Zukunft des Online-Journalismus- Mein Senf dazu…

Bevor ich zu meinen letzten Arbeitstag pilger (vor meinem verdienten Urlaub) habe ich bei Netzpolitik-Org noch einen Kommentar hinterlassen.

Auf dem Frankfurter Tag des Online-Journalismus hat Beckendahl über “Alles offen – Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kennen” gesprochen. Dabei ging es um Ansprüche an einen neuen Journalismus aus Nutzersicht….

Beckendahl hat dazu einige subjektive Punkte aus Nutzersicht aufgeschrieben..


Mein Senf dazu:

Im Grunde kann ich das unterm Strich alles unterschreiben.
Das kann zu einem neuen Qualitätsjournalismus führen.
Aber: Ich gebe Alex recht. Wenn wir Qualitätsjournalismus wollen, müssen wir auch breit sein, dafür etwas zu bezahlen.
Denn keiner stellt seine Arbeitskraft für “Umsonst” zur Verfügung.
Heute ist es doch leider so, und das berichten mir viele Journalisten, dass ein Job als Pressesprecher in einem Unternehmen mehr Kohle bringt, als bei einer Zeitung! (Chefredakteure und/oder Redaktionsleiter/in mal ausgeschlossen)

Gibt es eigentlich verlässliche Zahlen, in welchen Rahmen Verlage mit ihren Online Auftritten Geld verdienen? … Diskussion weiterverfolgen

Weiterlesen

Ach so! Wir Bloggerinnen und Blogger sind (für schlechten Journalismus) schuld?

Internet-Blogger und „Social Media“ suggerieren eine neue „Wahrhaftigkeit“. Sie haben einen Mythos freier, allgegenwärtiger Informationen geschaffen. Die Folge: klassische Medien und ihre Macher geraten auf die Verliererstraße. ….“
Auf dieses Zitat haben die NachDenkSeiten hingewiesen.

Das hat mir echt die Sprache verschlagen:

Die Projektgruppe zur Vorbereitung dieses 16. MainzerMedienDisputs, bestehend aus Claudia Deeg, Michael Grabenstroer, Professor Dr. Thomas Leif und Thomas Meyer, schreibt in einer Art thematischen Einführung folgendes:

„Der klassische Journalismus leidet. Verleger und Sender sparen. Weniger Geld, weniger Zeit, weniger Sorgfalt. Recherche wird klein geschrieben. All dies unterhöhlt das journalistische Fundament, die Qualität von Zeitungen, Magazinen, Funk und Fernsehen. Demgegenüber suggerieren Internet-Blogger und „Social Media“ eine neue „Wahrhaftigkeit“. Sie haben einen Mythos freier, allgegenwärtiger Informationen geschaffen. Die Folge: klassische Medien und ihre Macher geraten auf die Verliererstraße. Viele Journalistinnen und Journalisten finden sich plötzlich in der Orientierungslosigkeit wieder. Das geht einher mit Verlust ihrer Identität und der ehemals vorhandenen „Deutungshoheit“ im gesellschaftlichen Diskurs…
Quelle NachDenkSeiten- Titel:
Journalisten haben es schwer. Das ist aber kein Grund, die wahren Gründe des Versagens der Medien nicht beim Namen zu nennen

Schuld sind also immer die anderen. Statt mit den Blogcommunitys zu kommunizieren, werden Blogs und ihre Leserinnen verunglimpft.
Wir erinnern nur an den Medienskandal, den die taz letzte Woche aufgeklärt hatte.

Hier zeigte sich, wofür sich einige Journalisten hergeben: Wegen eines guten Essens wird oftmals auf gute Recherche verzichtet.

Meine Damen und Herren Journalist/Innen: Statt Schelte gegen andere ist doch wirklich Selbstkritik angesagt. Einige Taz Journalisten haben das hier getan. Und das ist auch zu begrüßen.
Ein guter Anfang. Nachahmung zwingend notwendig!

Weiterlesen

Aufklären statt austreten!

