Leaker zerstören im Streit ihren selbstbeackerten Nährboden

Whistle­blower-Plattformen sollten die Netzdemokratie fördern und vielleicht gar die Demokratie retten, indem sie durch das Internet die Mächtigen transparent machen und den Bürger/Innen somit, ein bei vielen noch ungeahntes, Kontrollinstrument bereitstellen. Jetzt droht eine große Chance im Chaos zu versinken. Grund ist ein Datenleck sowie der Schutz der Whistle­blower.

Wikileaks gegen Openleaks. Assange gegen Domscheit-Berg. Andy Müller-Maguhn, Vorstand des Hacker-Vereins Chaos Computer Club (CCC), wollte laut eigener Aussage zwischen den Kontrahenten „vermitteln“. Ohne Erfolg. Auch der Vorstand des CCC distanzierte sich neulich von Domscheit-Berg. Und die Unterstützermedien von Openleaks sind um Schadensbegrenzung bemüht.

Um was geht es da genau?

Die Netzschau hat hier mal ein paar Links zusammengestellt:

Leck bei Wikileaks – Der Freitag.de

Leck bei Wiki-Leaks bestätigt-netzpolitik.org

Streit um Wikileaks und Openleaks eskaliert – netzpolitik.org

Der Krieg der guten Absichten-taz.de

Fazit: Persönliche Eitelkeiten sollten in Sinne guter Ziele zurückstehen. Es wäre ein Schande, wenn die Beteiligten den eigen Nährboden zerstören, den sie selber mühsam beackert haben.

 

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Themennetzschau:
weitere Artikel zum Thema Whistleblower
: Ab ins Netz und ohne offenem Visier

Whistleblower-Info

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Openleaks – Ab ins Netz und ohne "offenem Visier"

Openleaks startete die Testphase. Anders als bei wikileaks werden keine Dokumente direkt veröffentlicht, sondern für Whistle­blower sichere Leitungen zu Verfügung stellen, damit Informationen anonym weitergeben können.Das Leak -Projekt, das unter anderem mit der TAZ und dem Freitag kooperiert,startet zu einem Zeitpunkt wo der Innenmiweiterlesennister die widerlichen Rechtsanschläge in Norwegen missbraucht und dem „bösen Internet“ das anonyme austreiben will.

 

 

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Openleaks – Ab ins Netz und ohne "offenem Visier"

Openleaks startete die Testphase. Anders als bei wikileaks werden keine Dokumente direkt veröffentlicht, sondern für Whistle­blower sichere Leitungen zu Verfügung stellen, damit Informationen anonym weitergeben können. Das Leak -Projekt, das unter anderem mit der TAZ und dem Freitag kooperiert,startet zu einem Zeitpunkt wo der Innenminister die widerlichen Rechtsanschläge in Norwegen missbraucht und dem „bösen Internet“ das anonyme austreiben will.

Jakob Augstein: Herausgeber- Der Freitag;

„Das System kann Knotenpunkte der Freiheit schaffen, an denen sich eine neue Gegenöffentlichkeit festmachen kann. Openleaks ist die Hoffnung darauf, dass im Netz Räume bestehen bleiben, in denen es nicht um Macht, Sicherheit und Gewinn geht sondern um Demokratie.“

Quelle: Freitag.de

 

Reiner Metzger, stellvertretender Chefredakteur der taz:

„Der Journalismus ist angewiesen auf mehr oder weniger anonyme Tippgeber. Das Abzweigen von Dokumenten wird aber durch immer neue Überwachungstechniken in Unternehmen oder Behörden zunehmend erschwert. Mit Openleaks haben wir nun eine Möglichkeit, dem etwas entgegen zu setzen.“

Den Zugang zu Openleaks auf taz.de wird freigeschaltet unter
https://leaks.taz.de

Quelle taz.de

Dem Innenminister Friedrichs wird das gar nicht gefallen. Der rechts-konservative Hardliner versuchte letzte Woche, zwei Wochen nach den widerlichen Anschlägen in Norwegen, in einem Interview mit dem SPIEGEL Kapital aus dem Fall Breivik zu schlagen. Nicht die rechtspopulistische Hetze als solche, sondern das Internet trage die Verantwortung für die „Radikalisierung des Einzeltäters“, so die Quintessenz des Interviews.

