Drehtür: Koch kocht nun bei Bilfinger Berger

Die Drehtür dreht  und dreht sich.  Roland Koch wird dem Vorstand von Bilfinger Berger ab dem 1. März 2011 angehören und ab dem 1. Juli 2011 dessen Vorsitz übernehmen. Das gab das zweitgrößte deutsche Bauunternehmen heute in einer Pressemitteilung bekannt. Er löst damit den derzeitigen Vorsitzenden, Herbert Bodner, ab. Wie der Focus bereits am 23. Oktober 2010, ohne Nennung von Quellen, berichtete werde Koch jährlich rund 1,5 Millionen Euro verdienen und solle den Übergang zu einem Dienstleistungsunternehmen forcieren. (1)

Z-KochWie die NRZ berichtete (2), sehen Linkspartei, die hessischen Grünen und die Organisation Transparency International das ganze kritisch. Begründung: Koch habe als hessischer Ministerpräsident in Wiesbaden den umstrittenen Bau der zweiten Landebahn am Frankfurter Flughafen maßgeblich durchgesetzt. Nutznießer des 80 Millionen schweren Auftrags: Bilfinger Berger. Weiter berichtete die NRZ, dass der Wirtschaftsprofessor Max Otte folgendes gesagt hat: Mit der Personalie habe sich der Baukonzern nicht Wirtschaftskompetenz, sondern „politische Kontakte und die Durchsetzungsfähigkeit“ eingekauft. (2)

Der Chef des Aufsichtsrates, Bernhardt Walter ist sich sicher: Koch werde das Unternehmen, das im Jahr 2009 10Milliarden Euro Umsatz machte und rund 67.000 Menschen beschäftigt, „in eine gute Zukunft führen“.
Da ist sich K.P Klingenschmitt von der Taz gar nicht so sicher:
„Das wird nicht einfach werden für Koch. Denn der Ruf der immer noch den Konzern dominierenden Tochtergesellschaft Bauen und Baubetreuung (Building and Facility Services) ist lädiert. Ingenieure von Bilfinger Berger sollen beim Bau der Untergrundbahn in Köln Messprotokolle gefälscht haben. Anfang 2009 stürzte dort das Stadtarchiv ein; zwei Menschen kamen dabei ums Leben. “ (3)

Herr Koch findet, dass wir in Deutschland eher eine bedauernswert geringe Tendenz zum Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik haben. Er glaub, dass darunter beide Seiten leiden. (3)

Fazit: Ich glaube eher, dass hier der Drehtüreneffekt voll zugeschlagen hat.  Es ist zwingend notwendig einen Zeitraum festzulegen, ab wann Spitzenpolitiker/Innen in die Wirtschaft wechseln dürfen.  Auf keinen Fall sollte Politiker/Innen noch während ihrer gewählten Amtszeit in die Wirtschaft wechseln dürfen.
Höflich ausgedrückt: Der schnelle Wechsel von der Politik in die Wirtschaft birgt das Risiko von Interessenkonflikten.
Anders ausgedrückt: Das riecht wirklich sehr unangenehm.


Quellen (1-3) in Reihenfolge

http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2010/10/lobbyaktivitaten-von-koch-bis-rosler/
NRZ Printausgabe vom 30.10.2010 Seite 4
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/koch-geht-auf-den-bau/

weitere Artikel aus den kommerziellen Medien:

http://www.derwesten.de/nachrichten/wirtschaft-und-finanzen/Roland-Koch-wechselt-auf-den-Bau-id3886884.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725551,00.html

———————————————————————
Blog2BlogBlog: Notizen aus der Unterwelt: Baupläne und -vorhaben des Landes Hessen. Roland Koch als Chef von Bilfinger Berger. Und noch einmal der Weinberg in Kassel.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>