Christian Wulff übersieht die wichtigste Lebenswirklichkeit

von Marty Ludischbo
„…Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland….“
Mit dieser gut gemeinten Aussage brachte der PROChrist Unterstützer (1), Bundespräsident Christian Wulff , in seiner Rede zur Deutschen Einheit, Mitglieder seiner Partei in Rage. Sie denken, dass nun das christliche Abendland durch das Staatsoberhaupt gefährdet wurde. Die Opposition hingegen lobte seine Rede. Regierungsparteien und Opposition tuen aber so, als ob nur die Religionsgemeinschaften die kulturellen Lebenswirklichkeiten in Deutschland abbilden. Alles redet nur vom Christen/Judentum und dem Islam. Nicht nur alle anderen Religionsgemeinschaften werden in solchen Diskussionen ausgeblendet. Insbesondere die größte gesellschaftliche Gruppe scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Die Konfessionslosen.

Deshalb lohnt es sich einmal, die Rede des Bundespräsidenten, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten:
Der Humanitäre Pressedienst fragt deshalb zu recht:

„(…)Wo also blieben die konfessionsfreien Menschen in der Rede des Bundespräsidenten? 28 Millionen Menschen, mehr als ein Drittel der Bevölkerung, sind doch keine Peanuts, die man so einfach übersehen könnte!(…)“

weiter stellt der Pressedienst fest:

„…….Deutschland ist ein säkularer Staat. Die Werte, die diesen Staat konstituieren, entstammen weder dem Judentum, noch dem Christentum, noch dem Islam, sondern der reichen Tradition von Humanismus und Aufklärung, die Christian Wulff in seiner Rede peinlicherweise übersehen hat. (…) Gleich welchen Aspekt des modernen Rechtsstaats wir auch fokussieren, ob die Freiheit der Meinungsäußerung, die Frage der sexuellen Selbstbestimmung oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau: Die Religionen waren summa summarum keine Motoren, sondern Bremsklötze des kulturellen Fortschritts – und sie sind es bis zum heutigen Tage geblieben!“

Der ganze Text des hpd: netzschau hier weiter

Es lohnt sich, ohne alle Punkte des hpd teilen zu müssen, mal einen Ausflug zu diesem anderen Blickwinkel zu machen. Denn letztendlich, sollte bei aller richtigen und notwendigen Toleranz gegenüber allen Glaubensgemeinschaften, am Ende die Vorantreibung der Trennung von Staat und Kirche stehen.

Denn wir sollten nicht vergessen, dass die christlichen Kirchen immer noch, höflich ausgedrückt, gewisse Privilegien besitzen:
Denken wir
an das Kirchenrecht, gerade im Arbeitsrecht. (Streikverbot etc).

Denken wir
an die Erhebung der Kirchensteuern durch den Staat, sowie die Ewigkeitszahlungen an die Kirchen wegen Enteignungen aus dem Mittelalter.
Und denken wir an die vielen Steuerzuschüssen, die die beiden christlichen Kirchen noch so nebenbei von den Steuerzahler/Innen bekommen!
netzguck das Video: ein Beitrag von Frontal 21 vom 03.08.2010:

Fazit: Unterm Strich gehört zur Lebenswirklichkeit, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung zu keiner Glaubensgemeinschaft gehören und die Mehrheit der Menschen sich zu einer offenen Gesellschaft bekennen, die sich wünscht, dass es keine religiösen Privilegien geben soll. Desweiteren nährt sich der Eindruck, dass von der politisch-christlichen Klasse gegenüber Konfessionslosen wenig bis gar keine Toleranz entgegengebracht wird. Diese wichtigen Lebenswirklichkeiten hat der deutsche Präsident völlig ausgelassen.

Quelle:
(1)
http://www.mission-gottesreich.de/index.php/2010/06/wulff-unterstutzt-evangelikale-organisation-prochrist/ http://www.wissenrockt.de/2010/06/09/entsetzen-uber-wulff-im-schafspelz/

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