Netzschauen Sie hier auch den Beitrag von jens Berger auf den NachDenkSeiten
:
Jens Berger: „Es lebe die Anonymität“


Fazit zum Start von Openleaks:
Ich habe als Herausgeber der Netzschau letztes Jahr den Appell gegen die Kriminalisierung von Wikilaeks mit unterstützt.
Natürlich gab und gibt es Kritik an dem Projekt wikileaks.Harald Schumann vom Berliner Tagesspiegel machte deshalb zu Recht deutlich: „Assange verweigert die Transparenz, die er fordert“

Openleaks soll transparenter werden. Das verspricht der Gründer Daniel Domscheit-Berg in einem TAZ-Interview. Ob das Projekt hält, was es verspricht werden wir beobachten. Jetzt erst mal ab ins Netz.

Fazit zum Innenminister und seinen „Offenem Visier“
Anonymität ist ein demokratische Garant für abhängig lebenden Menschen. Offenheit muss ein Mensch sich leisten können. Arbeitnehmer/Innen, die  nur den einen Job haben, können es objektiv es sich eben nicht leisten mit „offenem Visier“ ihre Meinung kund zu tun. Und was ist mit Arbeitnehmern, die mit Zivilcourage Missbrauch in ihren Firmen aufdecken wollen?
Natürlich kann unter dem Schutz der Anonymität missbrauch betrieben werden. Ohne Zweifel. Das gilt aber eben nicht nur für das Internet. Ein Randalierer im Fußballstadion z.B handelt auch, anonym, aus dem Schutz der Menge heraus. Aber müssen deshalb nun alle Fußballfans Namensschilder tragen oder sich vorher vom Polizeipräsidenten chipen lassen ?

Fakt ist. Wer die Anonymität verbieten will (Was auch im Netz gar nicht geht ohne aufwendige Netzsperren) will prinzipiell die demokratische Mitgestaltungskultur der kleinen Frauen und Männer. beseitigen und in Wahrheit filtern, zensieren und überwachen. Alles andere sind scheinheilige Vorwände.

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Was ist Openleaks?

Links:
Taz.de: Openleaks stratet mit TAZ -Beteiligung
Openleaks-Wikipedia
Homepage Openleaks

Blog2Blog

Netzpolitik org. Ein weiterer Rückschlag für Whistleblower

 

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Wikileaks "Ungeheuerlicher Angriff gegen die Informations-und Meinungsfreiheit"

Der Herausgeber der Netzschau (DNZS), Marty Ludischbo unterstützt ausdrücklich den „Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks“ , den die Frankfurter Rundschau, der Freitag, die Tageszeitung und andere Medien zeitgleich veröffentlicht haben.
Marty Ludischbo machte in seinem Brief an alle Leser/Innen der Netzschau auch noch mal deutlich, dass es“gute Grünnde gibt WikilLeks zu kritisieren„. Außerdem lehnt er ausdrücklich
„eine totale Transparenz auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens , wie ihn vielleicht einige „Cyberanarchos wünschen“, ab.
Aber:
„Die Veröffentlichung geheimer Dokumente, sowie der Schutz von Informant/innen gehört zu den vornehmsten Aufgaben von Journalistinnen und Journalisten.“ so Ludischbo weiter.

Gerade weil die Menschen ihre Regierungen misstrauen und die Medien mit einem qualitativen Journalismus hinterherhinken brauchen wir Portale wie WikiLeaks.

Die Kampagnen gegen Wikileaks führen zu weit. „Sie sind undemokratisch, unfair, unangemessen und ein ungeheuerlicher Angriff gegen die Informations-und Meinungsfreiheit. „

Dieses, sowie die Hackerangriffe gegen das Portal WikiLeaks, die Sperrungen v o n Kr
editkarten sowie Morddrohungen gegen Wikileaks-Aktivisten fordert auch die Netzschau (DNZS) hArt wleraus, klare Position zu beziehen. Das jüngste Beispiel, dass auch die Bank of Amerika den Geldfluss an WikiLeaks stoppte, bestärkt unsere Position.

