Hat Heiner Flassbeck kapituliert? Oder eine letzte Warnung…?

ein Kommentar von Marty Ludischbo
Stets warnte Heiner Flassbeck, Ökonom undr Publizist (Chef-Volkswirt bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf.*) vor dem Auseinanderbrechen der Eurozone. Er thematisierte immer wieder die wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Euroraum und machte konkrete Lösungsvorschläge. Jetzt empfiehlt er in einem Beitrag für Wirtschaft und Markt, den die NachDenkSeiten cross veröffentlichten: „Trennt euch“.
Er meint damit, dass die Währungsunion wieder in mehrere Einzelwährungen aufgespalten werden sollte, weil er glaubt, dass die  jetzige Politik alte Ressentiments weckt und neue Feindschaften erzeugt.

Aber Politisch verbirgt sich dahinter die Frage:  Zurück zum Nationalstaat oder Europa neu begründen? Und wo verbergen sich die größten Gefahren, dass Rechtspopulistische Bewegungen weiter Zulauf bekommen.

Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte spielen für die gegenwärtige „sog. Eurokrise“ eine zentrale Rolle. Leider sehen das immer noch viele ,Ruhr rein – Rhein raus, nicht. Insbesondere  ein gemeinsamer Währungsraum mehrerer Volkswirtschaften kann nur funktionieren, wenn die „Handelsbilanzen“ der Volkswirtschaften ziemlich gleich gewichtig sind.

Die bittere Wahrheit ist doch:  Deutschland, eines der Überschussländer, muss ein Stück Wettbewerbsfähigkeit abgeben, denn es können nicht alle gleich „mehr wettbewerbsfähig“ werden. Die Defizitländer brauchen jetzt „mehr Wettbewerbsfähigkeit“, als Überschussländer wie Deutschland, um zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz zu kommen.
Dann und nur dann kann die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonlandprodukt auf ein vernünftiges Maß gebracht werden.
Die Wettbewerbsfähigkeit des einen geht immer auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit des anderen. (Bei einem Fußballspiel können auch nicht beide gewinnen.)
Mit einer eigenen Währung können Länder abwerten. Das kann ein Gleichgewicht bringen. In einer gemeinsamen Währung müssen u.a die Löhne in den Überschussländern mehr steigern, als in den Defizitländern, um auf Dauer Stabilität zu erlangen. Anders als es  im Fußball erlaubt ist, müssen sich im Prinzip Volkswirtschaften (und insbesondere die Regionen, die eine gemeinsame Währung haben) auf Unentschieden einigen.

Außerdem wirkt die gegenwärtige Austeritätspolitik pro zyklisch und verschärft die Krise.

Auf all diese unbequeme Wahrheiten machte Flassbeck immer wieder in seinen Schriften  aufmerksam.
Hier zwei Beispiele aus der Zeitschrift- Das Blättchen:

Heiner Flassbeck – Das deutsche Kapital und die Krise des Euro Teil 1Teil 2

Jetzt hat Heiner Flassbeck augenscheinlich den Kaffee endgültig auf.

Artikel  NachDenkSeiten:
Heiner Flassbeck hat die Hoffnung auf die wirtschaftspolitische Vernunft der deutschen Seite verloren und empfiehlt die Scheidung der Euro-Partner

Hat Flassbeck nun kapituliert? Eine letzte Warnung? Oder will er uns vorbereiten für ein Europa danach…. (mehr …)

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"Europäer gehen gemeinsam in die Deflation"

Während der Mainstream und Teile der Gold und Edelmetallfans die Inflation herbei reden, gibt es doch noch Ökonomen die eine primäre Gefahr vor Augen haben, die bald in Europa Einzug erhalten wird, wenn gerade Deutschland in der Außenhandels – und Wirtschaftspolitik keinen Kurswechsel vornimmt.
Die Deflation (fallende Preise, fallende Löhne, weniger Nachfrage, weniger Investitionen,mehr Arbeitslosigkeit,noch höhere Statasverschuldung)

Es ist zwar Richtig, dass eine Inflation Geld entwertet.
Bei einer Deflation aber zahlen:
– die Arbeitnehmer mit ihrem, Arbeitsplatz (verlust)
– die Empfänger/Innen von Sozialleistungen (ALG 2 etc) werden Leistungskürzungen diktiert (weil die Einnahmen immer weiter sinken werden)
– der kleine, die kleine Selbständige, wird sein Lädchen, ihr Projekt bzw. ihre Unternehmung en mangels Nachfrage dicht machen müssen.


