Vorsicht Rutschgefahr-Die Neztschau 2012

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie haben eine gutes Jahresende erlebt. Bei uns im Ruhrgebiet war es nass, kalt und regnerisch glitschig, sodass einige tatsächlich einer erheblichen Rutschgefahr ausgesetzt waren. Und einige haben sich dann auch wirklich auf die Nase gelegt.

Mit Rutschgefahren haben wir in 2012 wahrscheinlich insgesamt zu rechnen.
Viele Baustellen und Herausforderungen warten auf uns.

Deshalb werden wir zu bestimmten Themen, nach Lust und Zeit, natürlich auch weiterhin mit Hinweisen und eigenen Einlassungen in der Netzschau begleiten.

1. Die sog. Eurokrise
Die sog. Eurokrise, die nicht durch eine Staatsschuldenkrise ausgelöst wurde, sondern durch Spekulationen, Krisenkosten von 2007 und die anhaltenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte (Zinsen, Inflation, Lohnentwicklung) und somit eigentlich eine Politik und Bankenkrise ist, wird uns wohl noch ganz schön ins Rutschen bringen. Auch weil die Kanzlerin und ihre Berater-/innen offenbar die eigentlichen Ursachen nicht erkannt haben. Mit einer „Sparunion“, ich sage „Kürzungsunion“ wird unsere gemeinsame Währung und das gemeinsame Europa kaum zu retten sein .

Rutschgefahrenstufe: sehr hoch

2. Tarifbewegungen
Direkt verbunden mit der sog. Eurokrise ist die Lohnentwicklung in Deutschland. Auch dieses Jahr stehen Tarifbewegungen an, in der Metall- und Elektroindustrie, in den Verkehrsbranchen und im Öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaften mobilisieren. Aber sie haben viel zu verlieren. Viele Arbeitnehmer/Innen mussten 2011 Reallohnverluste hinnehmen. Hier erwarten viele ein Nachschlag. Durch die Kürzungsunion von Merkozy droht allerdings in ganz Europa eine Rezession.

Rutschgefahrenstufe: hoch


3. Arbeitsmarkt
Die Tarifpolitik alleine kann einen Beitrag für die Bewältigung der wirtschaftlichen Ungleichgewichte leisten.
Wichtiger ist aber, dass der Arbeitsmarkt zurück reguliert wird.

Beim Thema Leiharbeit wurden zwar minimale kleine Schritte in 2011 gegangen, aber: Das reicht aber nicht. Gleiche Arbeit, gleiches Geld ist noch lange nicht durchgesetzt.
Viel Schlimmer: Der Virus Werkvertrag breitet sich immer weiter aus.

Überhaupt ist das Thema „Fremdvergabe“ ein Riesenthema. Schon in den neunziger Jahren haben Firmen angefangen, bestimmte Leistungen an Dienstleistungsunternehmen zu vergeben. Denken wir an die Reinigungskräfte, Sicherheitsdienste und Pförtnereien oder an Linienfremdvergaben im Öffentlichen Nahverkehr, die heute fast allesamt im Niedriglohnsektor arbeiten müssen.
Heute ist das schon betriebliche Praxis und immer mehr Unternehmensberater empfehlen Personalchefs mehr auf Werkverträge, auch in der Produktion, zu setzen. Die Betriebsräte sind oft außen vor, weil solche Verträge als Sachkosten in den Bilanzen auftaucht.
Die IG Metall verspricht, sich dem Thema Werkvertrag anzunehmen. „Arbeiten am Rand“ heißt das Titelthema in der metall-zeitung (Jan-2012)

Diese Beispiele zeigen:
Nur wenn die Politik hier wieder zurück reguliert, wird es möglich sein, den Arbeitsmarkt neu zu ordnen.
Und natürlich gehören dazu auch die Zumutbarkeitsreglungen für Arbeitssuchende. Die Verpflichtung, dass quasi unter bestimmten Voraussetzungen jeder jeden Job annehmen muss, forcierte die Lohnspirale nach unten.
Als Alternative zur Grundsicherung haben die Piraten ein sog. bedingungsloses Grundeinkommen beschlossen.
Auch wenn ich beim Thema bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) sehr skeptisch bin: Ein Wegfall der Bedarfsprüfung finde ich schon nachdenkenswert.
Das spart Bürokratiekosten und nimmt den Druck, zu niedrigsten Löhnen arbeiten zu müssen.