 

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Die Netzschau unterstützt den Appell gegen die Kriminalisierung von Wikileaks

Liebe Leserinnen und Leser!

Als Herausgeber der Netzschau (DNZS) unterstütze ich ausdrücklich den „Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks“ , den die Frankfurter Rundschau, der Freitag, die Tageszeitung und andere Medien zeitgleich veröffentlicht haben.

Es gibt gute Gründe Wikieaks zu kritisieren. Journalisten wie z.B Ulrich Reitz (Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung), die die Veröffentlichungen von WikiLeaks allerdings als „üblen Verrat“ sieht,  ist ärgerlich und peinlich. Er stellt damit sich und seine Zeitung ins journalistische Abseits.
Harald Schumann vom Berliner Tagesspiegel machte es dagegen deutlich:  „Assange verweigert die Transparenz, die er fordert“ Aber so Schumann weiter:  „Die Welt braucht Wikileaks.

Ich ergänze: Die Welt braucht Plattformen wie Wikileaks.
Plattformen wie WikiLeaks und deren Alternativen sind die  Instrumente, die wir als Bürgerinnen und Bürger brauchen, um die Regierungen und deren Netzwerke dieser Welt zu kontrollieren. Wir brauchen sie, um die gewählten und nichtgewählten Administrationen dieser Welt auf die Finger zu schauen.
So z.B muss eine Institution, wie der Staat transparent sein, damit wir ihn überhaupt kontrollieren können. Denn der Staat ist in einer Demokratie der Auftragnehmer seiner Staatsbürgerinnen und Bürger.
Akteure auf den internationalen Finanzmärkten, die maßgeblichen Einfluss auf Politik und Gesellschaft haben, müssen es ertragen, dass wir auch von Ihnen Transparenz einfordern. Dokumente, die das Treiben von Bankern z.b in der Finanzkrise, dokumentieren, sind daher dringend geboten.

Gegen totale Transparenz und Überwachung
Die Daten der Staatsbürgerinnen und Bürger allerdings, bedürfen einen besonderen Schutz.
Eine totale Transparenz auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens , wie ihn vielleicht einige „Cyberanarchos“ wünschen, lehne ich ausdrücklich ab. Es ist durchaus legitim, wenn wir mündigen Bürger/Innen zwischen Informationsfreiheit und Informationssicherheit abwägen.
Aber: Die Veröffentlichung geheimer Dokumente, sowie der Schutz von Informant/innen gehört  zu den vornehmsten Aufgaben von Journalistinnen und Journalisten.

Wikileaks hält den Medien den Spiegel vor!
Dass wir solche Plattformen ála WikiLeaks brauchen, verbinde ich auch mit Medienkritik. Es wird ihnen der Spiegel vorgehalten. Mit den jüngsten  Veröffentlichungen  wird sichtbar, dass die Mehrheit der Medien nicht mehr richtig recherchiert.
Die Sichtweise von Albrecht Müller ist daher nachvollziehbar:
„Denn hier werden Informationen über Regierungen, Informationen über die Tätigkeit von Diplomaten und Geheimdienste offen gelegt, die offen zu legen eigentlich die Aufgabe der Medien wäre.  Da die meisten Medienschaffenden Kritik nicht ertragen können, reagieren sie gereizt auf einen solchen Vorgang.(Albrecht Müller) Umso besser, dass die Medien mit Anstand einen angemessen Appell gegen WikiLeaks verfasst haben! Sie haben erkannt, dass mit solchen Veröffentlichungen, Recherchematerial für alle zur Verfügung steht, ohne ausdrücklich auf das Verwertungsmonopol solcher Veröffentlichungen zu bestehen!

Die Kampagnen gegen Wikileaks führen zu weit. Sie sind undemokratisch, unfair, unangemessen und ein ungeheuerlicher Angriff gegen die Informations-und Meinungsfreiheit.

Dieses, sowie die Hackerangriffe gegen das Portal WikiLeaks, die Sperrungen von Kreditkarten sowie Morddrohungen gegen Wikileaks-Aktivisten fordert auch mich heraus, klare Position zu beziehen.

„Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen / Artikel 19: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

(…)Der Journalismus hat nicht nur das Recht, sondern die Aufgabe, den Staat zu kontrollieren und über die Mechanismen des Regierungshandelns aufzuklären. Er stellt Öffentlichkeit her. Ohne Öffentlichkeit gibt es keine Demokratie. Der Staat ist kein Selbstzweck und muss eine Konfrontation mit den eigenen Geheimnissen aushalten. Wir, die Initiatoren und Unterzeichner, fordern, die Verfolgung von Wikileaks, die dem Völkerrecht zuwiderläuft, zu stoppen(…)

Der Appell der Initiatoren!
Die Tageszeitung(TAZ)
Frankfurter Rundschau
Der Tagesspiegel

Perlentaucher
*

Netzpolitik
*

der Freitag

u.a

Diese Medien und heute auch ich, fordern ihre Leser zum Handeln auf.

Deshalb, liebe Leserinnen und Leser der Netzschau,
klicken Sie/klickt hier dazu auf diesen Link !
Er führt zu
der „Plattform für Veränderung“ der taz. Dort  können Sie/könnt Ihr unterschreiben, um den Appell und Wikileaks zu unterstützen.


Herzlichste Grüße
drucken

Marty Ludischbo (Herausgeber, DNZS-Die Netzschau) 

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Weitere Kampagnen
: Campact-Presse-Freiheit

Link zum Thema auf Golem.de

Positionspapier Solidarische Moderne (ISM)

Telefonkonferenz zu Wikileaks

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Kommentar zu WAZ Projekt gegen Wikileaks.

Da wollen uns die Macher von im Westen.de eine Konkurrenz zu Wikileaks verkaufen. Ich wäre auch fast darauf hereingefallen, als ich den Artikel von den Ruhebaronen zum voten bei Yigg eingestellt habe.

Hier nun mein Kommentar, den ich unter dem Artikel der Ruhrbarone: „WAZ startet Wikileaks Konkurrenz“ platziert habe.

Mein Kommentar:
Permalink

Hallo Herr Schraven…
Die Extreme Haltung der WAZ Mediengruppe,voran artikuliert durch Ihren Chefredakteur Reitz haben wir alle zur Kenntnis genommen.

http://dnzs-politik.blog.de/2010/12/02/wikileaks-enthuellungen-waz-chef-reitz-stellt-abseits-10097574/

Aber dieses Vorhaben als Konkurrenz zu WL zu verkaufen, nunja… ist ja nun wirklich fast schon abenteuerlich.

Sie haben was völlig anderes vor.
“Allgemein öffentlich zugänglich gemacht werden sollen die Dokumente nicht. Wir sind nicht Wikileaks”

Wissen Sie.. Ich glaube Sie (bzw nicht Sie, ihr Arbeitgeber) haben da in erster Linie monetäre Verwertungsinteressen im Auge. ;)

Ergänzung: Quellenschutz ist da doch eher vorgeschoben. Die WAZ-mediengruppe möchte das alleinige Verwertungsmonopol ihres Projektes haben.

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heute und letztens im Netz

* Links * Ruhr rein, Rhein rausAuge links 50%Auge links 50%
zum Thema:
-Wikileaks USA Depeschen-

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Der westen.de Suche Wikileaks (SuchLink)

(vote)DNZS- Politik-Blog(Marty Ludischbo): „WAZ-Chef Reitz stellz sich ins Abseits(link)

(vote) Ruhrbarone : „WAZ startet Wikileaks Konkurrenz (link)

Phillip Banse: Potcast Gespräch mit Leyendecker (link)

NachDenkSeiten (Albrecht Müller): „Mit den Veröffentlichungen von WikiLeaks wackeln eine Reihe von gut gepflegten Vorurteilen der Konservativen und Rechten(link)

Spiegel-Online : von Frank Patalong : Peinliche Suche nach der richtigen Klage“ (link)

Der Spiegelfechter: von Jens Berger: „Wikileaks Finanzen im Kreuzfeuer“ (link)