Einmal in die Deflationsspirale gefangen, gibt es kaum noch ein zurück. Da ist ein Geldentwertung, die hauptsächlich die Geldbesitzer zahlen müssten, doch eher harmlos. Allerdings ist die ideologische Befangenheit unserer mittelmäßigen Führungselite in Politik und Wirtschaft zu groß, um das zu verstehen. Da verweisen sie (die Meinungsführer) auf Japan, die mit der Deflation sehr gut leben. „Das ist Bereinigung“ skandieren die Marktliberalen. Vergessen wird, dass Japan, als Folge der Deflation, eine Staatsverschuldung vorbringt, wo Griechenland-Schulden (
115,1 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. )da eher wie etwas höhere Verbindlichkeiten erscheinen. Die japanische Staatsverschuldung lag Ende 2009 bei 192% des Bruttoinlandsprodukts (Quelle 24)! Das ist nach Zimbabwe der zweithöchste Stand auf der Welt und fast dreimal so hoch wie in der EU und den USA. (1)

Ungleichgewichte werden  als Problem kaum beschrieben.
Natürlich. Es kann nicht sein, was nich sein darf. Und trotzdem skizziert
Heiner Flassbeck richtigerweise noch einmal die globalen Ungleichgewichte zwischen Leistungsbilanzüberschüsse und Defizite.

„Auf der einen Seite die Länder, die weit unter ihren Verhältnissen gelebt haben, das sind all diejenigen, bei denen das gesamte Land einen Überschuss gegenüber dem Rest der Welt aufweist, die Länder mit Leistungsbilanzüberschuss also. Auf der anderen stehen diejenigen, die Leistungsbilanzdefizite aufweisen, also über ihren Verhältnissen gelebt haben, weil sie als Land insgesamt mehr ausgeben als eingenommen haben. „

Heiner Flassbeck fordert einen enormen Binnenmarktschub für Deutschland

„(….)… lautet die Regel für vernünftiges Verhalten, dass diejenigen Staaten, die Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen und zudem eine relativ geringe Staatsverschuldung wesentlich mehr zur Anregung der Binnennachfrage tun sollten als diejenigen, die bei beidem hoch im Defizit sind. Nach diesem einfachen Muster gibt es genau zwei Länder auf dieser Welt, die prädestiniert wären für eine Anregung der Binnennachfrage und auch groß genug wären, um das zu leisten: China und Deutschland. Da China mit einem unglaublich massiven staatlichen Anregungsprogramm und boomender Binnennachfrage sowie explodierender Importe seinen Teil schon getan hat, gab es zuletzt nur noch einen Kandidaten auf der Liste…(….)“

Und so Sparen wir nun in Europa um die Wette (nach deutschen Vorbild)

Heiner Flassbeck weiter:
„…(……)..Die Europäer gehen gemeinsam in die Deflation, weil überall der Gürtel enger geschnallt und Löhne gesenkt werden. Die kurzfristigen Gewinne an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Rest der Welt durch die Lohnsenkung und den schwachen Euro werden sie eine Weile in dem Glauben bestärken, den richtigen Weg gefunden zu haben „…(……).

Die Export-Industrie wird es freuen. Je schwächer der Euro, desto billiger können sie im Ausland verkaufen. Je mehr im Sozialbereich gespart wird, desto (noch) mehr werden durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse und noch höherer Arbeitslosigkeit die Löhne gedrückt. Gewinner: Die Export Industrie. Sie werden wettbewerbsfähiger denn je. Was nützt es nur, wenn die Überproduktionen aus Defizitländern gekauft werden, die irgendwann ihre Schulden nicht mehr bedienen können?
Die europäische deutsche Antwort: Sparen, Sparen Sparen. Ende! Deflation!

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Quellen:
… den ganzen Artikel von Heiner Flassbeck  auf den NachDenkSeiten lesen
Das Falsche zur falschen Zeit am falschen Ort

(1)
http://www.staatsverschuldung.de/japan.htm

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:kampf-gegen-die-deflation-bank-of-japan-oeffnet-die-schleusen/50089591.html

weitere Links zum Thema:

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