DB Tarifkonflikt -Modifizierter Beitrag nach EVG Abschluss und weitere Lesempfehlungen

Hallo zusammen,

gestern haben Sören und ich einen Beitrag um Bahntarifkonflikt im Politik-Blog online gestellt. Unmittelbar danach lief auf dem Ticker, dass die EVG sich mit der Bahn geeinigt hatte. Damit haben wir irgendwie nicht gerechnet.

http://tarifpolitik-oed.blog.de/2015/05/27/db-evg-schliesst-sozialer-komponente-ab-20477129/

Deshalb habe ich den Beitrag mit dem provokanten Titel : „Kommt jetzt der Kompromiss, damit dieser Weselsky die Streik entwöhnten Deutschen nicht weiter nervt“ an mehreren Stellen modifiziert.

Ich bleibe aber bei meiner These, dass die Bahn bis gestern sich geweigert hatte auf die Kernforderungen beider Gewerkschaften einzugehen. Jetzt ist das Staatsunternehmen der DGB Gewerkschaft zwar mit einer sozialen Komponente (Mindestbetrag) entgegen gekommen, aber es bleibt abzuwarten, ob sie den GDL Wunsch nach Verbesserung der Arbeitsbedingungen entgegenkommt, oder ob sie doch ihren vom Gesetzgeber zugespielten Joker Tarifeinheitsgesetz weiter auspielt.

Im übrigen bleiben Sören und ich bei unserer Einschätzung, dass die Medien Weselskey als neuen „Feind“ ausgesucht haben.

Hier ist der Artikel von Stefan Niggemeier lesenswert:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21153/waterboarding-fuer-den-gemeingefaehrlichen-irren-deutsche-journalisten-ueber-claus-weselsky/

Und der neue Kommentar aus der Süddeutsche von Michael Bauchmüller fügt sich da nahtlos ein:
„renitente Lokführer“ – „Oberlokführer“ heißt es da.

Allerdings teile ich ich Bauchmüllers inhaltliche Einschätzung, dass die EVG von den Streiks der GDL profitiert hatte. Denn das durchaus passable Tarifergebnis der EVG hätte sie alleine wohl auch nur mit einem Arbeitskampf erreicht. So bleiben die Streikkassen der EVG weiter gefüllt.

http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsche-bahn-eine-einigung-als-hypothek-1.2495751

Aber wie lange sollen die Eitelkeiten zwischen EVG und GDL noch weitergehen? Kooperiert endlich zusammen! Wahrscheinlich hättet Ihr zusammen noch mehr raus geholt. Manchmal ist es besser getrennt zu marschieren, aber man sollte gemeinsam zuschlagen. Ein Tarifeinheitsgesetz brauchen wir dazu nicht.

Beste Grüße

Euer
Marty

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Lohn u- Gehaltsentwicklung in der BRD und EU

Links zur Lohnentwicklung

+ 02.03.2015/Mindeslohnbereicht des WSI: Mindeslöhne in Europa wieder stärker gestiegen (hwn)

Eurostat: Reales verfügbares Einkommen der Haushalte (Verbrauchskonzept) pro Kopf *1 (hwn)
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eigene Berichte

+ Lohnentwicklung BRD/2014
(01.03. 2015) Die Löhne in der Bundesrepublik haben sich seit 2000 erstmals brutto um 1,4% gesteigert. Die Verluste aus dem verlorenen letzten Jahrzehnt endlich nach 14 Jahren ausgeglichen.
Im Wirtschafts-Blog sind die aktuellen Zahlen veröffentlicht und verlinkt. Dazu einige Gegenüberstellungen und Anmerkungen.

Der WSI und das Statistische Bundesamt haben unterschiedliche Zahlen veröffentlicht. Auf Nachfrage beim WSI konnten wir die Diskrepanz der Zahlen nachvollziehen. Erklärung im Beitrag…  hier weiterlesen


+ Lohnentwicklung BRD/2013  (hwn)

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*1 Zahlen von 2012/zum Teil 2013 – andere Zahlen beim Netzschauen nicht gefunden………….

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Lohn / Gehalts-Entwicklung 2014

Reallöhne in der Bundesrepublik steigen weiter.
Aber zu 2000 erst jetzt Reallohnsteigerungen (brutto)

Jetzt, nach 14 Jahren,  ist im Vergleich zu 2000 ein Brutto- Reallohngewinn für die Arbeitnehmer/Innen  erzielt worden. Netto dürften viele immer noch im minus sein.