Der Spiegelfechter: von Jens Berger: „Willkommen im Informationskrieg“ (link)

update 15.12.10
(vote)Tagesspiegel
von Harald Schumann:
„Assange verweigert die Transparenz, die er fordert“ (link)

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Philip Banse vs. Leyendecker zu Wikileaks

(Hinweis) Für das Deutschlandradio Kultur haben Hans Leyendecker, Süddeutsche Zeitung, und Philip Banse über Sinn und Unsinn von Wikileaks gestritten . Der Journalist Banse hat das Gespräch aufgezeichnet und wie üblich wurde es gekürzt, damit es ins Programm passt. Deswegen die ungekürzte Version auf Phillips Blog weiter netzschauen

http://philipbanse.de/wp/pb016-ich-vs-leyendecker-zu-wikileaks/

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“Kontrollfreaks” gegen “Cyberanarchos” !?

“Kontrollfreaks” gegen “Cyberanarchos”!
Eine durchaus treffende Beschreibung. In diesem Fall scheint ja wirklich die Vernunft in der Mitte zu liegen. Upps…. Diese Phrase zu äußern ist mir ja schon fast peinlich 😉

Mal zurück zum Thema. In erster Linie scheint mir in den Veröffentlichungen mehr Tratsch und Klatsch zu liegen. Irgendwie habe ich doch irgendwie gedacht es kommt noch mal was neues auf dem Tisch.
Deswegen finde ich die Haltung und Reaktion der Amerikaner völlig übertrieben. Genauso wie journalistische Übertreibungen Marke Ulrich Reitz, Chefreda der WAZ- („übler Verrat“)
http://dnzs-politik.blog.de/2010/12/02/wikileaks-enthuellungen-waz-chef-reitz-stellt-abseits-10097574/

Ich glaube, dass viele Menschen, zuweilen auch ich, dazu tendieren mehr auf der Seite der Cyberanarchos zu stehen, weil sie die Regierungen schlicht nicht vertrauen. Die Menschen suchen m.E nach Instrumente um den Staat, der Auftragnehmer seiner Bürger/Innen, zu kontrollieren. Es ist doch der Eindruck entstanden, dass nicht die Bürger/Innen den Staat kontrollieren, sondern der Staat seine Bürgerinnen und Bürger.
Viele dachten mit WikiLeaks ein Instrument dafür zu bekommen oder es dafür zu benutzen.

Allerdings zweifel ich auch mittlerweile so ein bisserl daran. Und die Frage, die Wolf Schmidt (TAZ) bereits Mitte des Jahres gestellt hatte, bleibt auch heute völlig berechtigt. Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?
http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/die-rache-der-nerds/

Insofern finde ich den aufgezeigten Gegensatz von dir sehr gut und hilfreich für die Diskussion.

Allerdings bin ich nicht gegen die Veröffentlichungen.
Auf jeden Fall wird der Eindruck genährt, dass Regierungen (in diesem Fall die amerikanische Administration) im Inneren anders kommunizieren, als es dann draußen dargestellt wird.

Kommentar zum Blogartikel
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4648/willkommen-im-informationskrieg

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WikiLeaks Enthüllungen! WAZ Chef Reitz stellt sich ins Abseits.

Seit Dienstag dieser Woche kann jeder bei Spiegel-Online und anderen Medienpartnern von Wikileaks die neuesten Enthüllungen bewertet nachlesen. „Enthüllt! Wie Amerika die Welt sieht“ titelte der Spiegel auf Basis der neusten 251287 Dokumente die von den Medienpartnern (a)vorab gesichtet wurden. Die Diplomaten im State Departement sind stinksauer. Das war zu erwarten. Auch die deutsche Administration verurteilt den sog.“Geheimnisverrat“ (1) .
Aber nicht nur Politiker. Auch die Print-Chefstimme des Westens findet die Veröffentlichungen einen „üblen Verrat. Ulrich Reitz, der Chefredakteur der WAZ (b) und der westen.de stellt sich damit selber ins Abseits.

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob das wirklich relevant ist, dass Herr Berlusconi ein Frauenheld ist oder  die Kanzlerin von der amerikanischen Diplomatie als mutlos und ihr Außenminister als ein Mann mit wenigen Ideen bewertet wird.
Aber die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse daran, welche Demokraten mit welchen Diktatoren gemeinsame Sache machen und welche Interessen bei solchen Beziehungen dahinter stecken.