In einem Positionspapier fordert der Bundesvorstand von verdi, Internetnutzer per „Warnhinweis“ davon abzuhalten, Urheberrechte zu verletzen, und ein Ordnungsgeld zu verhängen, sollten sie es dennoch tun. (1)

Das ist natürlich ein wirklich lächerlicher Vorschlag. Im Prinzip müsste dazu die Internetnutzung aller Bürger/Innen überwacht werden. Da haben die Leute vom Bundesvorstand anscheinend nicht so wirklich nachgedacht. Ich glaube nicht, dass so eine Position in verdi mehrheitsfähig ist.  Das weiß wohl auch der Bundesvorstand, denn das Positionspapier wurde,  lt. Kommentar von  Andrea Kamphuis(2) im verdi Mitgliedernetz irgendwo  gut versteckt.

Markus Beckedahl von netzpolitik kommentierte das u.a so.

Noch Mitglied bei ver.di? Vor dem Austreten kann man sich auch nochmal beschweren!

Also das finde ich dann, von dem mir geschätzten netzpolitik-Macher, allerdings völlig übertrieben.
Ich habe das in seinem Blog so kommentiert: (kleine Textfehler hier berichtigt)

……Deswegen austreten oder gar dazu aufzurufen, bei allem Respekt, halte ich für etwas überzogen. Das ist ja ein Positionspapier des BV, wo noch gar nicht feststeht, ob soetwas überhaupt zum Gewerkschaftstag gelangt. Außerdem ist der Fachbereich Medien in Verdi Interessenvertretung und Tarifpartei. Deswegen hat der entsprechende Fachreich vielleicht auch eine andere Sichtweise. Es zeigt aber in der Tat, dass viele, auch dort, das Internet immer noch nicht verstanden haben . Das zeigt auch dieses Positionspapier. Es zeigt aber auch die Hilflosigkeit vieler Journalisten/Innen und andere Beschäftigungsgruppen in verdi , die wahrscheinlich aus Existenzangst das Internet irgendwie als Bedrohung sehen.
Hier sollten wir lieber aufklären, statt zum Austritt aufzurufen. ….


Natürlich ist die subjektive Angst vieler Journalist/Innen ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Schließlich konfrontieren die Zeitungsverleger die Beschäftigten damit:- quasi Lohnverzicht zu üben und – länger arbeiten.
netzschaut mal hier!

Allerdings, um noch mal darauf zurückzukommen,  ist mit so einem zweifelhaften Positionspapier und irgendwelchen Stoppschildern das Problem natürlich nicht zu lösen. Denn zusätzliche Verteilungsspielräume eröffnen sich dadurch bestimmt nicht.

Es sollte vielmehr darüber diskutiert werden, wie Qualitätsjournalismus grundsätzlich auch vernünftig bezahlt werden kann. Mit ausgedünnten Redaktionen lässt sich keine gute Zeitung machen. Das wissen wir ja nun leider alle. Wir beobachten doch jeden Tag die Boulevardisierung unserer Tageszeitungen. Und einen guten Qualitätsjournalismus brauchen auch wir Blogger/Innen und Blogger. Wir haben eine gewisse Kontrollfunktion und Korrekturfunktion. Aber kostspielige und zeitaufwendige  Recherchen können wir uns natürlich auch nicht leisteten. Deswewegen brauchen auch wir einen qualitativen Referenzjournalismus. Und der ist natürlich nicht für umsonst zu bekommen.
In meinem Artikel „Zweifeln mit Hilfe eines echten Qualitätsjournalismus“ habe ich u.a auf die Problematik der PR – Industrie aufmerksam gemacht. Dort lässt sich nämlich viel viel Geld verdienen. Mehr als Pauschallisten oder auch Redakteure bei einer Zeitung verdienen können. Für „Öffentlichkeitsarbeit“ geben die Unternehmen richtig viel Geld aus!

Quellen:

(1)
Netzpolitik

(2) Kommentar No 4 unter Artikel Quelle zu 1

Weiterlesen