brauchen eine Qualitätsreferenz um Meinung zu hinterfragen, um Zweifel und Kritik zu üben. 
Ja, zweifeln ist angebracht. Zweifeln darf nicht verlernt werden. Zweifeln ist Grundlage für die gelebte Schaffung einer Gegenöffentlichkeit, die ohne
echte professionelle Referenz nicht hergestellt werden kann.

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