Komischerweise werden bei den bisherigen Veröffentlichungen diese wichtigen Antworten noch gar nicht geliefert. Vielleicht kommt das ja noch.

Grundsätzlich kann auch eine Plattform wie WikiLeaks nur funktionieren, wenn es Menschen gibt, die als Top Secret klassifizierte Vorkommnisse weitergeben. Das war vor WikiLeaks nicht anders. Es wurden und wird halt in erster Linie Dokumente an Verlagshäuser verkauft. Heute eben auch noch an  WikiLeaks, die ebenfalls strategisch die großen Verlagshäuser mit ins Boot geholt haben.
WikiLeaks-Gründer Julian Assange steht jetzt allerdings offiziell auf der Fahndungsliste von Interpol. (2)

Ultimative Transparenz um jeden Preis?

Zurück zu der westlichen Meinungsstimme. Ulrich Reitz zieht folgendes unkritisches Urteil:

„Geheimnisse sind unverzichtbar in der Politik. Geheimnisverrat ist strafbar, weil er den Frieden gefährdet. Wer das, wie Grüne, gut findet, disqualifiziert sich fürs Regieren. Und: Wer reguliert das Internet?“ (3)

Dass ein Chefredakteur so unkritisch und so einseitig sich an der Seite der Herrschenden stellt, die er eigentlich kritisch beobachten und kontrollieren sollte, ist verdächtig ungewöhnlich.
Natürlich gilt es, auch für Journalisten, professionell abzuwegen zwischen Sicherheitsinteressen und Informationsfreiheit. Sicherlich kann  im Einzelfall auch mal gegen die Transparenz entschieden werden. Ob das WikiLeaks macht ist ungewiss, denn keiner weiß, wer WikiLeaks kontrolliert, wie die Taz bereits im April dieses Jahres zurecht gefragt hatte.(4)
Aber solche Veröffentlichungen fördern und fordern. Sie fördern die Informationsfreiheit und sie fordern auch die Bürger/Innen der ganzen Welt auf mitzudenken. Denn wenn Informationen transparent daher liegen, kann sich auch keiner herausreden, nichts gewusst zu haben.
Das kann Bürgerinnen und Bürger motivieren sich in demokratische Entscheidungsprozesse noch mehr einzumischen. In Diktaturen kann es motivieren Widerstand gegen brutale Herrscher zu leisten. Wohlgemerkt : kann!

„Viele Wikileaks-Dokumente bedürfen der Interpretation. Das aber ist kein Argument gegen ihre Veröffentlichung. Die Internet-Plattform erschwerterfreulicherweise das Regieren… „Die Bevölkerung hat keinen Grund, den Regierenden zu vertrauen. Sie tut gut daran, immer wieder auf Offenlegung und Veröffentlichung zu dringen.“ meint Arno Widmann in einem Leitartikel bei FR-Online.(5)

Richtig. Das ist kritischer Journalismus. Herr Reitz (der westen.de) dagegen hat sich seit Dienstag ins journalistische Abseits gestellt. Und das obwohl die bisherigen Bewertungen aus den Veröffentlichungen doch eher belanglos sind.

Quellen 1-5

http://www.stern.de/politik/deutschland/reaktionen-auf-wikileaks-enthuellungen-bundesregierung-gibt-sich-gelassen-1628994.html

http://www.tagesschau.de/ausland/assange116.html

http://www.derwesten.de/nachrichten/Ein-uebler-Verrat-von-Ulrich-Reitz-id4002173.html

http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/die-rache-der-nerds/

http://www.fr-online.de/politik/meinung/im-geheimraum/-/1472602/4880830/-/index.html

(a) Medienpartner: Spiegel, New York Times, Guardian(London) , Le Monde (Paris) El Pais (Madrid)
(b) Anm. Redaktion: „Die Waz ist zweifelos der größte lokale Meinungsmacher im Ruhrgebiet.“

siehe auch: der Freitag.de 251.287 US-Depeschen geleakt

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