Das WSI und das Statistische Bundesamt haben dazu unterschiedliche Zahlen veröffentlicht.
Hier der Zahlenvergleich: (mehr …)

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Nachtrag – Lohnentwicklung

Die Löhne haben sich seit 2000 erstmals brutto um 1,4% gesteigert.

Ich habe hier die aktuellen Zahlen veröffentlicht und verlinkt. Dazu einige Gegenüberstellungen und Anmerkungen.

http://dnzs-wirtschaft.blog.de/2015/03/02/lohn-gehalts-entwicklung-20154081/

Im Februar feierte die Wirtschaftspresse diese Entwicklung als Erfolgsmeldung!

Wirklich? Nach 14 Jahren die Reallohnverluste der Arbeitnehmer/Innen aus dem letzten Jahrzehnt als Erfolg zu verkaufen ist schon wirklich tragische Polemik.

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Tarifabschluss nun auch für den Nahverkehr NRW

von Betram Rabe

Der Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst ist nun auch in dem Spartentarifvertrag TV-N NW eingearbeitet worden.

Unstrittig war hier die Entgelterhöhungen. Da greift eine im Tarifvertrag für den Nahverkehr NRW vereinbarte (TV-N NW) Regel, dass vereinbarte Entgelterhöhungen aus dem Öffentlichen Dienst  in die Entgelttabellen des TV-N NW aufgerechnet werden müssen.

Streitig war die Vereinbarung 3.a). Urlaubsdauer:
Hier gab es unterschiedliche Auffassungen der Tarifparteien, wie diese Vereinbarung im TV-N NW umgesetzt werden soll.

Dieser Streit ist nun beigelegt.
Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber verständigten sich darauf, die komplette Einigung (Entgelt und Urlaubsdauer) in einem 10. Änderungstarifvertrag zum TV-N NW abzubilden.

Hier die Vereinbarungen im Wortlaut:

+ Die Wechselschicht- und Schichtzulagen nach § 11 Abs. 5 und 6 TV-N NW und die Besitzstandszulage gem. § 24 Abs. 1 Nr. 5 TV-N NW werden ab 1. März 2014 um 3,3% und ab 01.März 2015 um weitere 2,4% erhöht.

+ Der Erholungsurlaub beträgt nach § 15 Abs. 3 TVN-NW 30 Arbeitstage. Für Beschäftigte, mit einer Beschäftigungszeit von weniger als fünf Jahren beträgt der Urlaubsanspruch abweichend davon für das Jahr 2014 28 Tage!

+ Für Auszubildende richtet sich der Urlaubsanspruch nach § 9 Abs. 1 TVAöD-BT-BBiG (28 Tage)

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Tarifabschluss ÖD 2014: zwischen 4,24 % und 7,11 % mehr – auf 24 Monate berechnet –

von Bertram Rabe
Wie viel brutto mehr haben die Beschäftigten im ÖD (Bund & Kommunen) wirklich aus dieser Tarifrunde 2014?
Auf 24 Monate berechnet sind es bei über 3000 € Bruttogehalt 4,24% und in der untersten Entgeltgruppe 7,11 %.
Tabellenwirksam ab März 2015 sind es dann zwischen 5,47 % und 8,28 %. Eine Analyse und der Brutto-Entgeltrechner zum Download
.

Analyse
Die Einigung ist da und wie immer fühlen sich beide Parteien-Gewerkschaften und Arbeitgeber- als Gewinner, die ein paar Kröten schlucken mussten.
Ich verzichte deshalb auf eine Zusammenfassung von Pressemitteilungen aller Tarifparteien.

Wie immer wird es innerhalb der Gewerkschaften an der Basis Diskussionen geben. Im Verdi Mitgliedernetz geht es schon heiß her. Gerade die Mitglieder aus den Fachbereichen Verkehr und Soziales sind zum teil enttäuscht , dass auf ihre besonderen Forderungen unterm Tisch gefallen sind. Und natürlich wird die Laufzeit von 24 Monaten kritisiert.

24 Monate Laufzeit fast schon geübter Standard
Diese Kritik ist fast schon Standard nach den vielen letzten Tarifrunden. Immer wieder wird 12 Monate gefordert und 24 kommt heraus. In einem Tarifgebiet mit sovielen Beschäftigten (über 2 Millionen)lässt sich organisatorisch Jahr für Jahr kaum Tarifauseinandersetzungen alle 12 Monate organisieren. Zumal die Aufstellung von Tarifforderungen in verdi nicht nur unter den vielen Fachbereichen besprochen wird, sondern auch mit den anderen Gewerkschaften abgestimmt werden muss. (GEW,GdP und dbb Tarifunion).