Rutschgefahrenstufe: mittel Warum? irgendwie scheinen viele mit ihrem Zustand zufrieden zu sein. Erstaunlich!


4. Post-Privacy
Eine neue Bewegung im Internet, die den klassischen Datenschutz und die Privatsphäre in Frage stellen. Das ist für viele Kram aus dem vor-digitalen Zeitalter. Die Flucht in die Öffentlichkeit und gegenseitige Transparenz scheint für dieses Menschen wünschenswert zu sein.
Ja, Transparenz müssen der Staat und unsere gewählten Amtsträger sein. Aber müssen es auch die Bürgerinnen sein? Und dazu noch freiwillig?
Ich denke gerade an James Dean. Ein Film aus dem vor digitalen Zeitalter: „Denn sie wissen nicht was sie tun“

Rutschgefahrenstufe: mittel-hoch

5. weitere Themen
Und natürlich werden wir immer wieder über Lobbyismus-mehr Demokratie, Datensammelwut und politische Transparenz berichten.
Und natürlich werden wir weiterhin das bedrohliche Treiben am rechten Rand beobachten. Dazu gehört aber auch die zwielichtige Rolle der Verfassungsschutzbehörden.

Rutschgefahrenstufe: mittel-sehr hoch

6. Netzwerk
Wir die Netzschau, hatten uns vor knapp 2 Jahren dem Blogger Netzwerk „Blognetz-online“ angeschlossen. Hier werden wir zusammen mit mehreren Bloggerinnen und Bloggern andere Wege gehen müssen. Das heutige Netzwerk steht wegen persönlicher Differenzen vor dem Zerfall. Ich werde dazu nicht viel sagen: Denn ich finde: Private Äußerungen und Diskussionen aus netzwerkinternen Mailinglisten gehören nicht morgen in einem Blog veröffentlicht. Daran werden wir uns halten. Außerdem kann es manchmal gesund sein, getrennt zu gehen, um dann wieder inhaltlich gemeinsam zuschlagen zu können.
Und mit dem Willen für Meinungsvielfalt, Datenschutz und soziale Fortschritte einzutreten werden wir versuchen, Blogger-/innen und Blogleser-/innen eine neue Netzwerkarbeit anzubieten. Hier bitten wir aber um etwas Geduld.

Rutschgefahrenstufe: niedrig


7. Serie Meinungsvielfalt in Blogs.
Eine Artikelserie, die ich mit meinen Mitblogger Bertam zu Ende schreiben möchte. Und dieses Jahr soll sie fertig werden.
Bertraaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaam. Wo bist du?

Rutschgefahrenstufe: ganz niedrig


Wir haben uns insgesamt viel vorgenommen.
Aber wir bloggen immer nur dann, wenn wir auch Zeit haben. Seien Sie uns nicht böse, wenn wir mal schweigen. Schweigen kann Zustimmung oder Missbilligung bedeuten. Schweigen hier ist leider der begrenzten Zeit geschuldet. Gerne würden wir zu vielen noch mehr unseren Senf abgeben, aber Familie, Beruf und unsere politische Arbeit vor Ort haben ein gewisse höhere Priorität. Ich bitte da um Nachsicht.

Bis dahin verbleiben wir mit der Hoffnung auf spannende Diskussionen in unseren Blogs. Und passen Sie auf. Es wird wohl rutschig bleiben. Bleiben sie Optimistisch. Sonst rutschen sie bestimmt mehrmals aus!

Ein frohes neue Jahr, trotzdem

Beste Grüße
Marty Ludischbo

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