„Andere Gewerkschaften schließen 12 Monate ab, nur Verdi im Öffentlichen Dienst mal wieder nicht“ wird an der Basis gerufen. Das ist aber nicht richtig. Schaut man sich beim WSI z.B die Tarifrunde 2013 etwas genauer an, wird man feststellen, dass in den meisten Branchen Abschlüsse über 20 Monate Laufzeit abgeschlossen hatten.

Das soll aber nicht heißen, dass die Kritik nicht berechtigt ist. Die Gewerkschaften sollte sich lieber überlegen wie sie strategisch das sich Thema Laufzeit besser und realistischer in Tarifforderungen widerspiegelt.

Sollen die Gewerkschaften mit den  Pleite Kommunen- ohne Bund- alleine verhandeln?
Die Kommunen, gerade im Ruhrgebiet stehen natürlich nach diesem Abschluss vor schwierigen Herausforderungen. Der Bund hat keine Probleme das Ergebnis zu finanzieren. Sie bekommen den größten Steuerkuchen ab. Für den Bund war es politisch wichtig eine schnellst mögliche Einigung anzustreben. Das ist gelungen.
Prinzipiell profitieren die Gewerkschaften von der Rolle des Bundes. Er hat auch auf die Kommunen einen disziplinierenden Charakter. Innerhalb der Gewerkschaften gibt es immer wieder Stimmen auf Länderebene mit den Kommunen eigenständig zu verhandeln. Auch auf Arbeitgeberseite gibt es die eine oder andere Stimme. Das sollten die Gewerkschaften sich aber genau überlegen. Wollen sie wirklich mit den Pleitekommunen eigenständig verhandeln? Womöglich auch noch auf Länderebene? Ein Schuss der gewaltig nach hinten los gehen könnte.

Fassen wir mal kurz die Fakten zusammen:


Forderung
:
-100 Euro danach 3,5% danach 12 Monate Hätte z.B bedeutet: Untere ETG 2/3 8,74% – Mittlere ETG E10-3 6,65% Obere ETG 15-6 5,47%
-zusätzliche besondere Forderungen Nachverkehr/Krankenhäuser

Ergebnis:
– TVÖD/TV-N – Mindestens 90 Euro, sonst 3% danach 2,4% ab März 2014 – 24 Monate
– TV-V (Versorgungsbetriebe z.B Stadtwerke) 3,3% danach 2,4% ab März 2014 – 24 Monate

– Azubis Bund/Kommunen/Pflege 2014 40 € – ab März 2015 20€

Nahverkehr und Krankenhäuser keine besondere Reglungen

Jeder realitätsorienterter Arbeitnehmer weiß, dass eine Forderung Verhandlungsmasse ist und nie gänzlich durchgesetzt werden kann.Es wäre materiell natürlich besser gewesen, wenn der volle entgeltliche Umfang bereits 2014 gegolten hätte. Die Gewerkschaften hätten dann zwar von einem Nullrundenjahr gesprochen-aber:
Wenn die Tariferhöhungen schrittweise erfolgen, hat das zur Folge, dass die monatlichen Durchschnittserhöhungen auf die Laufzeit berechnet niedrige sind, als die tabellenwirksame Tariferhöhung nach Laufzeitende. Je nach Entgeltgruppe kostet das in der hinter uns liegende Tarifrunde die Arbeitnehmer, auf die Laufzeit berechnet, bis zu ca. 800 Euro. (siehe Erklärung zum Entgeltrechner – Downloadbereich weiter unten)

Soziale Komponente im TVÖD erreicht!
Die soziale Komponente wurde über ein Mindestbetrag erreicht. Für den TV-V (z.B Stadtwerke) war keine soziale Komponente vereinbart worden. Das hat zur Folge, dass die unteren Einkommensgruppen im Vergleich zum TVÖD schlechter gestellt werden. Allerdings würde das die wenigsten Beschäftigten betreffen, da der TV-V ohnehin materiell besser ist, als der TVÖD.

Im nachfolgenden Vergleich (siehe Bild-Dopppelt klicken) lässt sich nachvollziehen, dass die unteren Einkommensgruppen im TVÖD prozentual tatsächlich davon profitieren.

Vergleich Ab 2014 ETG - 2

Reallohnzuwächse?
Ob dieser Abschluss auch kräftige Reallohnzuwächse nach sich ziehen wird, lässt sich momentan ganz schleht abschätzen. Momentan ist die Inflation gering. Im März lag sie bei lediglich 1%. Ob die Inflation sich 2015 Richtung Zielinflation der EZB (2%) hinbewegen wird, weiß niemand. Eurokrise lässt grüßen! Es riecht ja eher nach Deflation. Allerdings sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass gerade in Ballangräume die Mieten rasant steigen, sodass für diese Menschen die durchschnittlich  niedrigen Inflation kaum merken. Der Ruf nach Wiedereinführung von Ortszuschlägen im TVÖD (wie früher im BMTG/BAT) kann bald immer lauter werden.

Brutto wird es mal vorsichtig geschätzt, je nach Entgeltgruppe, zwischen mehr als 2,5% und 3 % Reallohnzuwachs hinauslaufen. Netto-Aggregiert -ua.a also das was die Beschäftigten nach Abzug von Steuern und SV Beiträgen unterm Strich verdient- vielleicht ein leichtes Plus ergeben.

Mit dem  Brutto-Entgeltrechner lässt sich nachrechnen, was diese Abschluss für „mich“ bedeutet. Die Felder lassen sich bearbeiten. Viel Spaß damit    

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Tarifeinigung 2014 im Wortlaut

Gestern um ca. 19 Uhr verkündeten die Tarifparteien im Öffentlichen Dienst einen Abschluss-Laufzeit 24 Monate.

++ rückwirkend ab März 2014: 3% mindestens 90 Euro als soziale Komponente für die unteren Einkommensgruppen (nicht für den TV-V-dort 3,3% für alle)

++ 2,4% ab März 2015

++ 40 und 20 Euro für die Azubis

++ 30 Tage Urlaub für alle

++ sonstiges

Hier die Tarifeinigung im Wortlaut
Tarifeinigung ÖD 2014

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Ja! Die Kassen sind leer. Aber wessen schuld ist das?

Die Gewerkschaften melden einen berechtigten Nachholbedarf an. Auch wenn ich mich wiederhole: Außerdem muss Deutschland seine Löhne, wegen der noch lange nicht überwundenen Eurokrise, sukzessiv überdurchschnittlich erhöhen. Die Kassen vieler Kommunen sind leer. Ja. Aber wann ändert sich das endlich?

Pascal Beucker hat am 31.03.2014 in einem Kommentar in der TAZ richtig festgestellt


„Hauptgrund der Krise der kommunalen Kassen sind die drastischen Einnahmerückgänge, verursacht durch die Steuersenkungsideologie, die das Regierungshandeln der letzten 15 Jahre bestimmt hat. Ob unter Rot-Grün, Schwarz-Rot oder Schwarz-Gelb: Systematisch wurden die Städte und Gemeinden ausgeblutet. Deswegen sollten die Kämmerer ihre Klagen an denjenigen richten, der mit ihnen bei den Tarifverhandlungen auf derselben Seite des Verhandlungstischs sitzt: an den Vertreter der Bundesregierung.“

*1

Richtig! Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sind in der Tat der falsche Adressat. Sie haben es nicht zu verantworten, dass die Kassen leer sind.
Beucker weiter:


„Wer aber über Steuererhöhungen nicht reden will, soll nicht die Gewerkschaften zur Mäßigung aufrufen.“ *1

Absolut. Steuererhöhungen alleine reichen aber nicht. Es muss mehr Geld bei den Kommunen ankommen. Wir erleben ja heute schon den Trend, dass reale Mehrsteuereinnahmen nur minimal bei den Gemeinden  ankommen. Das liegt am Verteilungsschlüssel der gesamten Steuereinnahmen. Die Kommunen bekamen 2007 nur 13,5% des gesamten Steueraufkommen *2

Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Deshalb steigen Gebühren, werden kommunale Einrichtungen geschlossen und Löhne der Kommunalbeschäftigen gedrückt.
Je höher der Tarifkompromiss ausfällt, desto mehr ist die Bundesregierung gezwungen über grundsätzliche Fragen der Gemeindefinanzierung politisch nachzudenken.

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Quelle:

*1: TAZ.de/Archiv 31.03.2014 (link)

*2 BpB (link)

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